1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. Nach dem Tornado geht in Paderborn das große Aufräumen weiter

  8. >

Lunapark und Lunamarkt öffnen nicht mehr – „Tag des Paderborner Sports “ abgesagt

Nach dem Tornado geht in Paderborn das große Aufräumen weiter

Paderborn

Seit dem späten Freitagnachmittag ist in Paderborn vielerorts nichts mehr so wie es war. Der Tornado hat von Südwesten in Richtung Nordosten eine etwa 300 Meter breite Schneise der Zerstörung hinterlassen.  Das große Aufräumen geht weiter – und ist mit weiteren Gefahren verbunden.

Von Ingo Schmitz, Raja Mukherjee, Per Lütje, Oliver Schwabe und Elmar Neumann

Das Paderquellgebiet zählt zu den besonders betroffenen Bereichen. Die Schneise, die der laut dem Deutschen Wetterdienst bis zu 250 km/h schnelle Tornado durch Paderborn gezogen hat,  ist etwa 300 Meter breit. Foto: Ingo Schmitz

Bei Markus Happe, Obermeister der Paderborner Dachdecker-Innung, klingelte am Samstagmorgen das Telefon im Sekundentakt. „Wir versuchen den Menschen zu helfen oder eine Lösung anzubieten. Aber was will man jemandem sagen, der kein Dach mehr über dem Kopf hat? Für den gibt es erstmal keine Lösung. So sehr wir auch helfen wollen“, sagte er verbittert.

Angesichts der immensen Schäden hat Happe einen Hilferuf gestartet und Innungen vom Ruhrgebebiet bis in den Kreis Höxter hinein angeschrieben. Er bittet um Unterstützung: „Wir Paderborner Dachdecker können das gar nicht alles leisten. Wir sind noch dabei, Schäden vom letzten Sturm abzuarbeiten. Und jetzt diese Katastrophe. Wir sind dankbar für jede Hilfe.“ Im Stadtbild sind bereits die ersten Dachdecker aus Bielefeld und Gütersloh zu sehen. Sie bieten ihre Unterstützung an.

Nach Angaben von Michael Lutter, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe, sind auch etliche Handwerksbetriebe schwer beschädigt worden. „Unter anderem hat den Paderborner Bildhauer Michael Diwo im Riemeke schwer getroffen. Es gibt aber auch Existenzgründer, die erst kürzlich mit ihrem Betrieb gestartet sind und jetzt vor einem Trümmerhaufen stehen“, sagte Lutter.

Mehr als 200 Einsätze für die Feuerwehr

Derweil warnt die Paderborner Feuerwehr „vor losen Dachziegeln und anderen Gegenständen“, die  von den Dächern fallen könnten und lockeren Ästen, die nur noch bis zum nächsten Windstoß in den Bäumen hängen.

Bei den bisherigen Einsätzen, es waren bereits mehr als 200, an denen über 400 Feuerwehrleute beteiligt waren, sei immer wieder deutlich geworden, dass gerade hier versteckte Gefahren lauerten, heißt es: „Deshalb bittet die Paderborner Feuerwehr die Bürgerinnen und Bürger, in dieser Hinsicht sehr vorsichtig zu sein, um mögliche Unfälle zu vermeiden.“

Die Polizei Paderborn

Die Polizei, die in den betroffenen Bereichen mit deutlich erhöhter Stärke präsent war und ist, vermeldete gegen Mitternacht, dass alle Durchgangsstraßen in Paderborn wieder frei seien, appelliert aber ebenfalls an die Bevölkerung: „Auch am Samstag ist in den Schadensgebieten mit erhöhten Gefahren durch starke Winde zu rechnen. Wer nicht zwingend in die Stadt fahren muss, sollte die Gebiete weiträumig umfahren, um Platz für die vielen Arbeitskräfte vorzuhalten. Jede Behinderung der Einsatzkräfte ist auszuschließen.“

Lunapark und Lunamarkt öffnen nicht mehr

Am Samstag sind die Riemekestraße, die Penzlinger Straße und die Friedrichstraße gesperrt. Auch auf anderen Strecken kann es zu Sperrungen kommen, teilt die Polizei mit: „Viele Straßen  müssen zeitweise, teilweise auch längerfristig gesperrt werden.“ Der Riemekepark und das Paderquellgebiet bleiben bis auf weiteres geschlossen. Absagen gibt es auch: Der für Sonntag geplante Tag des Paderborner Sports (siehe Infobox) findet nicht statt, der Lunamarkt und der Lunapark öffnen nicht mehr. In einer Mitteilung der Stadt heißt es: „Der Lunapark auf dem Maspernplatz und der unmittelbar neben dem Kirmesgelände beginnende Lunamarkt werden sowohl am heutigen Samstag als auch am Finaltag am morgigen Sonntag nicht mehr für die Besucherinnen und Besucher öffnen.  Zwar ist der Kirmes-Bereich nicht unmittelbar von Schäden betroffen, allerdings zeigt sich direkt nebenan ein Bild der Zerstörung. Dieser Umstand macht eine unbeschwerte und fröhliche Kirmesveranstaltung aus Sicht des Krisenstabs nicht möglich.“

Tag des Paderborner Sports abgesagt

In einer zweiten Zwischenbilanz hatte die Polizei von 43 Verletzten gesprochen, von denen 30 noch in Paderborner Krankenhäusern behandelt würden. Eine lebensgefährlich verletzte Frau habe in eine Bielefelder Klinik verlegt werden müssen.

Stadt koordiniert über Hotline Hilfsangebote- und gesuche

Seit Samstagmorgen gibt es bei der Stadt eine Hilfe-Hotline für „Fragen im Zusammenhang mit dem Unwetter". Über die Nummer 05251/880 will die Stadt Paderborn auch Hilfsangebote und -gesuche koordinieren. Dabei könne es sich um ehrenamtliche Hilfseinsätze von privat zu privat handeln. Aber auch Firmen und Handwerker, die ihre Hilfe anbieten möchten, könnten sich bei der bestehenden Hotline melden. Die Stadt bittet um Verständnis, dass wegen des enormen Anrufaufkommens nicht direkt jeder Anruf durchgestellt werden könne und es zu Wartezeiten komme.

Startseite
ANZEIGE