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Bruno Eikel hat bisher nur Auftrag für Abbau 

Paderborner Kunstschmied setzt sich für zeitnahe Restaurierung des Rikus-Kreuzes ein 

Paderborn

Wird ein Fachbetrieb das Rikus-Kreuz noch in diesem Jahr restaurieren? Diese Frage beschäftigt Kunstschmied Bruno Eikel (54). Er ist damit beauftragt, das sakrale Kunstwerk abzubauen. Noch steht aber weiterhin nicht fest, ob anschließend die Schäden am Kreuz beseitigt werden. Eikel würde das freuen: Denn sein gleichnamiger Vater schuf das Werk vor etwa 60 Jahren in Zusammenarbeit mit dem Künstler Josef Rikus.

Am Paderborner Gierstor und vor dem Rikus-Kreuz zeigen Kunstschmied Bruno Eikel (l.) und sein Geschäftspartner Benjamin Scholz anhand von Arbeitsproben, in welchem Farbton das Kunstwerk nach einer Restaurierung erscheinen könnte. Über die Zeit wird sich aber wieder eine  grüne Patina bilden. Foto: Jörn Hannemann

Wie mehrfach berichtet, muss das Rikus-Kreuz am Gierstor saniert werden. Ein Ingenieurbüro für Statik hatte festgestellt, dass das Rikus-Kreuz nicht mehr standsicher ist. Vor allem die Innenkonstruktion aus Stahl ist korrodiert. Das bestätigt auch Bruno Eikel. 

Was Eikel wundert: Bereits am 1. Juli 2022 sei er an der ersten Untersuchung am Kreuz beteiligt gewesen. Dass „Gefahr im Verzug“ ist, wurde aber erst Ende Oktober im Zuge einer Anfrage der CDU im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Konversion zur Sicherheit von Wegekreuzen öffentlich. Auf Nachfrage dieser Zeitung hatte die Stadt daraufhin mitgeteilt, dass ihr die Probleme seit der „Kalenderwoche 42“ bekannt gewesen seien. Also 16 Wochen nach dem 1. Juli. Auf Nachfrage bei der Stadt, ob es diesbezüglich eine zeitliche Diskrepanz gibt, teilt sie mit, dass dies „beim Amt für Umweltschutz und Grünflächen nicht bekannt“ sei.

Zuletzt hatte Dr. Elisabeth Rikus-Dee, Nichte des Künstlers Josef Rikus (1923 bis 1989) und Nachlassverwalterin seines künstlerischen Erbes, zudem über die zwischenzeitlich gestiegenen Kosten für den Abtransport und die Restaurierung des Kreuzes berichtet. Demnach stehen 130.000 Euro im Raum. 

Rikus-Kreuz: Werk von Künstler und Handwerker 

Die Familie von Bruno Eikel ist eng mit dem Kreuz verbunden. Sein Vater, 1984 verstorben, und dessen Mitarbeiter hatten mit kunsthandwerklichem Können das Kreuz geschaffen. Zuvor hatte Josef Rikus ein Gipsmodel im Maßstab 1:1 gefertigt. „Hier gab es einen handwerklichen und künstlerischen Austausch“, sagt Eikel. Ergebnis dieses „Ringens miteinander“ zwischen Josef Rikus und Bruno Eikel (Senior) sei, dass das gefertigte Kreuz „markanter und expressionistischer“ wirke als das Modell.  Drei Millimeter starke Kupferplatten, mit einem Gesamtgewicht von 20 Zentnern sollen Eikel und seine Mitarbeiter laut damaligen Zeitungsberichten 1963 zusammengeschweißt haben. Keine einfache Arbeit, auch weil Kupfer stark wärmeleitend ist. „Das ist wahre Handwerkskunst“, sagt Bruno Eikel heute.  

Hier betrachtet Bruno Eikel (Senior) den gefertigten Kopf aus Kupfer, vorne ist ein Teil der Stahlkonstruktion zu sehen, die im Inneren des Kunstwerks verborgen ist. Foto: Werkstätten für raumbildende Konstruktion Paderborn

Doch die Korrosion habe dem Kunstwerk schwer zugesetzt. Die Schäden und das Konzept zur Restaurierung hielt Eikel in einem bepreisten Handlungskonzept fest. Mit etwa 100.000 Euro rechnet er für die Restaurierung. Allerdings hat Eikel lediglich einen Auftrag seitens der Stadt zum Abbau des Kreuzes: Gesamtkosten etwa 30.000 Euro. Wie berichtet, soll das Kreuz mit einem Schwertransport zunächst zur Dempsey-Kaserne gebracht werden. Einen Termin gebe es laut der Stadt weiterhin nicht.

