1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. Rekordpilz kommt in die Pfanne

  8. >

Familie Baumgart findet in Paderborn einen außergewöhnlichen Bovist

Rekordpilz kommt in die Pfanne

Paderborn (WB). Was für ein Pilz! Beim Spazierengehen stießen Dirk Baumgart und seine Frau Theresia am Dienstagnachmittag auf einen Riesenbovist. Er wiegt 1,28 Kilogramm und hat einen Umfang von 76,5 Zentimeter.

Dietmar Kemper

Beeindruckend: Dirk Baumgart und seine Tochter Annika (7) stellen erstaunt fest, dass der Bovist fast so groß ist wie der kleine Julian. Foto: Oliver Schwabe

Von wegen Styroporkugel

»Meine Frau hat gesagt, da liegt eine Styroporkugel«, erzählte Baumgart am Mittwoch. Als er hinging, um nachzuschauen, stieß er auf der Wiese gegenüber der Fürstenallee auf den Pilz, der aussieht wie ein weißer Medizinball. Das Paar nahm den großen mit und ließ zwei kleinere stehen, damit sie weiterwachsen können. Um Näheres über seine Entdeckung zu erfahren, griff der 41-Jährige, der bei der Firma Benteler im Vertrieb für Energierohre arbeitet, zu einem Pilzbuch. Dort erfuhr er, dass Bovisten einzigartig aussehen, einen großen, weißen, schaumstoffartigen Fruchtkörper besitzen und alle Arten essbar sind. Er wächst auf gedüngten Wiesen, an Hecken und Waldrändern. Alte Boviste nehmen eine braune Farbe an und werden staubig.

»Ich habe einen Freund angerufen, der Koch ist, und der hat mir gesagt, dass der Pilz sehr gut schmeckt«, berichtete Dirk Baumgart. Er stammt aus dem niedersächsischen Lohne, wohnt seit 2010 in Schloß Neuhaus und wird wegen seines Nachnamens immer mal wieder auf Steffen Baumgart, den Trainer des SC Paderborn 07, angesprochen.

Der Umfang des weißen Pilzes von 76,5 Zentimeter ist außergewöhnlich. Laut dem Pilzbuch sind gut 60 Zentimeter eigentlich das Maximum. Der Bovist ist fast so groß wie Julian, acht Wochen alter Sohn der Baumgarts.

Wer das Pilz-Prachtexemplar in Augenschein nehmen möchte, hat aber Pech gehabt. Am Mittwochmittag wurde der Pilz verspeist. So wie das Leben sind eben auch Pilze vergänglich. Und darauf, dass ständig Neugierige bei ihr im Osthoffgarten klingeln, hätte die Familie sowieso keine Lust.

Paniert wie ein Schnitzel

»Ich will ihn panieren wie ein Schnitzel und mit Pfannkuchen und Salat servieren«, kündigte Dirk Baumgarts Mutter Eveline am Mittwochmorgen an. Pilze kommen öfter mal auf den Küchentisch. »Meine Frau achtet bei Spaziergängen auf Pilze, sie kommt aus einer Region, in der man Pilze sammeln geht«, sagte Dirk Baumgart. Konkret stammt seine Frau Theresia aus Vorarlberg in Österreich. In die Pfanne kommen bei den Baumgarts aber nur Pilze, die sie gut kennen. Wenn sie nicht sicher sind, lassen sie die Pilze stehen. So vorsichtig sind nicht alle. Deshalb warnen Experten regelmäßig vor möglichen Vergiftungen.

Dazu kann es auch kommen, selbst wenn der Sammler die Pilze kennt. Auf die Gefahren durch Frost im Herbst weist die Pilzsachverständige des Kreises Höxter, Nannette Sicke-Hemkes, hin: »Die kalten Nächte, die derzeit bereits mit Bodenfrost einhergehen, frieren die Pilzfruchtkörper an, die dann am Tage wieder tauen. Dies sieht man Steinpilz und Co nicht unbedingt an.« Die mit Wasser gefüllten Bestandteile würden durch den Frost gesprengt. Die Expertin: »Das Problem liegt im hohen Gehalt an Eiweißen, die sich bei angefrorenen Pilzen um ein Vielfaches schneller zersetzen als im Normalfall. Es kann zu leichten bis mittelschweren Lebensmittelvergiftungen kommen. Es ist nie ersichtlich, wie oft und lang ein Fruchtkörper gefroren und wieder getaut ist.«

Startseite