1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. Neues hochkarätiges Festival

  8. >

Im Herbst 2021 kommen internationale Stars geistlicher Musik nach Paderborn

Neues hochkarätiges Festival

Paderborn (WB). Freunde geistlicher Musik können sich schon jetzt auf den September 2021 freuen. Vom 10. bis 24. des Monats wird zum erstenmal das Festival „Internationale Musiktage am Dom Paderborn“ (IMAD) ausgerichtet.

Dietmar Kemper

Thomas Berning wird das neue Chorfestival 2021 zusammenstellen. Domkantorin Gabriele Sichler-Karle wird ihn dabei unterstützen, am Festival aber nicht mitwirken. Foto: Dietmar Kemper

Durch das Programm und die Qualität der Ensembles und Solisten solle es weit über Paderborn hinaus ausstrahlen und zu einem Leuchtturm-Festival auf dem Gebiet werden, sagte Domkapellmeister Thomas Berning am Mittwoch.

Paderborns Urbischof ist der Namensgeber

Er wird bei dem Festival die künstlerische Leitung und Intendanz übernehmen. Den Namen der Veranstaltung erklärte er so: „Ziel war es, Paderborns Urbischof Imad im Titel unterzubringen.“ Als 2018 die Weihe des Imad-Doms vor 950 Jahren gefeiert wurde und im Herbst eine Woche lang geistliche Musik erklang, kam Berning auf die Idee für das Festival. Nach ersten positiven Gesprächen mit dem Metropolitankapitel im Frühjahr 2019 habe er jetzt grünes Licht für die Premiere bekommen, berichtete er am Mittwoch. Das ihm zugesagte Budget sei „ausreichend“, sagte er, ohne konkrete Zahlen nennen zu wollen.

David Briggs reist aus New York an

Billig wird das Festival sicher nicht. „Tolle Gäste werden kommen, es baut sich gerade ein wunderbares Programm zusammen“, schwärmte Berning. Demnach steht bereits fest, dass das Ensemble Voces 8 aus London nach Paderborn kommen wird und dort ein A-cappella-Konzert und einen Workshop geben wird. Aus New York wird der gefeierte Organist David Briggs, der Mahlers „Auferstehungssinfonie“ transkribiert hat, anreisen. Für dessen Konzert soll ein Festivalchor mit Sängerinnen und Sängern aus den Chören Paderborns gebildet werden.

Die Paderborner Dommusik selbst wird zum Abschluss des Festivals Verdis Requiem im Dom mit Solisten und der Nordwestdeutschen Philharmonie gestalten. Die NWD ist Kooperationspartner des neuen Musikangebots. Zu den etwa zehn Programmpunkten wird auch ein geistliches Kindermusical in Zusammenarbeit mit den Michaelsschulen gehören. „Es soll Formate geben, die Kinder und Schulen ansprechen“, erläuterte Berning.

Neben dem Dom ist die Markt- und Universitätskirche als Aufführungsort vorgesehen. In der Kaiserpfalz wiederum soll das Festival „Internationale Musiktage am Dom Paderborn“ (IMAD) eröffnet werden. Die Premiere wird den Untertitel „In Gottes Hand“ tragen. Bis zum Herbst soll alles spruchreif sein, Tickets gibt es jetzt noch nicht.

Festival soll alle drei Jahre stattfinden

Das Festival solle die Lücke schließen, die das Ende von „Musica Sacra“ im Bereich geistliche Musik hinterlassen habe, sagte Thomas Berning. Als Triennale, also im Drei-Jahres-Rhythmus, soll die Reihe veranstaltet werden. Berning blickt bereits über die Premiere hinaus: „Dass das Festival 2021 und 2024 stattfindet, halte ich für sicher.“ Eine Neuauflage in jedem Jahr oder alle zwei Jahre erachtet der Domkapellmeister nicht für sinnvoll und eher für inflationär. Gleich beim ersten Mal müssten die Musikfreunde elek­trisiert werden – nach dem Motto „Da müssen wir wieder hin, das ist nicht so oft.“

Bei der Finanzierung will die Paderborner Dommusik mit Sponsoren zusammenarbeiten, und Erfahrung mit der Organisation von Großveranstaltungen hat sie ohnehin. Schließlich fand 2019 das Kinder- und Jugendchorfestival „Pueri Cantores“ in Paderborn statt.

Das Programm 2020

Trotz des neuen Festivals 2021 hat die Paderborner Dommusik ihr Programm für das laufende Jahr keineswegs abgespeckt. Ein Höhepunkt verspricht im Mai das Konzert zum Kriegsende vor 75 Jahren zu werden.

1. März, 15.30 Uhr: Die Reihe „Sonntagsmusik“ stimmt an diesem Tag mit Werken unter anderem von Brahms auf die Fastenzeit ein. Unter der Leitung von Thomas Berning sind der Paderborner Domchor und Organist Tobias Aehlig zu hören. Die einstündige geistliche Musik kommt gut an. Bis zu 400 Menschen strömen in den Dom. Die sollten sich auch den 14. Juni im Kalender markieren: Dann wird das Erik Westbergs Vokalensemble mit Sängerinnen und Sängern aus Schweden und Finnland neuere Chorliteratur nordischer Komponisten vorstellen.

10. Mai, 18 Uhr: Die Domkantorei, das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft und namhafte Solisten wie Georg Zeppenfeld führen in der Marktkirche Haydns „Schöpfung“ auf. „Im Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs möchte ich kein trauriges Konzert veranstalten, sondern 75 Jahre Frieden feiern“, betont Thomas Berning. Dafür eigne sich Haydns Werk hervorragend.

23. Juni, 19.30 Uhr: Im Rahmen des Orgelfestivals, das am 5. Juni beginnt, wird der Knabenchor an der Nidaroskathedrale im norwegischen Trondheim zusammen mit dem Paderborner Domchor an den 150. Geburtstag von Louis Vierne erinnern.

12. November, 19.30 Uhr: Zum Beethovenjahr erklingen dessen Missa in C, Opus 86, und Bruckners „Te Deum“. Es spielt die Nordwestdeutsche Philharmonie.

18. Dezember, 19.30 Uhr: Es wird das letzte Adventskonzert der Domkantorin Gabriele Sichler-Karle sein, die in die Altersteilzeit geht. Zum Abschluss sind Bachs „Unser Mund sei voll Lachens“ und das „Weihnachtsoratorium“ von Homilius zu hören.

Kommentar

Die NWD zählt zu den fleißigsten Orchestern Deutschlands. Die Paderborner Dommusik steht ihm in nichts nach. Gerade erst hat sie das Kinder- und Jugendchorfestival „Pueri Cantores“ organisiert und musikalisch begleitet, da legt Thomas Berning bereits den Grundstein für ein neues Festival geistlicher Musik, das die Qualität haben soll, sich national und international einen Namen zu machen. So viel Engagement verdient Respekt. Und die Tatsache, dass die fleißige NWD den Kooperationspartner darstellt, lässt einiges erhoffen. Abgesehen davon: Immer mehr Menschen meiden Kirchen. Wenn sie dank himmlischer Musik doch wieder hineingehen sollten und dabei Religion spüren können, hallen vielleicht nicht nur die Klänge bei ihnen nach. Dietmar Kemper

Startseite
ANZEIGE