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Christian Ehring sorgt für einen weiteren Höhepunkt im Kabarettfestival in der Paderhalle

Paderborner Schlagzeilenkommentator

Paderborn

Mit dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT war Christian Ehring ganz zufrieden. „Der Programmcheck zur Landtagswahl ist ein guter Service“, lobte er am Donnerstagabend beim Durchblättern der Zeitung. Über die Karikatur zu Gerhard Schröder, der wohl als „peinlichster Ex-Kanzler in die Geschichte der Bundesrepublik“ (Ehring) eingehen werde, musste der Kabarettist schmunzeln, und die Versuche der Bundesregierung, Energie aus Katar zu beziehen, kommentierte er so: „Katar, das ist der Vatikan mit Öl.“

Von Dietmar Kemper

Chrisitan Ehring rang fast zwei Stunden lang der ernsten Politik die lustigen Seiten ab. Foto: Dietmar Kemper

Auch dank Zeitungslektüre ist Christian Ehring stets auf dem aktuellen Stand, und zu Schlagzeilen fällt ihm stets etwas Witziges ein. Und so erlebten die Besucher in der Paderhalle bei seinem Auftritt im Rahmen des Festivals „Paderborn macht ernst mit lustig“ einen höchst unterhaltsamen Parforceritt durch die aktuelle Politik. „Antikörper“ heißt sein aus dem Jahr 2020 stammendes Programm, das Ehring wegen der Corona-Pandemie bislang nur selten live vor Publikum spielen konnte. Und dass die Millionen Ungeimpften die Gefahr heraufbeschwören, dass im Herbst möglicherweise wieder Veranstaltungen abgesagt werden oder nur unter strengen Hygienevorschriften stattfinden können, treibt ihm die Zornesröte ins Gesicht. Für eine weitere Welle „aus Doofheit“ habe Deutschland keine Kapazitäten mehr, sagte der 49-Jährige und fragte sein Publikum: „Wie viele Burnouts im Gesundheitswesen wollen wir denn noch produzieren?“

Den grünen Faden seines Programm bildet der Rückblick auf Gespräche mit seinem einst besten Freund Justus, der zum Impfgegner und Verschwörungstheoretiker mutiert sei. Verschwörungstheorien seien ideal „für faule Säcke“, die egoistisch ihr Leben nicht ändern wollten, findet der Moderator der ARD-Satiresendung „Extra 3“. Die angebliche Sorge um die Grundrechte sei nur vorgeschoben: „Ich sehe bei den Demonstrationen der Querdenker immer weniger Grund und immer mehr Rechte.“ Und das Argument, jeder, egal ob geimpft oder ungeimpft, habe ein Recht darauf, medizinisch behandelt zu werden, selbst Leute, die sich eine Bierflasche in den Hintern geschoben haben und sie nicht wieder herausbekommen, kann Ehring nur teilweise nachvollziehen: „Mit einer Bierflasche im Hintern schadet man nur sich selbst.“

Der größte Antikörper der Politik sitzt seiner Meinung nach im Kreml. Putin habe ein merkwürdiges Verständnis von Völkerrecht: „Um sein Reich zu vergrößern, sind ihm alle Völker recht.“ Weil er kein reiner Politikabarettist ist, streut Ehring immer wieder Anekdoten über die Jugendsprache, Couchgarnituren im Garten („Was soll das? ich stelle mir doch auch keinen Komposthaufen ins Wohnzimmer“) und das hysterische Verhältnis der Deutschen zur Bahn ein („Wir sind ein Volk, das sich wegen einer geänderten Wagenreihung in die Hose macht“). Da durfte das Publikum auch mal abseits der so schweren, betrübt stimmenden Themen wie des Ukraine-Kriegs befreit lachen.

Christian Ehring, im feinen Anzug auf der Bühne und am Klavier, hätte mehr Publikum als nur eine halb volle Paderhalle verdient gehabt. Bei ihm stimmte die Mischung aus beißender Politsatire, Alltagscomedy und Nachdenklichkeit.

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