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„Ich spüre, dass der Zeitpunkt einer verantwortungsvollen Übergabe meines Amtes gekommen ist“

Paderborner Erzbischof möchte in Ruhestand gehen – Gesuch beim Papst

Paderborn

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hat Papst Franziskus um die Entpflichtung von seinen Aufgaben als Erzbischof gebeten. Das hat der Bischof am Freitagmorgen in Paderborn mitgeteilt.
Es sei an der Zeit, das Amt und die damit verbundenen Aufgaben in jüngere Hände zu geben.

Von WB/KNA/dpa

Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker. Foto: Jörn Hannemann/Archiv

„Ich spüre, dass der Zeitpunkt einer verantwortungsvollen Übergabe meines Amtes gekommen ist“, heißt es in einer schriftlichen Erklärung. Becker ist am 8. Juni 74 Jahre alt geworden.

Die nächsten großen Aufgaben und kommenden Herausforderungen sollen von jüngeren Generationen in der Leitung der Kirche getragen und gestaltet werden, heißt es weiter. „In den vergangenen Monaten habe ich intensiv über diesen Schritt nachgedacht und im Gebet Kraft für diese Entscheidung gesucht“, schreibt Becker.

Papst Franziskus entscheidet

Über das Emeritierungsgesuch von Erzbischof Becker hat Papst Franziskus zu entscheiden. Erst mit Annahme des Gesuchs durch den Papst kann Becker als Erzbischof in den Ruhestand treten. Katholische Bischöfe sind angehalten, in ihrem 75. Lebensjahr den Amtsverzicht anzubieten. Oft tun sie das kurz vor ihrem 75. Geburtstag.

Die Vertretung der Laien im Erzbistum, das Diözesankomitee, zollte dem Erzbischof Respekt für seine „verantwortungsvolle, konsequente und zukunftsorientierte Entscheidung“. Das Gremium wünschte sich eine zeitnahe Entscheidung durch den Papst.

Becker ist der 66. Bischof und der vierte Erzbischof von Paderborn. Er wurde als Nachfolger des 2002 verstorbenen Erzbischofs Johannes Joachim Kardinal Degenhardt 2003 in sein Amt eingeführt.

Zur Person

Das Erzbistum Paderborn

Im Erzbistum Paderborn leben mehr als 1,4 Millionen Katholiken. Geografisch erstreckt sich das Erzbistum Paderborn auf einer Fläche von rund 15.000 Quadratkilometern – von Minden im Norden bis nach Siegen im Süden und von Höxter im Osten bis nach Herne im westlichen Ruhrgebiet. Zusätzlich zu den Gebieten in Westfalen zählen Teile des Kreises Waldeck-Frankenberg (Hessen) und die Stadt Bad Pyrmont (Niedersachsen) ebenfalls zum Erzbistum Paderborn.

Im Erzbistum Paderborn sinken perspektivisch die Mitglieder- und Priesterzahlen sowie die Kirchensteuereinnahmen. Wie andere Diözesen startete es einen Reformprozess. Das 2020 begonnene Projekt trägt den Namen „Diözesaner Weg 2030+“.

„Voller Zuversicht“

Becker sei „voller Zuversicht“, heißt es in der Mitteilung des Erzbistums Paderborn weiter, dass die jüngeren Generationen auf dem eingeschlagenen Weg, namentlich dem Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland und dem „Synodalen Weg 2030+“ des Erzbistums Paderborn, „mutig vorangehen und unserer Kirche starke Führung geben können“. Wofür die Kirche stehe, welche Relevanz sie heute besitze und welche Rolle der Glaube für die Menschen spielen könne, seien dringliche Fragen, denen viele Gläubige mit großem Engagement und Ideenreichtum begegneten, erläutert Erzbischof Becker: „Für den nicht immer einfachen, aber stets fruchtbaren und fairen Dialog bin ich sehr dankbar.“

Libori 2019: Erzbischof Hans-Josef Becker während der Pontifikalvesper im Paderborner Dom. Foto: Jörn Hannemann

„Im Kern steht unser fortwährender Auftrag, mit unserem Herrn Jesus Christus zu gehen und seine Frohe Botschaft von der Liebe Gottes zu verkünden“, betont Erzbischof Becker. Die Frohe Botschaft müsse Bestand haben in einer Phase epochalen Wandels. „Sie muss die tragende Säule aller Veränderungsprozesse in der Kirche sein. Und sie muss in Zeiten einer Pandemie, eines Kriegs mitten in Europa und des immer deutlicher werdenden Klimawandels mit lauter und kraftvoller Stimme verkündet werden.“

Landrat dankt Erzbischof Becker

Vieles sei von seiner Generation geordnet und angelegt, schreibt Erzbischof Becker. „Die jüngeren Generationen mögen den Weg nun weiter ausbauen und das pilgernde Volk Gottes mit neuer Kraft, mit Gottvertrauen und Glaubensfreude in die Zukunft führen. Dafür bitte ich um Gottes Hilfe und Seinen reichen Segen.“

Die persönliche Erklärung von Erzbischof Becker im Wortlaut:

„Sehr geehrte Damen und Herren, Schwestern und Brüder,
 Wegbegleiterinnen und -begleiter, liebe Mitbrüder,

nach Eintritt in mein 75. Lebensjahr habe ich nunmehr Papst Franziskus in einem Brief um die Entpflichtung von meinen Aufgaben als Erzbischof von Paderborn gebeten und hoffe, dass er dieser Bitte stattgibt.

