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Amalthea macht erfolgreich Programm für ein Nischenpublikum

Paderborns Kleinkunsttheater ist 25 Jahre alt

Paderborn

Das Amalthea in der Jühengasse entstand 1997 spontan im „Erdbeerbowlenrausch“.  Und für die nächsten  25 Jahre wünscht sich das Team des Kleinkunsttheaters „immer ein volles Haus“.

Von Dietmar Kemper

Das Paderborner Kleinkunsttheater Amalthea ist 25 Jahre alt geworden. Sie halten es am Laufen (von links): Elmar Lausen, Susi Frey, Monika Schäfers, Klaus H. Sindern, Dietmar Hiller, Gerd Breker, Alexandra Wolke, Eggi Müller und Ingrid Florin. Foto: Dietmar Kemper

Als das Amalthea-Urgestein Hansgeorg Enzian damals mit theaterbegeisterten Frauen beim fruchtigen Getränk zusammensaß, fiel ihnen der ungewöhnliche Name ein. „Amalthea“ erinnert zum einen an die Ziege, die Zeus gesäugt haben soll. Und zum anderen ist es eine Abkürzung für die „Anstalt für malerisches Leben und theatralische Sendung“. Ausdruck des Wunsches nach einem noch malerischeren Leben und Ausdruck dessen, dass man in einer ehemaligen Malerwerkstatt untergekommen war. In ihr hatte zuletzt der Puppenspieler und Zauberer Trixini sein Publikum unterhalten.

„Als wir mit dem Amalthea begannen, gab es noch kein Programm, nur Mietkosten“, erinnert sich der heutige Vorsitzende Klaus H. Sindern: „Eine Gruppe sagte, das Amalthea solle nur etwas für sich machen, eine zweite Gruppe um Barbara Linnenbrügger wollte Theater für die Paderbornerinnen und Paderborner machen.“ So kam es dann auch. Ein François-Villon-Abend  mit Manfred Stamm bildete den Auftakt einer Reihe mit bis heute gut 700 Veranstaltungen und etwa 30.000 Besuchern.

Aufführungsrechte für Walser-Stück erworben

Ein Coup gelang den Verantwortlichen, als sie die Aufführungsrechte für das Stück „King Kongs Töchter“ von Theresia Walser erwerben konnten. Darin richten drei Altenpflegerinnen Verstorbene als Stars wie Charlie Chaplin oder Mae West her. „Das hat uns 40.000 Euro gekostet, der Aufwand hat uns fast zerrissen“, blickt Sindern zurück. Auf der kleinen Bühne hätten vier professionelle Schauspieler agiert, der Rest sei auf eine Gaze-Leinwand davor projiziert worden. Die zehn Aufführungen seien allesamt ausverkauft gewesen.

Beliebter Ort für Vorpremieren

Mit der Zeit erwarb sich das Amalthea den Ruf, ein idealer Ort für Vorpremieren zu sein. Das Duo Faltsch Wagoni kommt seit über 20 Jahren dafür nach Paderborn. Die Bühne ist mit zehn Quadratmetern winzig, aber die Kleinkunst darauf nicht selten ein großes Vergnügen.

Mit ihrer satirischen Wortkunst gehört das Duo Faltsch Wagoni zu den Stammgästen im Amalthea. Die Vorpremieren spielen sie hier.  Foto: Marc Dietenmeier BFF

Die ohnehin schon geringe Zuschauerkapazität hat der gemeinnützige Verein während der Corona-Pandemie auf 50 begrenzt. Aus Rücksicht auf die Sorgen der Besucher, sich anzustecken. Sorgen, die allerdings eher unnötig sind, denn das Minitheater verfügt inzwischen über zwei moderne Luftfilter, für die das Amalthea 12.000 Euro aus dem Programm des Bundes „Neustart Kultur“ erhielt. Mit Corona begannen 2020  turbulente Zeiten, in denen nur noch wenige Veranstaltungen möglich waren und in denen der Verein zeitweise auf die Aula des Theodorianums und auf das Liboriusforum auswich.  „Aber da haben wir gemerkt, das ist nicht Amalthea“, betont Sindern.

