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Geigenvirtuosin Franziska Pietsch und Pianist Josu de Solaun

Paderborner Kaiserpfalz: Sonaten auf Weltklasse-Niveau vorgetragen

Paderborn

Erneut ist es der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn gelungen, Musiker mit Weltklasse-Niveau zu einem außergewöhnlichen Kammerkonzert nach Paderborn einzuladen. Die Konzertgeigerin Franziska Pietsch sowie ihr spanisch-amerikanischer Klavierpartner Josu de Solaun begeisterten das Publikum in der Kaiserpfalz mit einer bemerkenswerten Auswahl an Violinsonaten von Nikolai Medtner, Ludwig van Beethoven und Robert Schumann.

Von Hermann Knaup

Begeisterter Beifall für die Geigerin Franziska Pietsch und den Pianisten Josu de Solaun Foto: Hermann Knaup

Schon das enorm konditionelle Pensum, das vom Solisten-Duo absolviert wurde, war höchst bewundernswert. Dass beide Solisten sowohl als hoch professionelle Einzelinterpreten und zugleich im perfekt abgestimmten Zusammenspiel brillierten, verdient allen Respekt.

Auch der Blick in die Notenfülle der Kompositionen verdeutlicht schnell, dass deren gelungene Interpretation nur von exzellenten Musikern realisiert werden kann, die musikalisch souverän und jenseits jeglicher spieltechnischer Grenzen agieren. Nur so war und ist es möglich, den anspruchsvollen Werken des Konzertprogramms gerecht zu werden.

Große musikalische Sensibilität

Mit spürbarer Empathie und großer, musikalischer Sensibilität, aber auch mit energischer und dynamischer Spannkraft und äußerster Konzentration setzten sich die Künstler mit den drei sehr unterschiedlichen, komplexen Werken der Sonatengattung aus Klassik, Romantik und Moderne auseinander. Schnell wurde auch deutlich, dass der jeweilige Klavierpart dieser Kompositionen einen sehr eigenständigen, ausgeprägten Charakter aufweist, so dass es beinahe despektierlich anmutet, von Klavier- „Begleitungen“ zu sprechen, zumal die drei ausgesuchten Komponisten bereits zu ihren Zeiten als angesehene Klaviervirtuosen galten. Gemeinsam ist in diesem Kontext allen drei Sonaten eine geradezu quasi-orchestrale Dimension der Kompositionen, mit der sich ein musikalischer Kosmos an Themen und Melodien, an Harmonien und Klangfarben, an Rhythmen und Formen, vor allem aber an Emotionen und Assoziationen offenbart.

In einer kurzen Begrüßung wies die Solistin Franziska Pietsch auf die Bedeutung von Medtners Schaffen hin. Zurecht stellt dazu auch Bruno Bechthold in seiner expliziten Werkeinführung die berechtigte Frage nach einer bis heute fehlenden angemessenen Anerkennung der eindrucksvollen Musik Nikolai Medtners. Dessen viersätzige Sonate für Violine und Klavier Nr.3 in e-moll „Epica“ entstand in den Jahren 1935/1938 und zählt musikgeschichtlich eigentlich zur Moderne. Dennoch verharrt Medtner unüberhörbar im eher herkömmlichen Musizieren, zweifellos beeinflusst vom geistigen und musikalischen Umfeld seines Freundes Sergei Rachmaninow.

Ludwig van Beethovens viersätzige Sonate für Violine und Klavier c-moll op.30,2 (1802), die 7. seiner 10 Violinsonaten, wirkt als ausgesprochen progressives Werk seiner Zeit. Energisch, kraftvoll und nicht mehr vordergründig „höfisch“ angepasst, dürfte sie die etablierte Musikszene der Beethovenzeit erheblich beeinflusst haben.

Robert Schumanns Violinsonate Nr.1 a-moll op. 105 (1851), komponiert in nur wenigen Tagen, steht vollends in einer von Poesie und Elegie getragenen Mentalität der Romantik. Phasenweise ist der Klangfarben-Einfluss des Freundes Johannes Brahms unverkennbar.

Musikalische Strömungen stilgerecht vermittelt

Franziska Pietsch, die auf einer Violine (1751) von Carlo Antonio Testore spielt, und Josu de Solaun verstanden es kongenial, diese unterschiedlichen, musikalischen Strömungen stilgerecht zu vermitteln. Die Konzertbesucher waren spürbar beeindruckt und begeistert. Als notenversiert zeigte sich in diesem Konzert auch Dr. Gronemeyer, der Vorsitzende der Philharmonischen Gesellschaft, der für den Pianisten dezent die Noten umblätterte. Als Zugabe spielten Franziska Pietsch und Josu de Solaun die faszinierenden „Ruralia hungarica“ op. 32b (1924) des ungarischen Komponisten Ernst von Dohnányi, des Großvaters von Klaus und Christoph von Dohnányi. Für dieses gelungene Konzert gab es abschließend lange anhaltenden Beifall.

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