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Paderborner Handwerk bereitet sich auf Ausbau der Infrastruktur vor

Rückenwind für die E-Mobilität

Paderborn (WB). Der Verkauf von Elektroautos kommt im Kreis Paderborn nur langsam ins Rollen. Das könnte sich in diesem Jahr ändern, wenn mehr und mehr auch deutsche Fahrzeuge auf den Markt kommen, die entsprechende Reichweiten haben und zudem lieferbar sind. Darauf stellt sich die Fachinnung Elektrotechnik der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe ein.

Ingo Schmitz

Auch Experten der Elektrotechnik wie Obermeister Wolfgang Stock (rechts) setzen sich mit der Ladesäulen-Technik und den technischen Voraussetzungen für E-Autos auseinander. Christian Voigt (Autohaus Thiel) präsentiert den neuen Audi e-tron. Foto: Besim Mazhiqi

»Wer sich ein Elektroauto kauft, bereitet sich darauf vor«, sagt Audi-Verkaufsleiter Christian Voigt vom Autohaus Thiel in Paderborn. In den vergangenen Tagen feierte dort der Audi e-tron, ein rein elektrisches Serienmodell, seine Premiere. Erste Kunden durften den SUV auf Basis des Audi Q5 testen. Unter realistischen Bedingungen schaffe der Wagen eine Reichweite von 300 bis 400 Kilometern, berichtet Voigt.

Die Vorurteile gegenüber E-Autos kennt der Obermeister der Fachinnung Elektrotechnik, Wolfgang Stock, zu genüge. »Ich fahre seit Jahren einen E-Golf und muss mich immer fragen lassen, ob im Winter ohne Heizung fahre. Tatsächlich schaffe ich bei minus zehn Grad ohne Verzicht auf Komfort 180 und bei null Grad 220 Kilometer im Stadtverkehr. Die Heizung spielt da eine untergeordnete Rolle«, berichtet Stock von seinen Erfahrungen.

Schnellladung in 15 Minuten

Selbst Autobahnfahrten seien kein Problem: »Die Infrastruktur ist zu 70 bis 80 Prozent ausgebaut. Mit der Schnellladefunktion kann ich meine Reichweite in nur 15 Minuten deutlich ergänzen«, bricht Voigt eine Lanze für die Reichweitentauglichkeit. Das Navigationsgerät des neuen Audi plane seine Route danach, wo der beste Zwischenstopp eingelegt werden könne.

Ladesäulen im Kreisgebiet

Westfalen-Weser-Netz ist einer der größten Anbieter in der Region beim Aufbau der Lade-Infrastruktur. E-Stationen gibt es in Bad Lippspringe an der Arminiusstraße, an der Kurparkstraße und Im Bruch, in Borchen am Stadtweg, in Delbrück an der Markstraße und am Hallenbad (Nordring), in Hövelhof an der Schloßstraße, in Paderborn am Tegelweg, an der Fürstenallee und auf dem Domplatz sowie in Salzkotten an der Markstraße. Zudem entstehen derzeit weitere Ladesäulen in Lichtenau an der Lange Straße, in Paderborn an der Uni (Fanny-Nathan-Straße) und an der Sälzerstraße in Salzkotten. Zwei weitere Stationen in Paderborn sind in Planung (Arosa und Bahnhofstraße).

Wer in Paderborn und Umgebung Strom tanken will, findet schnell eine Handy-App, die weiterhilft. Wer dort sucht, wird erstaunt sein, wie das Netz bereits gewachsen ist: In den vergangenen Monaten sind etliche Ladesäulen hinzu gekommen. Im inneren Ring kann am Maspernplatz, in der Tiefgarage Königsplätze, am Dom sowie im Parkhaus Neuhäuser Tor Strom getankt werden. Auch die Bezahlsysteme würden immer komfortabler, zum Beispiel per Handy, berichtet Stock.

150.000 Autos sind derzeit kreisweit zugelassen. Einige städtische Fahrzeuge, einige innovative Firmen, wenig Private: Aktuell ist der Bestand an E-Fahrzeugen in Paderborn äußerst gering. Nach den Prognosen wird davon ausgegangen, dass es im Jahr 2020 erst 300 »Stromer« auf den hiesigen Straßen gibt, sagt Stock. 2021 wären es 500. Erst 2022 wird mit einem drastischen Anstieg auf 4500 Fahrzeuge gerechnet, berichtet der Obermeister. »Irgendwann tritt der Effekt ein, dass die Kunden ein solches Fahrzeug haben wollen«, meint Voigt. Bis 2037 werde in der Branche mit weiteren Steigerungsraten gerechnet. Danach gehe man von einer gewissen Sättigung des Marktes aus.

Wolfgang Stock sieht mit Blick auf die neuen Modelle, die 2019 auf den Markt kommen, ein Signal für die Verbraucher: Es geht los. Auch die 0,5-Prozent-Regelung für E-Dienstwagen (statt 1-Prozent-Regel bei Diesel oder Benzinern bei privater Nutzung) werde einen Anschub bringen, meint Voigt.

Smarte Gebäudetechnik fürs Auto

Die Fachinnung Elektrotechnik bereitet sich darauf vor. Für »normales« Laden über einen längeren Zeitraum (zum Beispiel nachts in der eigenen Garage oder auf dem Grundstück) reichten die Leitungskapazitäten vieler Grundstücke in der Regel aus. Laut Stock sei es aber sinnvoll, bei einer Schnellladeeinrichtung im Eigenheim sich von einem Fachbetrieb beraten zu lassen. In Paderborn gebe es bereits vier Unternehmen, die eine Zertifizierung für die E-Mobilität hätten. Weitere kämen in diesem Jahr hinzu. Wer außerdem eine Photovoltaikanlage auf dem Dach habe, habe dann die Möglichkeit, den selbst generierten Strom in den Batteriespeicher des Autos fließen zu lassen. »So etwas lässt sich mit einer smarten Gebäudetechnik intelligent steuern«, sagt der Experte.

Grundsätzlich sei das Stromnetz im Stadtgebiet Paderborn wohl ausreichend für die Elektromobilität ausgebaut, meint Stock. »Früher gab es viele Nachtspeicheröfen. Das ist unser Vorteil. Jetzt können die Autos daran aufgeladen werden«, erklärt er.

Der e-tron sei stark nachgefragt, berichtet Christian Voigt von den Erfahrungen der Probefahrten. Innerhalb weniger Tage seien fünf Fahrzeuge verkauft worden. Samt Akkus liegt der Preis für den Wagen bei stolzen 80.000 Euro. Lieferzeit sei bis zum Sommer.

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