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Konzert der Philharmonischen Gesellschaft setzt in Paderborn auf B-Dur

Orchester und Solist brillieren

Paderborn (WB). Es war ein glanzvolles Konzert in heiteren B-Dur-Klängen, bei dem Simon Staub mit Mozarts letztem Klavierkonzert brillierte. Erwartungsgemäß fand das 3. Konzert der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn in der Kaiserpfalz unter Leitung von Thomas Berning am Sonntag großes Interesse bei den Freunden klassischer Musik.

Hermann Knaup

Blumen für Thomas Berning. Dank der Programmgestaltung, des Orchesters und der guten Akustik wurde das Konzert zum Genuss. Foto: Hermann Knaup

Heitere Grundstimmung

Bewusst hatten die Veranstalter drei bekannte und bedeutende Werke ausgesucht, denen die Grundtonart B-Dur gemeinsam ist, die zugleich auch in ihrem musikalischen Gesamtcharakter eine überwiegend heitere Grundstimmung aufweisen. In der Musikwissenschaft mag die Vorstellung von einer Tonarten-Charakteristik als eher spekulativ umstritten sein, dennoch haben zahlreiche Musikologen eine solche ausführlich beschrieben. Beethoven hat eine Tonarten-Ästhetik in seinen Werken immerhin als selbstverständlich vorausgesetzt.

Mit Joseph Haydns B-Dur-Sinfonie Nr. 85 „La Reine“ (1786) eröffnete das Orchester den Konzertabend. Dirigent Thomas Berning legte Wert auf eine dezent wohltuende, galante Interpretation und vermied somit jegliche, überzogene Fulminanz. Dadurch konnte das Orchester die thematischen und dynamischen Entwicklungen dieser feinsinnigen Sinfonie sehr transparent und differenzierend musizieren.

Pianist beeindruckt mit sensiblem Spiel

Mozarts B-Dur-Klavierkonzert Nr. 25 KV 595 (1791) entwickelte sich anschließend zu einem der Höhepunkte des Konzertes. Der junge Paderborner Pianist Simon Staub beeindruckte zutiefst mit seinem sensiblen Spiel. Für einen jungen Solisten stellt dieses Werk einen enormen Anspruch dar, der über die spieltechnische Fertigkeit hinaus zugleich eine tiefgründige Musikalität einfordert. In bewundernswerter Weise meisterte Simon Staub diese Aufgabe, wofür er lang anhaltenden Applaus und Anerkennung erhielt. Als Zugabe spielte er, zur Faszination des Publikums, die virtuose Konzert-Etude op. 111,6 „Toccata d’après le final de 5e concert“ von Camille Saint-Saëns.

Franz Schuberts fünfte Sinfonie (1816), ebenfalls in B-Dur, steht noch sehr in der Tradition der Wiener Klassiker, insbesondere Joseph Haydns. Im Menuett verweisen bereits einige Motive prägnant auf die spätere „Große C-Dur Sinfonie“ des Meisters. Berning stellte die unverkennbaren Merkmale der klassischen Sinfonik dieses Werkes deutlich heraus, so dass diese Sinfonie gleichsam als eine Reminiszenz des Romantikers Schubert an die große Epoche der klassischen Sonaten- und Sinfonie-Ära wirkte. Für den programmatisch klug durchdachten Abend bedankte sich das Publikum mit stehendem Applaus.

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