In den vergangenen Monaten habe ich intensiv über diesen Schritt nachgedacht und im Gebet Kraft für diese Entscheidung gesucht. Ich spüre, dass der Zeitpunkt einer verantwortungsvollen Übergabe meines Amtes und der damit verbundenen Aufgaben nun gekommen ist.

Wozu bist du da, Kirche von Paderborn? Meine Amtszeit habe ich der Aufgabe verschrieben, dieser Frage nachzugehen. Dabei habe ich versucht, die verschiedenen Antworten auf diese Frage aufzuspüren. Die Frage, wofür unsere Kirche steht, welche Relevanz sie im Heute besitzt und welche Rolle der Glaube für die Menschen spielen kann, wurde mit den Jahren von Vielen immer dringlicher gestellt. Viele dieser Suchenden brachten sich mit großem Engagement und Ideenreichtum in den auf dieser Grundlage angestoßenen diözesanen Entwicklungsprozess ein. Für diesen nicht immer einfachen, aber stets fruchtbaren und fairen Dialog bin ich sehr dankbar.

Mit unserem Zukunftsbild und dem daraus abgeleiteten Diözesanen Weg 2030+ versuchen wir, für unser Erzbistum die Weichen zu stellen. Im Kern steht unser fortwährender Auftrag, mit unserem Herrn Jesus Christus zu gehen und seine Frohe Botschaft von der Liebe Gottes zu verkünden. Die Frohe Botschaft muss Bestand haben in einer Phase epochalen Wandels. Sie muss die tragende Säule aller Veränderungsprozesse in der Kirche sein. Und sie muss in Zeiten einer Pandemie, eines Kriegs mitten in Europa und des immer deutlicher werdenden Klimawandels mit lauter und kraftvoller Stimme verkündet werden.

Die großen Aufgaben und Herausforderungen, die unserer Kirche auf ihrem Weg in die Zukunft bevorstehen, sollen von den jüngeren Generationen nicht nur getragen werden. Sie sollen von ihnen auch in Leitungsverantwortung gestaltet werden können. Ich bin voller Zuversicht, dass sie auf dem Weg, den die katholische Kirche in Deutschland mit dem Synodalen Weg und unser Erzbistum mit seinem Diözesanen Weg für das nächste Jahrzehnt eingeschlagen haben, mutig vorangehen und unserer Kirche starke Führung geben können. Vieles für diesen Weg ist von meiner Generation geordnet und angelegt. Doch die jüngeren Generationen mögen den Weg nun weiter ausbauen und das pilgernde Volk Gottes mit neuer Kraft, mit Gottvertrauen und Glaubensfreude in die Zukunft führen. Dafür bitte ich um Gottes Hilfe und Seinen reichen Segen.“

Wie geht es weiter?

Die freie Entscheidung über das Emeritierungsgesuch von Erzbischof Hans-Josef Becker liegt beim Heiligen Vater. Erst mit Annahme des Gesuchs durch Papst Franziskus tritt Erzbischof Hans-Josef Becker in den Ruhestand und wird der Erzbischöfliche Stuhl vakant.

Mit Beginn der Vakanz übernimmt der dienstälteste Weihbischof, Matthias König, die kurzfristige Leitung des Erzbistums. Innerhalb von acht Tagen tritt dann das Metropolitankapitel zusammen und wählt den Diözesanadministrator. Dieser leitet das Erzbistum übergangsweise bis zum Amtsantritt des neuen Erzbischofs.

Das Paderborner Metropolitankapitel setzt sich zusammen aus dem Dompropst, dem Domdechanten, acht residierenden und vier nicht residierenden Domkapitularen. Letztgenannte wirken nicht bei der Wahl des Administrators, jedoch bei der Wahl des neuen Erzbischofs und bei der Erstellung der
der Vorschlagsliste mit.

Die Wahl des neuen Erzbischofs steht nach den Bestimmungen des Preußenkonkordats dem Metropolitankapitel zu. Das Preußische Konkordat sieht vor, dass nach Eintritt der Vakanz unter anderem das jeweilige Domkapitel dem Heiligen Stuhl eine Liste mit aus seiner Sicht geeigneten Kandidaten einreicht.

Unter Würdigung der Vorschläge übermittelt der Heilige Stuhl dem Metropolitankapitel eine Liste mit den Namen von drei Personen. Aus diesem Personenkreis wählt das Metropolitankapitel in freier, geheimer Abstimmung den neuen Erzbischof von Paderborn.

Nach der Wahl werden gemäß den konkordatären Bestimmungen zunächst die betreffenden Landesregierungen informiert und angefragt, ob Bedenken politischer Art gegen den Gewählten bestehen. Anschließend ernennt der Papst den neuen Erzbischof.

In einer liturgischen Feier wird der neue Erzbischof von Paderborn in sein Amt eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt endet die Vakanz des Erzbischöflichen Stuhls und damit zugleich auch das Amt des Diözesanadministrators.

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