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Klare Worte beim Pfingstempfang des Diözesankomitees Paderborn

Plädoyer für Frauen als Priester

Paderborn (WB). Prof. Dr. Johanna Rahner hat als Festrednerin zum 13. Pfingstempfang des Diözesankomitees Paderborn ein klares Plädoyer für die Priesterweihe von Frauen in der katholischen Kirche abgegeben. Im Rathaus lauschten zahlreiche Gäste, darunter Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft und Vertreter der kirchlichen Gremien, der Referentin.

Teresa Mönks

Annika Manegold (Vorsitzende Diözesankomitee/links) und Ansgar Kaufman (Vorsitzender Diözesankomitee) begrüßten Prof. Dr. Johanna Rahner als Referentin beim Pfingstempfang des Diözesankomitees Paderborn. Foto: Teresa Mönks

Die Kernthese der Festrede mit dem Titel »Wann, wenn nicht jetzt? – Warum sich die Zukunft der Katholischen Kirche an der Frauenfrage entscheidet« war eindeutig: Der Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche sei hausgemacht und von der maskulin geprägten Historie verursacht, so die Referentin. Nur durch striktes Umdenken und durch eine Legitimierung des Priesteramtes für Frauen könne sich die Katholische Kirche erholen. Rahner drängte darauf, dass sich die Kirche ein Beispiel an anderen gesellschaftlichen Bereichen nehmen solle, in denen ein konsequentes Umdenken und eine Neuorganisation nicht mehr zeitgemäßer Traditionen bereits erfolgt ist. Nach Ansicht der Professorin könnte dieses einen Prozess zum Abschluss bringen, der seine Wurzeln unter anderem in den 68er-Bewegungen habe, aber auch schon von kirchlicher Seite vor Jahren gefordert werde.

Forderung stößt auf Zustimmung

Rahner bekam viel Applaus für die folgende Forderung: »Entweder, Sie entfernen alle Frauen aus jeglichen seelsorgerischen und kirchenleitenden Aufgabenfeldern der Catholica, oder Sie weihen auch Frauen, die diese Dienste im engeren, amtlichen Sinne leisten.« Ein abweichendes Verhalten würde Rahner zufolge verlogen wirken. Dabei nahm die Referentin klaren Bezug zum immer größer werdenden Anteil und Engagement von Frauen in der katholischen Kirche.

Zustimmendes Nicken im Publikum sah man auch bei der Aussage, dass die Kirche immer mehr an Einfluss verlieren werde, sofern sie die notwendigen Schritte zur Anerkennung der Würde der Frau weiterhin außer Acht ließe. Dabei ließ Rahner am Rande auch das Thema Empfängnisverhütung einfließen.

Mehr Gleichstellung von Mann und Frau

Neben der Referentin, die als Professorin an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen arbeitet, sprach sich auch Bürgermeister Micheal Dreier in seinen Grußwort für mehr Gleichstellung von Mann und Frau im öffentlichen und kirchlichen Leben aus. Ebenso ließ Erzbischof Hans-Josef Becker durch Weihbischof Hubert Berenbrinker übermitteln, dass die »Bindekraft der Kirchen nachlässt« und dass das »volkskirchliche Milieu« an ihr Ende gekommen sei.

Abgerundet wurden die Beiträge durch die Musikwahl von Markus Maurer (Klavier) und Georg Thauern (Gesang). Sie setzten am Tenor des Abends an und ließen das sich verändernde Frauenbild der vergangenen Jahrhunderte musikalisch aufscheinen. Vor allem der Höhner-Klassiker »Wenn nicht jetzt, wann dann«, kam textlich angepasst gut bei den Gästen an und animierte zum Mitsingen. So hieß es getreu dem Thema des Abends: »Wir ordinieren die Frau, das sollten wir uns trau’n, denn die Devise heißt, nach vorne schau’n.« Auf www.katholisch.de findet sich ein Interview mit Prof. Dr. Johanna Rahner, das sich ebenfalls dem Thema widmet. Der Titel heißt: »Frauenfrage hat Sprengstoffpotenzial«.

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