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Obdachloser bereitet Pfarrer Tobias Dierksmeier Probleme

Paderborner Kirche vorübergehend geschlossen

Paderborn

Ein Schild an der Kirche in Sande hat am Dienstag für Aufsehen gesorgt. „Wegen Vandalismus geschlossen“ stand dort zu lesen. Die Kirchengemeinde Heiliger Martin sah sich zu der Entscheidung gezwungen, weil sich ein Obdachloser vor der Kirche aggressiv verhalten habe.

Von Dietmar Kemper

Dieses Schild an der Marienkirche in Sande war am Dienstag Gesprächsthema im Stadtteil. Mit „Vandalismus“ waren aber keine Zerstörungen an Altar, Bänken oder Kerzen gemeint.  Foto: Kerstin Eigendorf

Seit Montagabend benehme sich der Obdachlose auf dem Kirchplatz auffällig, gehe Menschen verbal an und verrichte seine Notdurft  im Vorraum, sagte Thomas Throenle von der Pressestelle des Erzbistums. Um nicht zuletzt die Mitarbeiter der Kirchengemeinde zu schützen, habe Pfarrer Tobias Dierksmeier am Dienstagmorgen entschieden, die Kirche zu schließen.

Dierksmeier beklagte gegenüber dieser Zeitung: „Der Vorraum der Kirche wurde als Toilette benutzt. Wir müssen schauen, dass nicht noch mehr passiert.“ Im Moment wolle er noch keine Anzeige erstatten: „Eine Anzeige könnte dazu führen, dass der Mann sich in die Ecke gedrängt fühlt.“  Der Pfarrer, die Küsterin und der Kirchenvorstand hoffen, dass die Person weiterzieht.

Pfarrei in einem Dilemma

Die Pfarrei Heiliger Martin, zu der auch Schloß Neuhaus, Mastbruch und Sennelager gehören, steckt in einem Dilemma. Soll sie den Mann aus christlicher Nächstenliebe in die Kirche lassen oder ihm anderweitig einen Platz besorgen? Das würde dann aber möglicherweise zu Zerstörungen in den Räumen selbst führen. „Wir haben aus dem Umfeld der Kirche gehört, dass bei dem Mann Aggressivität vorliegt“, sagte Dierksmeier.

Polizei rät dazu, Abstand zu halten

Im Inneren der Kirche wurde bislang nichts beschädigt. Die Marienkirche wurde 1953 geweiht und liegt an der Sennelager Straße. Die Paderborner Polizei rät zu Vorsicht im Umgang mit aggressiven Obdachlosen. Sprecher Michael Biermann: „Die Leute glauben, denen geht es nicht gut und wollen helfen und werden dann angepampt.“ Es gebe Obdachlose, die sich nicht helfen lassen wollten. Zu ihnen sollten die Menschen Abstand halten und notfalls die Polizei rufen. 

In erster Linie sei das Ordnungsamt gefordert, sich um Menschen zu kümmern, die sich inakzeptabel benähmen. Wer seine Notdurft in einer Kirche verrichte, begehe eine Ordnungswidrigkeit, für die er belangt werden könne, sagte Biermann. Aber meistens sei bei diesen Personen die dann fällig werdende Summe Geld nicht vorhanden. 

Psychisch besonders auffällige Obdachlose, zu denen selbst Sozialarbeiter keinen Kontakt aufbauen können,  werden „Systemsprenger“ genannt.  Sie nehmen Beratungs- und Unterstützungsangebote teilweise auch deshalb nicht wahr, weil sie mit den damit verbundenen Regelungen überfordert sind. In Paderborn trat dieses Problem gehäuft im Bereich Kapellenstraße auf, der sich zu einem Zentrum der Alkohol- und Drogenszene entwickelt hatte. Wie im Dezember 2021 berichtet,  fühlten sich Bewohner nicht mehr sicher, klagten über Randale und Lärm und über Fäkalien in ihren Vorgärten.

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