Und so kehrten die Mitglieder und die Künstler an die alte Wirkungsstätte mit der trotz oder gerade wegen der Enge lauschigen Atmosphäre und der direkten Nähe zur Bühne zurück. „Wir können wenig zahlen, dafür sind wir nett“, bringt der Vorsitzende den Umgang mit denen, die im Amalthea auftreten, auf den Punkt. Die Künstler bekämen 70 Prozent der Einnahmen. Zu denen gehören auch regelmäßig Lokalmatadoren wie Erwin Grosche und Eckhard Radau. Rüdiger Hoffmann hat übrigens noch nie im Amalthea gastiert. Für die Zukunft wünschen sich die Macher einen Künstler aus der Nachbarstadt Bielefeld: „Hannes Wader hätten wir gerne mal hier.“

Neues Programm beginnt am 17. September

Auf die Frage, was typisch Amalthea sei, antwortet Sindern: „Wir bieten einigermaßen erfolgreich auch Programme, die allenfalls ein Nischenpublikum haben. “ Das gilt auch wieder für die neue Spielzeit, die am 17. September mit dem Schauspieler Markus Kiefer und seinem Programm „Ich bin nicht die Leander“ beginnt. Darin fordert Zarah Leander zwei Freunde vom Schrottplatz in Gelsenkirchen dazu auf, in die Welt hinauszugehen und ihre Lieder zu singen.

Mit politischem Kabarett geht es dann am 23. September weiter: Martin Valenske und Henning Ruwe, Mitglieder der Berliner „Distel“, halten in „Unfreiwillig komisch“ den Volksvertretern den Spiegel vor. Mitreißende Musik versprechen Boogielicious am 21. Oktober: Eeco Rijken Rapp (Piano und Gesang) und David Herzel (Schlagzeug) erinnern an die Anfänge der Geschichte des Jazz.

Die Machenschaften der Mächtigen knöpft sich der politische Kabarettist Volkmar Staub am 29. Oktober im Amalthea vor. „Ausreden“ heißt vielsagend sein Programm. Die Frankfurter Rundschau bezeichnete Staub als „Wortspielphilosoph unter den deutschen Kabarettisten“.

Stefan und Hans Werner Otto aus Wuppertals freier Schauspielszene sind in Paderborn nicht unbekannt. Stefan Otto stand vor Jahren mit Dirk Michael Häger auf der Amalthea-Bühne mit Josef Haders Stück „Indien“. Am 4. November kommen die Ottos mit zwei Einaktern zurück: mit „Striptease“  des polnischen Dramatikers Slawomir Mrozek und mit der selbst geschriebenen Fortsetzung „Kalt ist es hier!“.

Wer  Pablo Neruda liebt, sollte sich Karten für den 26. November sichern. Dann wird das ehemalige Mitglied der Paderborner Kammerspiele, Rainer Hustedt, die schönsten Gedichte des chilenischen Lyrikers sprechen und spielen. Der Chilene Glenn Pedro Buchholtz wird ihn musikalisch begleiten. Für den 9. und 10. Dezember wiederum sind Auftritte von Hans König und Mateng  Pollkläsener als Butzbacher&Brommelmeier geplant. Kulturfreunde kennen sie aus dem Theatre du pain in Bremen.

Tickets (Tel. 05251/22424; E-Mail: [email protected]) kosten seit kurzem 18 statt 15 Euro. Beschwert habe sich über die Erhöhung niemand, sagt Sindern. Er kann sich auf das treue Stammpublikum verlassen. Für die nächste Spielzeit wünscht sich das Amalthea-Team auch Studenten als Gäste. Das Haus beteiligt sich am Kulturticket der Universität Paderborn. Studenten erhalten im Amalthea Restkarten kostenlos, und vielleicht finde sich ja sogar jemand anschließend bereit, im Verein mitzuarbeiten, hoffen die 13 aktiven ehrenamtlichen Amaltheaner. Sie treffen sich immer donnerstags ab 18 Uhr in der Jühengasse. 

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