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Deutsche Bischofskonferenz möchte Zahl der Standorte reduzieren – Erzbistum Paderborn will konstruktiv an dem Prozess mitarbeiten

Priesterausbildung auf dem Prüfstand

Paderborn

Weil immer weniger Menschen in Deutschland Priester werden wollen, will die Bischofskonferenz die Zahl der Standorte für die Ausbildung reduzieren. Davon könnte auch Paderborn mit seinem Priesterseminar betroffen sein, wo das Erz­bistum in den vergangenen Jahren Millionen in den Umbau investiert hat.

Matthias Band

Das Priesterseminar in Paderborn wurde 1777 gegründet. 1830 wurde es zugleich Konvikt für die Studenten der katholischen Theologie, die Priester werden wollten. Heute leben die Priesteramtskandidaten dort die meiste Zeit ihrer rund achtjährigen Ausbildung. Sie umfasst das propädeutische Einführungsjahr, das Theologiestudium und den zweijährigen Pastoralkurs. Foto: Sabrina Voss/Erzbistum Paderborn

Als mögliche Standorte für die Hauptphase der Ausbildung mit dem vierjährigen Theologiestudium sind nur noch Münster, Mainz und München im Gespräch. In Paderborn könnte künftig möglicherweise nur noch die Phase nach dem Studium, die zweijährige Ausbildung im Pastoralkurs, stattfinden. Es seien aber noch keine definitiven Entscheidungen gefallen, teilte die Deutsche Bischofskonferenz mit.

Drei regionale Projektgruppen sollen nun über die konkreten Standorte beraten. Ein Ergebnis soll erst am Ende der Projektphase, voraussichtlich Ende 2022, vorliegen. Die Mehrheit der Diözesen arbeitet in einer der drei Projektgruppen mit. Kriterien für die geplanten Standorte der Studienphase seien ausreichend große Lerngruppen, Ausbilder in Vollzeit und akademische Orte, um eine gemeinsame Ausbildung aller pastoralen Dienste zu ermöglichen. Paderborn beteiligt sich wie Essen und Münster an der Gruppe „Münster“. In der Gruppe „Mainz/Frankfurt“ sind die Bistümer Aachen, Fulda, Freiburg, Hamburg, Hildesheim, Limburg, Mainz, Osnabrück und Trier organisiert, in der Gruppe „München“ die Bistümer Augsburg, Bamberg, Eichstätt, Freiburg, München und Freising, Passau, Speyer und Würzburg.

Noch nicht entschieden haben sich die Bistümer Dresden-Meißen, Berlin und Görlitz. Rottenburg-Stuttgart hat eine Mitarbeit im sogenannten Koordinationsrat zugesagt. Das Erzbistum Köln und das Bistum Regensburg beteiligen sich nicht an dem Prozess und wollen an ihren Ausbildungs­formaten festhalten. Außer den drei Standorten ist Erfurt im Gespräch. Ob dort ein weiterer Ort der Priesterausbildung bleiben kann, soll erst später im Prozess geklärt werden.

Koordiniert wird der Prozess durch den Fuldaer Bischof Michael Gerber, der mit Blick auf die Zukunft der Fakultäten, an deren Standort künftig keine Priesterausbildung mehr stattfindet, ankündigte, dass der Prozess auch am „Status quo der heutigen Fakultäten-Landschaft nicht spurlos vorübergehen“ werde.

Benjamin Krysmann, Sprecher des Erzbistums Paderborn, betonte am Montag gegenüber dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT, dass die Qualitätssicherung der Priesterausbildung ein wichtiges Anliegen sei. „Die Arbeit an dem Thema ist angestoßen, sie ist konsequent weiter zu verfolgen. Das Erzbistum Paderborn beteiligt sich daran und steht mit der Deutschen Bischofskonferenz in einem konstruktiven Austausch“, sagte Krysmann. Zunächst ergäben sich für das Erzbischöfliche Priesterseminar, die Theologische Fakultät oder andere Ausbildungs- und hochschulischen Einrichtungen am Standort Paderborn keine Konsequenzen. Letztlich entscheide jeder Bischof vor Ort, wie es mit der Ausbildung weitergehen solle.

Hintergrund der Entscheidung der Bischofskonferenz ist die Zahl der Seminaristen, die in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist, ebenso wie die Zahl der Theologie-Studenten. In Paderborn wurden an der Leostraße Mitte der 1980er Jahre 200 Priester ausgebildet. Im Jahr 2000 wurden noch 15 Priesteramtskandidaten aufgenommen. 2005 waren es elf, 2010 sieben, 2015 fünf und 2020 nur noch zwei. Und während 1991 noch mehr als 30 Priester geweiht wurden, waren es im vergangenen Jahr nur zwei.

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