1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. „Platzkapazitäten sind am Limit“

  8. >

Angst vor dem Kältetod: SKM sorgt sich um Obdachlose und weitet sein Angebot in Paderborn aus

„Platzkapazitäten sind am Limit“

Paderborn

Angesichts von zweistelligen Minustemperaturen in den Nächten wächst bei Verantwortlichen der Wohnungslosenhilfe in Ostwestfalen die Sorge um Leben und Gesundheit von obdachlosen Menschen. In einer 150.000-Einwohner-Stadt wie Paderborn sind es nach Angaben des Katholischen Vereins für soziale Dienste (SKM) etwa 50 bis 60 Menschen, die über keinen Mietvertrag verfügen und gänzlich ohne Wohnung auf der Straße leben.

wn

Um den zirka 60 Obdachlosen in Paderborn etwas Linderung bei den eisigen Temperaturen zu verschaffen, hat das Erzbistum Paderborn zwei Heizstrahler und Bänke im Kreuzgang des Paderborner Doms aufgestellt. Dort können sich die Menschen aufwärmen. Foto: Oliver Schwabe

Obwohl SKM-Mitarbeiter derzeit in der Stadt an bekannten Stellen unterwegs sind, um Betroffenen sichere und warme Aufenthalts- und Übernachtungsplätze anzubieten, seien nicht alle in der Lage oder bereit, diese Hilfe anzunehmen. Viele gingen damit das Risiko des Kältetodes ein.

Verlängerte Öffnungszeiten und Shuttlebus

Um auf die Notlage zu reagieren, hat der SKM kurzfristig Sonderregelungen zur Tagesstätte und Übernachtungsstätte eingeführt. So gibt es in der Tagesstätte an der Kapellenstraße verlängerte Öffnungszeiten, auch ein Shuttlebus steht zur Verfügung, damit ein Ankommen in der Übernachtungseinrichtung an der Wollmarktstraße gewährleistet ist. Der derzeit erhöhte Aufwand mit verstärktem Personaleinsatz sei für den SKM ein Kraftakt, weil das Wetter diesen Einsatz deutlich erschwert. „Mancher Mitarbeiter war anfangs aufgrund der Straßenverhältnisse nicht in der Lage, seinen Arbeitsplatz zu erreichen.“

SKM-Geschäftsführer Joachim Veenhof bittet außerdem die Bevölkerung um Mithilfe: „Sollten Sie auf einen Menschen treffen, der Sie aufgrund der Kälte um Hilfe ersucht, oder auf einen offensichtlich hilfsbedürftigen wohnungslosen Mitbürger, rufen Sie die Polizei unter dem Notruf 110, bei gesundheitlicher Beeinträchtigung den Rettungsdienst unter 112.“ Sorge bereiteten vor allem solche Menschen, die ihren ersten Winter auf der Straße verbringen und noch keine Strategien für diese Witterung entwickelt haben. Erschwerend komme hinzu, dass Orte, an denen sich die Betroffenen normalerweise aufhalten können, coronabedingt geschlossen sind.

„Lieber Corona als erfrieren“

Die Sorge vor Corona-Ansteckung in den Übernachtungsstellen sei zwar auch in Paderborn bei Betroffenen wahrnehmbar, doch überwiege die Angst vor dem Kältetod. „Lieber Corona als erfrieren“, sei zu hören. Allerdings hielten sich alle Personen, die beim SKM Hilfe in Anspruch nehmen, strikt an die Schutzregeln, tragen Masken und halten Abstand. Sollten allerdings mehr Menschen kommen, werde es schwierig mit der Einhaltung von Abstandsregeln. Veenhof: „Die Platzkapazitäten sind am Limit.“

Startseite