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Nachfolge im Haus Markt 7 übernimmt „Schreibkultur am Dom“

Paderborner Schuhhaus Schlüter schließt nach 134 Jahren

Paderborn

Ein traditionsreiches Paderborner Schuhhaus schließt nach mehr als einem Jahrhundert die Pforten. Inhaberin Christel Albers (64) hat den Ausverkauf im Haus Markt 7 gestartet.

Christel Albers (64), Inhaberin des traditionsreichen Schuhhauses Schlüter, hat den Ausverkauf gestartet. Foto: Oliver Schwabe

Von der Schulzeit an habe sie sich mit Hingabe dem Verkauf von Schuhmode im Herzen der Stadt gewidmet, berichtet sie. In vierter Generation hat sie das Schuhgeschäft ihrer Familie fortgesetzt. Der Betrieb besteht seit 134 Jahren und wird seit mehr als 100 Jahren im Schatten des Doms geführt.

Mit Anton Friedrich Schlüter fing alles an. Er hatte sein Schuhmacher-Handwerk bei der Firma Wüseke erlernt. 1888 eröffnete er eine Maß- und Reparaturwerkstatt in der Königstraße. 1919 kam der Durchbruch mit dem Erwerb des Hauses Markt 7. Dort erlebte das Schuhmacher-Handwerk seine Blüte mit zwölf Gesellen und Auszubildenden in der Werkstatt.

Den Grundstein für das heutige Schuhhaus legte Anton Theodor Schlüter. Der notwendige Neuaufbau des Geschäftshauses am Markt nach der nahezu völligen Zerstörung durch die letzten Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges stellte den Inhaber vor große Herausforderungen.

Auf die neuen Ansprüche nach dem Krieg setzte die dritte Generation mit dem heute 88-jährigen Anton Franz Schlüter. Prägend für diese Zeit war der Vertrieb vorwiegend handgearbeiteter italienischer Schuhmode. Ihm folgte Tochter Christel Albers und sprach mit der Aussage „Zeit für einen guten Schuh“ eine Kundschaft an, für die Bequemlichkeit einen ebenso hohen Stellenwert hatte, wie ein modischer Anspruch. „Nun ist es Zeit für ein Leben nach der Arbeit“, sagt Christel Albers. Mit der ganzen Familie Schlüter, vor allem ihrem Vater Anton Schlüter und dessen Ehefrau Ilona, bedankt sie sich bei den treuen Kunden.

„Zu vielen bestehen jahrzehntelange teils auch persönliche Beziehungen“, berichtet sie. Am Donnerstag ist ein Räumungsverkauf für die Schuhe vieler namhafter Hersteller gestartet. „Unser Team gibt zum Finale noch einmal Vollgas“, betont die Inhaberin.

Gerne hätte sie den Staffelstab des Schuhhändlers an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger weitergegeben, aber ihre Töchter haben beide den Beruf der Rechtsanwältin gewählt. Sie folgen damit zwar auch der Tradition, in diesem Fall aber der des Vaters. Eine Nachnutzung gibt es dennoch: Die Ladenfläche wird von der benachbarten „Schreibkultur am Dom“ übernommen. „So bleibt der Marktplatz ein hoch attraktiver Standort für das Besondere“, meint Albers.

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