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Die Paderbornerin Valerie Menke und Kristin Hollmann haben ihre Himalaya-Wanderung in einem ungewöhnlichen Film dokumentiert

Nichts geht über Freundschaft

Paderborn

Für Valerie Menke ist ihre Freundin „ein Geschenk des Himmels“. Mit Kristin Hollmann geht die Paderbornerin durch dick und dünn. Im Frühjahr 2018 ist sie mit ihr durch den Himalaya gewandert. Dabei diskutierten die beiden viele Stunden lang darüber, was Freundschaft ausmacht.

Dietmar Kemper

Da haben sich zwei gefunden. Valerie Menke (rechts) und Kristin Hollmann wanderten durch den Himalaya, um ihre tiefe Freundschaft zu feiern. Foto: Together free

Herausgekommen ist ein 80-minütiger Film, der die Erlebnisse der 28-tägigen Reise schildert und Einblicke in die Seele der beiden Frauen gibt, die „sich einander zur Priorität gemacht haben“, wie es Valerie Menke ausdrückt. Der Film „Together free“ hat an diesem Donnerstag um 20 Uhr im Internet Premiere.

Zehn Jahre lang lebten die beiden in einer Wohnung in Hamburg zusammen. Valerie Menke studierte Geowissenschaften, Kristin Hollmann International Business Studies. „Wir haben gemerkt, dass wir unsere Freundschaft ernster nehmen als andere“, erzählt Valerie Menke, die in Paderborn zur Welt kam und in Holtheim aufwuchs. Die Chemie habe vom ersten Tag an gestimmt, Kristin und sie seien zur richtigen Zeit am richtigen Ort aufein­andergetroffen.

Als sich das Ende der gemeinsamen Zeit in Hamburg anbahnte, wollten die beiden Frauen ihre tiefe Verbundenheit in Form einer außergewöhnlichen Reise feiern. Zwei Wochen Strandurlaub seien nicht infrage gekommen, erinnert sich Valerie Menke. Die Reise sollte ein Abenteuer sein und körperlich wie mental eine Herausforderung. Die entsprechende Fitness verschafften sich die Freundinnen durch regelmäßiges Laufen entlang der Alster.

Im April 2018 begann die Wanderung durch den Himalaya, die Route führte vom Rand in den Sagarmatha-Nationalpark und zum Fuße des Mount Everest. Im Nationalpark überquerten die Frauen die Höhenpässe des „3 Passes Trail“, erklommen zwei Berge von mehr als 5000 Meter Höhe und steuerten auch das Mount Everest Basecamp an. Die Idee, parallel einen Film zu drehen, sei aus einer „Weinlaune“ heraus entstanden, berichtet Valerie Menke. Die atemberaubende Landschaft habe natürlich auch nahegelegt, eine Kameraausrüstung mitzunehmen. Menke und Hollmann planten für die 28 Tage sechs- bis achtstündige Etappen ein, zu denen dann noch zwei Stunden für das Filmen hinzukamen. Die 14 Kilogramm schweren Rucksäcke schleppten die Frauen selbst, ein Guide und ein Träger kümmerten sich um die Filmausrüstung.

„Mit vollem Herzen wollen und danach handeln“

Die 32-jährige Valerie Menke wurde von der Höhenkrankheit heftig erwischt. „Ich bekam extreme Kopfschmerzen, ich schlief nicht mehr vernünftig, war mit Sauerstoff unterversorgt“, blickt sie zurück und betont: „Durch unsere Reise ist die Freundschaft noch intensiver geworden, die Angst um die Gesundheit bedeutete eine neue Dimension.“

Inzwischen ist die Wanderung Geschichte, die Freundschaft aber nicht. Valerie Menke zog Mitte 2018 nach Kalifornien und lebt mit ihrem Verlobten in Santa Barbara. Kristin Hollmann (35) wohnt weiter in Hamburg, hat aber ebenfalls einen Mann an ihrer Seite. Die gemeinsame Arbeit am Film sorgte dafür, dass der Kontakt intensiv blieb. Und daran soll sich auch trotz der tausende Kilometer zwischen Deutschland und den USA nichts ändern. „Eine Freundschaft muss man mit vollem Herzen wollen und danach handeln“, betont Valerie Menke. Es komme darauf an, die Sicht des anderen zu akzeptieren, statt die eigenen Maßstäbe anzulegen, Konflikte schnell zu klären, ehrlich und empathisch mit dem Gegenüber umzugehen und sich auch völlig alltägliche Banalitäten zu erzählen, um buchstäblich im Gespräch zu bleiben.

Valerie Menke sagt: „Viele Menschen setzen den Schwerpunkt auf Liebesbeziehungen und familiäre Bindungen. Ich werbe für die Freundschaft, weil sie einem Menschen genauso viel bringen kann.“ Freundschaft hält die 32-Jährige zudem für eine flexiblere und freiere Möglichkeit, um Nähe zu erleben, als eine Ehe. Und wie sehr der Mensch Beziehungen brauche, werde in der Corona-Pandemie einmal mehr deutlich. Das Bedürfnis nach sozialen Kontakten lasse sich im Büro nicht mehr befriedigen, sagt Valerie Menke und denkt an das inzwischen verbreitete Homeoffice.

Bleibt noch die Frage, warum der Film „Together free“ heißt. Freundschaft bedeute auch, dem anderen die Freiheit einzuräumen, sich in eine andere Richtung zu entwickeln, ohne sich an ihm festzuklammern, erklärt Valerie Menke.

Tickets für die Premiere von „Together free“ am Donnerstag um 20 Uhr kosten zwölf Euro. Es gibt sie über die Internetseite www.togetherfree.de und einen rot unterlegten Link. Dem 80-minütigen Film schließt sich eine Diskussion an.

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