Vorschlag: Kreuz zum 60. Jahrestag wieder aufstellen

Eikel geht nun davon aus, dass die Stadt die Arbeiten zur Restaurierung ausschreiben muss, was letztlich auch Zeit kostet. Ob das bereits erfolgt ist, weiß er nicht. Dass ihm ein Zuschlag aufgrund des familiären Bezugs am Herzen liegt, verhehlt er nicht. Eikel ist aber zunächst daran gelegen, dass das Kreuz überhaupt restauriert wird — und zeitnah. Zumal das Stadtmuseum und das Diözesanmuseum anlässlich des 100. Geburtstags des Bildhauers Rikus ab dem 28. Februar 2023 eine Gemeinschaftsausstellung zeigen. Aus Sicht von Eikel wäre es ideal, würde das restaurierte Kreuz spätestens um den 3. November, also 60 Jahre nach der Einweihung, wieder der Öffentlichkeit präsentiert.  

Dieses Foto zeigt, wie Arbeiter das Rikus-Kreuz vor der Einweihung am 3. November 1963 mit einem Kran aufstellen. Foto: Werkstätten für raumbildende Konstruktion Paderborn

Eines stellt Eikel auch heraus: Für den Fall, dass er zusammen mit seinem Geschäftspartner Benjamin Scholz aus den gemeinsamen „Werkstätten für raumbildende Konstruktion“ den Zuschlag für die Restaurierung erhalten würde, wäre dies nicht mit einem wirtschaftlichen Gewinn für sie verbunden. Er würde es dennoch machen. Eikel: „Es geht um die Bedeutung für die Stadt.“ Das Rikus-Kreuz sowie das Ehrenmal am Busdorfwall oder die Fassade des früheren Gebäudes der Westfälischen Kammerspiele seien Beispiele für eine „stadtbildprägende Kunst nach der Zerstörung während des Zweiten Weltkriegs“, geschaffen durch Josef Rikus.  

Rikus-Kreuz: Drei bis vier Monate Restaurierung

Mit etwa drei bis vier Monaten Restaurierungszeit rechnet Eikel. Weil die Stahlkonstruktion korrodiert ist, muss das Kunstwerk hinten komplett geöffnet werden. Diese soll nach Empfehlungen der Statiker durch eine Edelstahlkonstruktion ersetzt werden. Zudem müssten Teile der Außenhülle aus Kupfer ersetzt und verschweißt werden. Ein Grund dafür ist, dass die Innenkonstruktion über Schrauben mit der Außenhülle verbunden ist, und die müssten geöffnet werden. Anschließend muss die Trennfuge wieder verschweißt, die Naht abgetragen und die Fläche satiniert und brüniert werden. 

Abtransport bei Nacht 

Aus Eikels Sicht sei eine Restaurierung „nicht zu 100 Prozent im denkmalpflegerischen Kontext“, etwa wegen der Reparaturen an der Außenhülle, möglich. Eikel: „Zentrales Augenmerk der Restaurierung ist die Symbiose zwischen Substanzerhaltung im denkmalpflegerischen Kontext sowie der Erzeugung und Akzentuierung einer individuellen Tonalität als kunsthandwerkliche Werkinterpretation.“

Zum Thema Unterdenkmalschutzstellung des Rikus-Kreuzes teilt die Stadt unterdessen auf Anfrage mit: „Die Untere Denkmalbehörde untersucht derzeit einige Objekte und prüft den Bestand aller Quellen. Allerdings sind sie ganz am Anfang der Untersuchung; es kann zurzeit nicht abgeschätzt werden, wie viele Objekte in die Unterschutzstellung fallen.“

Übrigens: In der ersten Zeit nach der Aufstellung soll die Skulptur Eikel zufolge in der Sonne geglänzt haben. Dann habe sich eine grüne Schutzkorrosion gebildet. Schließlich habe sich das Kupfer schwarz verfärbt. „Sie hätte alle paar Jahre gereinigt werden müssen“, sagt Eikel.

Standort des Rikus-Kreuzes

Darüber hinaus setzt sich Eikel dafür ein, dass das Rikus-Kreuz nach einer möglichen Restaurierung zum Gierstor zurückkehrt. Dazu verweist er auf einen Zeitungsbericht vom 15. Oktober 1963. Darin wird Josef Rikus zitiert: „Ich wollte das Gierstor als alte Stätte Paderborner Kreuztradition besonders betonen.“ Das habe Auswirkungen auf das Urheberrecht, das gewahrt bleiben müsse. Dazu verweist Eikel auf einen Auszug eines Urteils des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main von 2016 — und auf Werke, die „in Korrespondenz zum Ausstellungsort konzipiert und konstruiert“ worden seien: „Jede Verbringung eines solchen Werkstücks an einen anderen Ort führt damit zu einer Veränderung des vom Urheber geschaffenen geistig-ästhetischen Gesamteindrucks.“

Die Zeitkapsel, die zur Einweihung in das Kunstwerk eingebracht worden war, entnahm Eikel übrigens bereits — im Beisein von Elisabeth Rikus-Dee. Die Kapsel ist aber noch ungeöffnet. Vermutlich enthält sie beispielsweise die Urkunde sowie ein Foto von Eikels Schwester Ingrid. Die Zeitkapsel soll in absehbarer Zeit mit Vertretern des Diözesan- und Stadtmuseums geöffnet werden, so Eikel.

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