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Ansturm auf Gewässer entsetzt viele Menschen – massive Parkprobleme

Paderborner Badeseen im Fokus

Paderborn (WB). Von chaotischen Zuständen rund um und an den Badeseen der Stadt Paderborn zeigten sich am Wochenende zahlreiche Leser des WESTFALEN-BLATTES entsetzt. Auch Stadtsprecher Jens Reinhardt musste auf Nachfrage dieser Zeitung einräumen, dass das Ordnungsamt einem solchen Ansturm nichts entgegenzusetzen habe. Sogar die Polizei sprach angesichts von zugeparkten Straßen und überfüllten Parkplätzen von „chaotischen Zuständen.“

Per Lütje und Hans Büttner

2500 Menschen befanden sich zum Zeitpunkt der Aufnahme am Sonntag auf dem 110.000 Quadratmeter großen Gelände. Berücksichtigt werden muss bei diesem Foto aber, dass das Objektiv „verdichtet“, die Menschen also optisch enger zusammenrückt. Foto: Hans Büttner

Betroffen waren am bislang heißesten Wochenende des Jahres insbesondere die Wasserskianlage an der B 64, Lippesee, Nesthauser See und Habichtsee. „Wild-West-Parken und einfach über die B 64 laufen. Unverantwortlich! Und Mindestabstand scheint am See auch nicht zu herrschen“. „Was heute und an den letzten Tagen rund um und am Wasserskisee los war, hat mit gesundem Menschenverstand nichts mehr zu tun. Der See scheint ein gallisches Dorf in Hinblick auf Corona zu sein.“ So und ähnlich lauteten viele Kommentare im Netz.

Die Parkplätze der Wasserskianlage waren am späten Sonntagmittag restlos gefüllt. Auch viele Straßen im Umfeld waren zugeparkt. Foto: Hans Büttner

Auch die Polizei konnte ein Lied von den Zuständen am See singen: „Mehr als 50 Prozent aller Anrufe am Samstag erreichten uns von Anwohnern von Badeseen. Die Leute parken offenbar wie sie wollen. Teilweise waren auch Feuerwehrzufahrten zugeparkt“, bestätigte der Dienstgruppenleiter der Paderborner Polizei am Sonntag. Schwierig sei es auch gewesen, den Anrufern zu vermitteln, dass dafür nicht die Polizei, sondern das Ordnungsamt zuständig sei. Doch selbst Letzteres habe angesichts der Automassen zeitweise kapitulieren müssen, sagte Stadtsprecher Jens Reinhardt. „Auch unsere Kapazitäten sind begrenzt. Im Einsatz waren zwei Politessenteams. Und die mussten nicht nur am Nesthauser See, sondern auch an den anderen Badeseen kontrollieren und gegebenenfalls Verstöße ahnden.“

Betreiber in der Pflicht

Reinhardt betonte, dass es in der Verantwortung des Betreibers der Freizeitanlage liege, dafür zu sorgen, dass nicht gegen Corona-Auflagen verstoßen wird. „Es handelt sich um eine private Anlage, und der Betreiber hat ein Hygienekonzept vorlegen müssen, dessen Umsetzung und Einhaltung ihm obliegt. Auch bei einem solchen offensichtlichen Ansturm kann man ihn nicht aus der Pflicht entlassen.“

Der Betreiber der Wasserski- und Freizeitanlage betonte gegenüber dieser Zeitung, dass man sich an die Auflagen gehalten habe. So sei unter anderem der Einlass zum 110.000 Quadratmeter großen Gelände mit 28.000 Quadratmeter Liegefläche wegen des großen Andranges am Samstag um 14 Uhr geschlossen worden. Nach Angaben von Geschäftsführer Markus Padberg hätten sich zum gleichen Zeitpunkt am Sonntag 2500 Menschen auf dem Gelände befunden. Weiter sagt er: „Vorschriftsmäßig hatten alle Besucher beim Zutritt ihre Daten anzugeben. Das Tragen von Masken an den Kiosken war Pflicht und wurde von uns auch überwacht. Insgesamt waren fünf externe und fünf private Sicherheitskräfte im Einsatz.“

Am Nachmittag löste sich das Problem der Anwohner dann ganz von alleine: Aufziehende Gewitter sorgten dafür, dass sich Badestrände und verstopfter Parkraum zügig leerten.

Am Godelheimer See in Höxter mussten nach einem chaotischen Samstag am Sonntag die Parkplätze gesperrt werden.

Kommentar von Per Lütje:

Der Drang der Menschen angesichts der Temperaturen zu den Badessen ist nur allzu verständlich. Schließlich sollen sie ja in Corona-Zeiten ihren Urlaub zu Hause verbringen. Soll man ihnen dann auch noch den Badespaß nehmen? Nein, und das will auch keiner – zumindest noch nicht. Denn nichts wäre schlimmer, wenn Behörden Badeseen und Naherholungsgebiete sperren müssten, weil gegen Auflagen verstoßen wird. Dafür braucht es aber auch Disziplin und Vernunft der Besucher: Wenn ein Badesse offensichtlich überfüllt ist, einfach zum nächsten fahren.

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