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Bürgermeister Dreier begeistert: schon mehr als 100.000 Euro an Spenden für Przemyśl eingegangen – Spendenaktion auch an der Uni

Polen danken für Hilfe aus Paderborn

Paderborn

Nach 16 Stunden Fahrt ist der in Paderborn gestartete Hilfstransport in der polnischen Partnerstadt Przemyśl angekommen. Am Mittwochmittag hatten die fünf Lastwagen, wie berichtet, die Stadt nahe der Ukraine erreicht. Die Dankbarkeit für die Unterstützung ist groß.

Von Ingo Schmitz

Nach 16 Stunden Fahrt sind am Mittwochmittag die fünf Lastwagen aus Paderborn im polnischen Przemyśl angekommen. Dort standen bereits die Helfer bereit, um beim Abladen der Hilfsgüter zu unterstützen. Iwona Liben bedankte sich bei Christian Schlichter von den Maltesern (unten, Mitte) für die Spenden.In Przemyśl angekommen: Ein Trupp Soldaten ist in der Stadt zu Fuß unterwegs. Foto: Christian Raimund Schlichter (4)

Eine Polizeieskorte führte den Konvoi durch die Stadt zu den Lagerhallen des örtlichen Wasserwerkes. Die Lebensmittel, Medikamente und Feldbetten wurden dort bei Minusgraden abgeladen. Sie sollen von Przemyśl aus mit kleineren Fahrzeugen an die fünf Partnerstädte in der Ukraine, vor allem nach Lemberg, gebracht werden, berichtete eine Mitarbeiterin des polnischen Bürgermeisters Wojciech Bakun dieser Zeitung. „In den vergangenen Tagen sind 60.000 Geflüchtete durch unsere Stadt Przemyśl gekommen. Wir selbst haben nur 59.000 Einwohner“, machte Iwona Liben die Dimensionen deutlich.

Die meisten kämen zu Fuß oder per Zug, einige mit dem Auto. Die 500 Übernachtungsplätze in der Stadt seien ausgeschöpft. Viele Ukrainer wollten aber direkt weiter – zu Freunden oder Verwandten in Polen oder Deutschland. Für die Unterstützung durch die Freunde aus der deutschen Partnerstadt sei man sehr dankbar.

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Das bestätigte Christian Raimund Schlichter. Vor Ort seien die Waren bereits erwartet worden, alles sei bestens organisiert, damit die Hilfe in dem vom Krieg betroffenen Land ankomme, berichtete der 58-Jährige. Der Paderborner ist seit 1978 beim Malteser-Hilfsdienst ehrenamtlich tätig und hatte einen der fünf Lkw über die 1200 Kilometer lange Distanz gesteuert.

Alles habe reibungslos geklappt, wenn auch die kleinen Tanks der Katastrophenschutz-Lastwagen für mehr Zwischenstopps gesorgt hätten, als geplant waren, berichtete er. Die Lkw seien eben nicht für Langstrecken ausgelegt.

Während in Deutschland für den Konvoi keine Maut angefallen sei, habe man in Polen zahlen müssen, weil die deutschen Papiere nicht anerkannt worden seien. „Das waren aber nur 4,60 Euro. Dafür durften wir die hervorragend ausgebauten polnischen Autobahnen nutzen“, schwärmte Schlichter über die moderne Infrastruktur. Die Autobahnen seien recht leer gewesen. Unterwegs habe man Militärfahrzeuge gesehen.

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In Przemyśl selbst sei von der Flüchtlingssituation kaum etwas zu spüren gewesen. Lediglich ein Trupp Soldaten sei aufgefallen.

Er selbst ist begeistert, wie gut alles Hand in Hand zwischen den heimischen Hilfsorganisationen wie THW, Johanniter, Arbeiter-Samariter-Bund, Feuerwehr und Maltesern geklappt habe. „Alle Hilfsgüter sind registriert und beschriftet, alles ist sofort praktisch nutzbar. Unsere Hilfe kommt effektiv und zielgerichtet an.“ Dies sei in dieser kritischen Situation absolut notwendig, betonte er.

In Przemyśl angekommen: Ein Trupp Soldaten ist in der Stadt zu Fuß unterwegs. Foto: Christian Raimund Schlichter

Nach einer Pause sollte der Konvoi am Abend wieder in Richtung Paderborn starten. „Wir werden wohl mehr Pausen einlegen. Das Ganze ist doch anstrengender, als ich gedacht habe“, berichtete Schlichter. Die Rückkehr wird an diesem Donnerstag gegen Mittag erwartet.

Paderborns Bürgermeister Michael Dreier zeigte sich beeindruckt von dem Einsatz der Helfer. Doch damit nicht genug: Auch der Stand auf den von der Stadt eingerichteten Spendenkonten sei mehr als bemerkenswert. Seit Montag seien mehr als 100.000 Euro eingegangen. An diesem Donnerstag treffe sich der Krisenstab, um weitere Maßnahmen zu beraten, so Dreier.

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Wer die Hilfsaktion unterstützen möchte, kann Sachspenden ab morgen, 3. März, täglich zwischen 10 und 17 Uhr (außer sonntags) zum Hinterhof des Y-Gebäudes der Universität (Mersinweg 7 in Paderborn) bringen. Eine Liste der dringend benötigten Materialien und der zu empfehlenden Spendenkonten finden Interessierte unter https://mb.uni-paderborn.de/werkstoffkunde. Von den eingegangenen Spendengeldern, die nicht für den Transport benötigt werden, werden Lebensmittel und Medikamente beschafft.

Über die aktuelle Entwicklung durch den russischen Angriff auf die Ukraine halten wir Sie in unserem Liveticker auf dem Laufenden.

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