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Polizei warnt erneut vor kriminellen Maschen

Per Telefon oder WhatsApp: Betrüger machen im Kreis Paderborn erneut Beute

Paderborn/Borchen/Altenbeken/Delbrück

Die Kreispolizeibehörde Paderborn warnt am Freitag erneut vor Betrügern am Telefon oder über WhatsApp: Mit verschiedenen kriminellen Maschen sind Telefonbetrüger in den vergangenen Tagen wieder sehr aktiv gewesen. In mehreren Fällen überrumpelten die Täter ihre Opfer und machten Beute.

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Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

So wurde den Polizeiangaben zufolge am Donnerstag eine 85-jährige Paderbornerin Opfer einer Kombination von zwei Betrugsarten: Ein Anrufer gab sich als Bankmitarbeiter aus und behauptete, dass vom Konto der Frau 4000 Euro von Zalando abgebucht worden seien. Das sei nicht korrekt und deshalb müsse ihre Bankkarte gesperrt werden. Im Verlauf des Gesprächs sollte die Frau ihren PIN zur Bankkarte nennen.

Dann kündigte der Telefonbetrüger an, dass nun ein Polizist zu ihr komme, der nach Falschgeld in ihrem Besitz schauen solle. Noch während des langen Telefonats erschien dann auch der vermeintliche Polizeibeamte. Das Opfer übergab dem fremden Mann ihre Bankkarte und mehrere hundert Euro Bargeld, das hinsichtlich falscher Banknoten untersucht werden sollte.

Der Betrüger, der als Polizist auftrat, trug ein schwarzes Oberteil, das bei der Geschädigten den Eindruck einer Polizeiuniform erweckte. Nachdem der Mann gegangen war, erhielt die Geschädigte einen Anruf ihrer Bank, die sie informierte, dass soeben 1000 Euro mit ihrer EC-Karte abgehoben worden seien. Daraufhin meldete die Geschädigte den Vorfall der Polizei.

In Borchen wurde ein 40-Jähriger von einem Betrüger, der sich als Polizeibeamter von „Interpol“ ausgab, mit einer frei erfundenen Legende über Straftaten, in die das Opfer verwickelt sei, aufgefordert, GooglePlay-Karten im Wert von mehr als 1000 Euro zu kaufen. Der Mann kaufte die Karten und übermittelte dem vermeintlichen „Police Officer“ die Transaktionscodes.

Auch eine 18-jährige Altenbekenerin übermittelte Transaktionscodes, nachdem sie über drei Stunden von Englisch sprechenden Tätern bedrängt worden war: Mit ihrer IC-Card würde etwas nicht stimmen und ihr Geld müsste gesichert werden – so lautete hier die Lügengeschichte. Fast 20 Mal hatten die Betrüger auf dem Handy der jungen Frau angerufen. Die Schadensumme beträgt in diesem Fall 2000 Euro.

Ebenfalls Transaktionscodes mit dem dementsprechenden Gegenwert von über 1000 Euro erbeuteten Täter mit der Gewinnspiel-Masche. Am Telefon kündigten die Täter einer 70-Jährigen gegenüber einen hohen Geldgewinn an. Für den Kurier der Lotterie seien allerdings Payback-Karten vorzustrecken. Die kaufte die Geschädigte und gab die Daten telefonisch an die Täter weiter.

Die Polizei bilanzierte am Freitag in der Mitteilung: „Nahezu täglich melden Betroffene aktuell Betrügereien über WhatsApp. Viele vermeintliche Opfer kennen die Masche mittlerweile und gehen nicht auf die kriminellen Chats ein. Aber die Täter haben auch immer wieder Erfolg und machen Beute. Sie schicken per WhatsApp eine Nachricht von einer unbekannten Nummer und behaupten Sohn oder Tochter zu sein. Ihr Handy sei defekt und deswegen käme die Nachricht über eine neue Nummer. Nach einigen belanglosen Chats sollen die Angerufenen dringend fällige Rechnungen bezahlen, da das online-banking auf dem neuen Handy noch nicht funktioniere. Die Täter schicken dann Kontonummer und Inhabernamen.“

Eine Delbrückerin (61) überwies vergangenene Sonntag über 1000 Euro aufgrund eines „gefakten“ Chats mit ihrer „Tochter“. Als sie kurz darauf mit ihrer echten Tochter telefonierte, flog der Betrug auf. Die Bank konnte die Überweisung noch rückgängig machen. Das klappe nicht immer, so die Polizei weiter, in anderen Fällen sei noch nicht sicher, ob der Buchungswert storniert werden könne.

Bei vielen Betrugsmaschen verwenden die Täter gefälschte Telefonnummern, die den Eindruck der Echtheit des Anrufs unterstützen sollen.

Die Polizei rät: "Telefonieren Sie bitte vorsichtig!"

- „Wenn Sie angerufen werden und es um Geld geht, lassen Sie sich niemals unter Druck setzen!

- Lassen Sie sich stattdessen den Namen nennen, legen Sie auf, rufen Sie Ihre örtliche Polizeibehörde über die Rufnummer 110 an und schildern Sie den Sachverhalt.

- Geben Sie unbekannten Personen niemals Auskünfte über Ihre Vermögensverhältnisse oder andere sensible Daten.

- Transferieren Sie aufgrund solcher Anrufe keine Gelder oder Codes für Wertkarten, ohne sich vorher mit einer Person ihres Vertrauens zu beraten.

- Gehen Sie den WhatsApp-Betrüger nicht einfach „auf den Leim“: Rufen Sie ihre Tochter oder Ihren Sohn über die Ihnen bekannten Nummern an. Veranlassen Sie nichts von dem, was gefordert wird, ohne ein persönliches Gespräch!

- Sprechen Sie im Familien- und Freundeskreis über die Betrugsmaschen und treffen Sie Vereinbarungen zur gegenseitigen Unterstützung. Klären Sie, dass es unter Ihnen niemals zu solchen Forderungen kommt – das gilt beispielsweise auch für den Enkeltrick!

- Wenn Sie bereits Opfer eines betrügerischen Anrufes oder Chats geworden sind: Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei und kontaktieren Sie Ihre Bank.“

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