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Ein Meinungsbeitrag von Dietmar Kemper

Paderborner Perspektiven: Der Padersprinter und der Fahrermangel

Paderborn

„Wir suchen dich“ steht auf der Anzeigetafel des Busses. Gesucht werden nicht Passagiere, sondern Fahrer. Der eklatante Personalmangel könnte den ÖPNV buchstäblich ausbremsen.

Von Dietmar Kemper

Paderborns Verkehrstochter Padersprinter leidet unter vielen Krankheitsfällen und dem allgemeinen Mangel an Busfahrern. Das gefährdet den von der Politik gewünschten Ausbau des ÖPNV.  Foto: Jörn Hannemann

 Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer schätzt, dass 2030 bis zu 76.000 Fahrer fehlen werden, sollte sich bis dahin die Zahl der Fahrgäste verdoppeln. Der Padersprinter ist dafür ein Anschauungsbeispiel: Die städtische Verkehrstochter sucht bis Ende des Jahres 20 zusätzliche Fahrerinnen und Fahrer und bis Mitte 2023 weitere 15. Gründe sind, wie mehrfach berichtet, eine Krankheitswelle und der Fahrermangel generell.

Seit Mitte August gilt ein ausgedünnter Sonderfahrplan. Und bis zum Jahresende wird es keine Rückkehr zur Normalität geben. Das ist wahrlich keine Werbung für den Öffentlichen Personennahverkehr, der doch unbedingt ausgebaut werden soll, um die Verkehrswende weg vom motorisierten Individualverkehr hinzubekommen.

Zumutung für die Abo-Kunden

Vor allem für diejenigen Kunden, die nicht nur hin und wieder, sondern regelmäßig mit den Padersprinterbussen fahren, sind die Einschränkungen auf bestimmten Linien und zu bestimmten Zeiten schwer zu akzeptieren. Springen sie jetzt verärgert ab?

Der Padersprinter selbst tut, was er kann, um das Problem zu lösen, bietet etwa „Job Speed Datings“ an. Aber das allein reicht nicht. In der Branche wird diskutiert, das Mindestalter für Busfahrer von 23 auf 18 zu senken und ausländische Führerscheine schneller anzuerkennen. Mehr Geld für Busfahrer könnte die Attraktivität des Berufs erhöhen, aber gleichzeitig müssen die Verkehrsunternehmen große Summen für die Umrüstung der Flotten auf E-Mobilität einkalkulieren.

Sind autonom fahrende Busse die Lösung?

Belastende Begleiterscheinungen des Berufs wie Schicht- und Sonntagsdienste, die enorme Verantwortung für die Sicherheit der Fahrgäste und der nicht immer nette Kontakt zu renitenten, betrunkenen Passagieren bleiben. Gleichzeitig fordert die Lokalpolitik Taktverdichtungen und weitere Verbesserungen, die aber den ÖPNV nicht teurer machen sollen. Zurück zum Fahrermangel. Bleibt also nur die Hoffnung auf die autonom fahrenden Busse der Zukunft? Vielen ist die Vorstellung, dass vorne gar keiner mehr sitzt, aber nicht geheuer.

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