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Nur fünf Stimmen dafür: Paderborner Politik sollte Fußballdrittligist finanziell unterstützen

Rat lehnt Stundungen ab – SCP-Fans demonstrieren vor dem Rathaus

Paderborn (WB/itz/jhan/LaRo). Im Paderborner Rathaus ist die Debatte über Fußballdrittligist SC Paderborn zu Ende gegangen: Mit großer Mehrheit werden zwei Stundungen abgelehnt. 100 Fans des SCP demonstrierten lautstark vor dem Rathaus.

Die SCP-Fans machen sich vor dem Rathaus lautstark bemerkbar. Foto: Jörn Hannemann

Sie forderten die Ratspolitiker auf, den verschuldeten Verein finanziell zu unterstützen.

Von etwa 17 Uhr an fanden sich die ersten Fans vor dem Rathaus ein. Gegen 18 Uhr waren etwa 50 Fußball-Anhänger dort, während im Rathaus die Tagesordnung abgearbeitet wird.

Hornberger: »Jetzt ist die Politik am Zug«

Mitten unter den Fans war auch SCP-Geschäftsführer Martin Hornberger. Er verzichtetedarauf, ins Rathaus zu gehen. »Ich bleibe bei den Fans. Wir haben unsere Arbeit im Vorfeld erledigt. Jetzt ist die Politik am Zug.« An der Debatte werde ich nicht beiwohnen. Das habe ich auch beim Stadionbau so gehalten.«

SCP-Fans und ein Polizeiaufgebot vor dem Paderborner Rathaus. Foto: Jörn Hannemann

Die Polizei war mit einer Einsatzhundertschaft und knapp einem Dutzend Fahrzeugen vor Ort.

Die Debatte

Bürgermeister Michael Dreier erläutert, dass dem Verein nur dann die Stundungen gewährt werden können, wenn der SCP seine Lizenz für die dritte Liga behält.

»Sponsoring ist keine Sache der öffentlichen Haushalte«, betont Dr. Schröder von den Grünen. Es gehe es um Stundungen, trotzdem dürfe es kein Sponsoring werden. Es müsse deutlich werden, wie es finanziell wieder bergauf gehen soll. Das gäben die Erläuterungen des Vereins nicht her. »Auf der Basis dieser Zahlen kann es keine Stundung geben«, betont Schröder.

Franz-Josef Henze (SPD) bedauert, dass diese Debatte vor dem entscheidenden Spieltag am Samstag stattfindet. Die Stadt habe weder die sportliche noch wirtschaftliche Misere zu verantworten. Einer finanziellen Beteiligung am Profifußball seien enge Grenzen gesetzt, sagt Henze.

Laute Fans

Die Redebeiträge und Beifall der Kundgebung vor dem Rathaus sind im Gebäude zu hören. Sprechchöre der Fans: Henze ist kaum noch zu verstehen. Der Fraktionschef der SPD wirft dem Präsidium vor, nicht rechtzeitig gegengesteuert zu haben.

Reinhard Borgmeier (DIP) teilt die Kritik, sieht aber die Stundung anders als die Vorredner. Das Geld werde den Verein nicht retten. »Wir reden heute über relatives Kleingeld.« Wenn der Rat die Stundung nicht übernehme, wäre es ein schlechtes Signal für den Verein. Eine Stundung sei schließlich auch kein kompletter Verzicht, sondern ein Aufschieben.«

Vom Rathaus auf die Fans geblickt. Foto: Ingo Schmitz

Die Fans skandieren: »Aufmachen! Aufmachen!«

Markus Mertens von der CDU hat das Wort. Er kritisiert die Kommunikation mit dem SCP. Es gehe heute aber nicht darum, einen Schuldigen zu finden. Die CDU betont, dass das Defizit im Theater nicht mit dem Fußball zu vergleichen sei. Die CDU werde eine Stundung nicht mitmachen, betonte Mertens.

Damit steht schon vor der Abstimmung fest: Der SCP bekommt von der Stadt keinen Cent.

Bürgermeister erläutert, nun Sitzungsunterbrechung

Und draußen pfeifen die Fans. Inzwischen sind es etwa 100. Im Rathaus spricht Bürgermeister Dreier. Er erläutert, dass die Stadt lediglich die Stundungen in Höhe von 180.000 Euro für maximal ein Jahr für möglich hält. Gekoppelt aber an den Liga-Erhalt. Darüber soll der Rat nun abstimmen. Eine Sitzungsunterbrechung von fünf Minuten steht nun an. Die SPD-Fraktion hatte darum gebeten.

Rat lehnt Stundungen ab

Die Beratungspause ist vorbei. Dreier spricht. Er erinnert daran, wie massiv die Stadt dem Verein in der Vergangenheit unter die Arme gegriffen hat. Millionenbeträge werden genannt. »Ich darf daran erinnern, dass wir seit Monaten darüber gesprochen haben, wie dem Verein geholfen werden kann. Nach allen Abwägungen empfehle ich Ihnen, die beiden Stundungen abzulehnen.«

Die Abstimmung ist gelaufen: Es sind nur fünf Stimmen aus dem Rat, die zu der Stundung bereit gewesen wären. Dies waren die Vertreter der DIP sowie der Ex-CDU-Ratsherr Stephan Hoppe.

CDU-Fraktionschef Mertens erläuterte dann vor dem Rathaus Hornberger inmitten der Fans die Entscheidung.

Kurz vor 20 Uhr endete der öffentliche Teil der Ratssitzung. Die Versammlung der SCP-Anhäger hatte sich vorher allmählich aufgelöst.

Dreiers Vorschlag

Bürgermeister Michael Dreier hatte für die Ratssitzung am Donnerstag, 18. Mai, eine Stundung von insgesamt jährlich 188.000 Euro für ein Stadionbau-Darlehn und Pachtzins für zwei Profifußballfelder im neuen Trainings- und Nachwuchsleistungszentrum ins Gespräch gebracht. Diese Stunden sollten allerdings erstmals nur gewährt werden, wenn der SC Paderborn den Abstieg aus der dritten Liga verhindert. Das entscheidet sich am Samstag, 20. Mai, am letzten Spieltag dieser Saison.

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