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Fotos aus dem Warschauer Ghetto

Paderborner Stadtmuseum zeigt die Qualen der jüdischen Bevölkerung

Paderborn

Viele Grausamkeiten der Nazis sind heute bekannt, viele immer noch nicht. Das Warschauer Ghetto ist vielen Menschen ein Begriff. Wie unmenschlich die Lebensbedingungen für die jüdischen Bevölkerung dort waren, ist aber schwer vorstellbar. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zeigt kurzfristig eine Fotoausstellung über das Ghetto im Stadtmuseum Paderborn.

Von Alexandra Pöhler

Die unmenschlichen und grausamen Lebensbedingungen des Warschauer Ghettos werden in den Fotos des Soldaten Heinrich Jöst deutlich. Foto: Alexandra Pöhler

Ein Gedankenexperiment: Stellen Sie sich vor, alle Einwohner Paderborns würden im inneren Ring der Stadt leben. Rund 155.500 Menschen auf 0,7 Quadratkilometer. Das wäre nicht nur eng, ein Leben auf so engem Raum wäre unerträglich. So veranschaulichte bei der Eröffnung der Ausstellung am Mittwochabend Paderborns stellvertretende Bürgermeister Sabine Kramm die unwürdigen Lebensbedingungen der Menschen im Warschauer Ghetto. „Ich kann nicht sagen, dass ich mich über den Anlass dieser Ausstellung freue, aber es ist immens wichtig, dass diese Bilder veröffentlicht werden“, sagte Kramm. 

Die Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Monika Schrader-Bewermeier, berichtete von den Lebensumständen der jüdischen Bevölkerung in Warschau. Hunger, Seuchen und Tod dominierten den Alltag. „Das war ein verzweifelter Kampf ums Überleben“, sagte Monika Schrader-Bewermeier. Insgesamt 33 Bilder zeigen eindrücklich, das Grauen des Warschauer Ghettos, das im Herbst 1940 durch die Nationalsozialisten errichtet worden war. Auf 3,36 Quadratkilometern hatten 450.000 Menschen gelebt. Eine 14 Kilometer lange Mauer hatte die Menschen von der Außenwelt abgeriegelt.

Monika Schrader-Bewermeier ist Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Paderborn. Foto: Alexandra Pöhler

Dass das Überleben im Warschauer Ghetto in Bildern festgehalten ist, ist dem Journalisten Günther Schwarberg zu verdanken. Sein Leben hatte der 2008 verstorbene Journalist der Aufarbeitung der Gräueltaten des NS-Regimes gewidmet. 1982 war daher Heinrich Jöst auf ihn aufmerksam geworden, der zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Warschau als Wehrmachtssoldat stationiert war. An seinem 43. Geburtstag, am 19. September 1941, hatte Jöst einen freien Tag. Weil er gerne Fotos schoss, hatte er sich seine Kamera geschnappt und das Ghetto erkundet. „Vermutlich ist ihm erst später bewusst geworden, was er da fotografiert hat“, sagte Monika Schrader-Bewermeier. Die Fotos hatte Jöst jahrzehntelang versteckt.

Jetzt sind diese Fotos bis Sonntag, 22. Januar, zu den Öffnungszeiten des Stadtmuseums zugänglich. Am Freitag wird es um 16 Uhr sowie am Samstag und Sonntag um 15 Uhr eine Führung durch die Ausstellung geben. Die Fotos, die auf Rollups gedruckt sind, sind für Schulen und Institutionen ausleihbar.

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