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Ehrenbürger, ehemaliger Bürgermeister und Landtagsabgeordneter im Alter von 86 Jahren verstorben

Paderborn trauert um Willi Lüke

Paderborn

Einer der bekanntesten und beliebtesten Politiker der Region ist tot: In Paderborn und darüber hinaus trauern langjährige Weggefährten, Freunde und auch viele Bürger um den Ehrenbürger Wilhelm „Willi“ Lüke. Der ehemalige Bürgermeister und Landtagsabgeordnete der CDU ist am Donnerstag im Alter von 86 Jahren verstorben. Die Nachricht hat viele Menschen sehr betroffen gemacht.

Ingo Schmitz

Wilhelm „Willi“ Lüke hat Paderborn über Jahrzehnte wie kaum ein anderer geprägt. Als Bürgermeister und Landtagsabgeordneter setzte er sich stets für seine Heimat mit Herzblut ein. Foto: Christiane Bernert

Erzbischof Hans-Josef Becker sagte am Donnerstag gegenüber dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT: „Für mich persönlich wird Willi Lüke immer als einer in Erinnerung bleiben, der bodenständig und zutiefst heimatverbunden war. Er war ein Mensch, der das Herz am rechten Fleck hatte und als Lokalpolitiker wusste, was die Menschen hier bei uns bewegt.“

Egal ob Neujahrsempfänge, Libori, Schützenfest beim PBSV, wo er aufgrund seiner Verdienste auch Ehrenmitglied war, oder bei Parteiveranstaltungen der CDU: Willi Lüke war bis zuletzt hoch geschätzter Gast aller Veranstaltungen. Etliche Prominente hat er in seinen politisch aktiven Jahren in Paderborn begrüßt. Zu den Persönlichkeiten gehörten unter anderem Papst Johannes Paul II. im Jahr 1996 oder auch Vertreter des britischen Königshauses. Die beiden Bundespräsidenten Johannes Rau und Roman Herzog gehörten ebenso dazu wie der langjährige Bundeskanzler Helmut Kohl.

Lüke gilt als der Urvater der Landesgartenschau Schloß Neuhaus, die im Jahr 1994 stattfand. Seine Verdienste wurden mit zahlreichen Auszeichnungen und Orden gewürdigt. Dazu gehörte auch die Ehrung durch die britische Königin Elizabeth II., die für die Verständigung mit den in Paderborn stationierten Streitkräften den Orden eines Ehrenoffiziers des britischen Empires verlieh. Den päpstlichen Verdienstorden bekam Lüke von Erzbischof Hans-Josef Becker im März 2007 überreicht.

Elf Jahre lang war Wilhelm Lüke Bürgermeister in Paderborn und damit Vorgänger von Heinz Paus. Er war in zahlreichen Parteigremien und auf verschiedenen politischen Ebenen tätig. Er war nicht nur CDU-Stadtverbands- sondern auch stellvertretender Kreisvorsitzender. Zunächst gehörte er vier Jahre lang dem Kreistag an. Direkt im Anschluss wurde er 1975 stellvertretender Bürgermeister in Paderborn. Dieses Amt übte er bis 1988 aus. Danach wurde er zum Bürgermeister gewählt. Bis zur Abschaffung der Doppelspitze im Jahr 1999 war Lüke hier ununterbrochen Bürgermeister. Insgesamt 24 Jahre gehörte er dem Stadtrat an. Außerdem war er von 1985 bis 2000 für die CDU im NRW-Landtag vertreten.

„Willi Lüke hat tiefe Spuren in seinem Paderborn hinterlassen“, sagte Bürgermeister Michael Dreier. „Mit seinem Tod verliert die Stadt eine ihrer bedeutendsten Persönlichkeiten. Er hat sich große Verdienste um die Stadt Paderborn und um ihre Entwicklung zu einem erfolgreichen Oberzentrum erworben“, betonte der amtierende Bürgermeister. „Ihm war es immer wichtig, ganz nah an den Menschen und ein Bürgermeister für alle Paderborner zu sein. Das ist ihm in besonderer Weise gelungen.“ Der Verstorbene habe auch mehrere Städtepartnerschaften durch seinen Einsatz maßgeblich mit geprägt. So knüpfte er Kontakte nach Pamplona (Spanien), Przemysl (Polen), Debrecen (Ungarn) sowie Belleville (USA).

Dreier weiter: „Es war immer wieder zu spüren, welchen Respekt sich Willi Lüke durch seine langjährige erfolgreiche Arbeit für die Stadt und durch seine gelebte Bürgernähe erarbeitet hat.“ Anlässlich seines 85. Geburtstages richtete die Stadt Paderborn im Dezember 2019 einen Empfang aus. In diesem Rahmen bedankte sich Michael Dreier bei Willi Lüke dafür, „dass ich Bürgermeister einer Stadt sein darf, die ohne dein Wirken nicht die wäre, die sie heute ist“.

Wilhelm Lüke wurde am 22. November 1934 in Paderborn geboren. Er wuchs im Riemekeviertel auf. Nach seinem Abitur am Reismann-Gymnasium studierte er an der Pädagogischen Hochschule. Von 1958 an war er als Lehrer tätig, die längste Zeit an Förderschulen in Salzkotten (Don-Bosco-Schule) und Paderborn (Rektor der Pauline-von-Mallinckrodt-Schule). Die letzten Jahre lebte er mit seiner Frau Ursula in Schloß Neuhaus mit direktem Zugang zum Gartenschaugelände.

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