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Frieda Braun erzählt urkomische Geschichten und erntet „Zugabe“-Rufe in der Paderhalle

Nur zehn Worte am Tag

Paderborn (WB). Puh! Ein siebentägiges Schweigeseminar in Herbram-Wald erweist sich für Frieda Braun und ihre „Splittergruppe“ der Frauengemeinschaft als echte Herausforderung. Zumal sie jeden Tag nur zehn Wörter sprechen dürfen. Zum Glück gibt es zur Abwechslung eine Stadtführung in Asseln. Aber nein! Der Stadtführer darf selber nichts ­sagen.

Dietmar Kemper

Frieda Braun genießt den Beifall. Mit „Pass auf!“ hatte sie in den zwei Stunden zuvor zahlreiche urkomische Geschichten über den Menschenschlag im Sauerland eingeleitet. Foto: Dietmar Kemper

Blühende Phantasie

Mit skurrilen Geschichten, die eine blühende Phantasie erfordern, aber theoretisch so passiert sein könnten, unterhält die Sauerländerin seit vielen Jahren ihr Publikum prächtig. So wie am Donnerstagabend in der vollbesetzten Paderhalle. „Sprechpause“ heißt ihr Programm, das Schweigeseminar dient aber nur als Rahmen, in den Braun teils bereits bekannte Nummern einspannt. Wie die über die fatale Kettenreaktion, die Zwiebelkuchen und Federweißer auslösen, oder die vom Besuch des André-Rieu-Konzerts, bei dem der Stargeiger von der Splittergruppe mit elf Stoffkängurus beworfen wird, „weil er von so weit gekommen ist, um uns zu sehen“. Die Geschichte mit den Kängurus hatte Braun bereits im Mai als Teil der „Ladies Night“ in der Paderhalle erzählt, aber die ist so gut, dass man auch beim zehnten Mal noch lauthals lacht. 2021 werde sie mit ganz neuen Geschichten wiederkommen, kündigte die Kunstfigur an, hinter der die ehemalige Werbetexterin und überzeugte Sauerländerin Karin Berkenkopf steckt.

Requisiten unnötig

Requisiten braucht sie nicht. Ein runder Tisch als Ablage für eine Handtasche und ein Glas Wasser reicht. Nichts lenkt von den urkomischen Erzählungen von „es Mia“, von Brunhild mit den großen Füßen („Quantensprung“), Kollekten-Aga und den anderen Freundinnen ab. Die Geschichten erzählen von Ausreden wie „Mir gefällt’s, aber ich muss erst meinen Mann fragen“, wenn Frauen, die im Geschäft nur gucken wollen, von der Verkäuferin in die Zange genommen werden, bis zur Liebeserklärung an den Saugroboter, dem Chipsbrösel als Dank für hervorragende Dienste hingeworfen werden. Hinzu kommen Wortspiele wie „Im Männerschweiß sind Phänomene“, handfeste Tipps fürs ermattete Liebesleben („Du musst als Frau was Flauschiges anziehen“) und linkische Fußbewegungen, Hüftschwünge und Grimassen, die das Gesagte wunderbar unterstreichen. Wohltuend verzichtet Braun auf die heute so beliebten Schläge unter die Gürtellinie und auf das Verhöhnen von Politikern. Es braucht nichts Brachiales, Lautes, um gut zu unterhalten.

Wunderbarer Abend

Die Besucher der Paderhalle, echte Frieda-Braun-Fans, kicherten teilweise schon vor der Pointe und vergaßen den Ärger, den sie kurz zuvor bei der Suche nach einem Parkplatz schlucken mussten. Wer nach den vergnüglichen zwei Stunden rechtzeitig wieder zu Hause war, konnte in der ARD die „Ladies Night“ schauen – das Format, das Frieda Brauns Popularität so richtig angeschoben hatte. „Wenn du über den Abend berichtest, halt mich komplett da raus“, bat Braun den Journalisten in der Paderhalle. Sorry, aber das geht nun wirklich nicht. Schließlich war der Abend nicht peinlich, sondern wunderbar. Und das sollen auch alle erfahren.

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