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Jugendsparte des Paderborner Theaters führt am Donnerstag das Stück „Planet der Hasen auf“

Schlaraffenland vor der Zerstörung

Paderborn

„Es ist eine neue Kunst entstanden“, meint Regisseur Krzysztof Minkowski, als er über die Arbeit an seinem neuesten Projekt „Planet der Hasen“ spricht. Mit diesem Stück feiert das Theater Paderborn am Donnerstag, 22. April, in der Lutherschule Premiere.

Rebecca Borde

Die zwei Hasen leben im Überfluss, aber der hat seine Schattenseiten. Ist das sorglose Dasein bald vorbei? Tina Müller hat sich das Stück ausgedacht, das in der Lutherschule gezeigt wird. Foto: Tobias Kreft

Verfasst wurde es von Tina Müller, es richtet sich an Kinder ab sieben Jahren. Thematisiert wird die Freundschaft zweier Hasen. Sie leben auf einem Planeten, der einem Schlaraffenland gleicht. Es gibt Gummibärchen- und Brathähnchenautomaten und Unmengen an Spielzeug. Sie leben im Überfluss und die Bequemlichkeit wird zum Alltag, bis eine schreckliche Annahme den Schein der Unbeschwertheit trübt: Schon in sieben Tagen soll durch eine Explosion der ganze Planet zerstört werden. Wie kann er gerettet werden, bevor es zu spät ist?

Das Stück lässt sich laut Dramaturgin Ramona Wartelsteiner in den aktuellen Spielplan des Theaters einbinden. „Es ist unser Ziel, Menschen aller Altersklassen mit unseren Stücken auf die Umwelt aufmerksam zu machen. Dabei geht es um Themen wie den Klimawandel. Kinder werden schon früh damit konfrontiert, was manchmal zu Verwirrung führt.“ Das Stück solle ihnen helfen, das Thema einzuordnen und zu verstehen.

Regisseur Krzysztof Minkowski, der im Bereich der Jugendarbeit nach eigenen Angaben noch recht unerfahren ist, hält die Inszenierung für eine harte Herausforderung: „Wir wollen die Fantasie nicht begrenzen, nicht zu pädagogisch werden, sondern Kinder vor allem begeistern.“ Neben Umweltschutz sei aber auch die Freundschaft ein bedeutendes Thema, was unter den Umständen der Pandemie gar nicht so einfach darzustellen sei. „Die Schauspieler müssen durchgehend Masken tragen, sodass die Mimik fehlt. Außerdem dürfen sie weder einander noch dieselben Requisiten berühren. Umarmungen stellen wir deswegen virtuell da. Aber auch Küsse können über eine Entfernung rührend wirken, und durch die Distanz gewinnen sie manchmal sogar an Bedeutung“, sagt Minkowski. Eine Präsenzvorstellung scheint notwendig zu sein: „Online wäre es nicht dasselbe. Die Schauspieler sprechen die Zuschauer an. Davon lebt die Inszenierung.“

„Planet der Hasen“ solle zum Lachen, aber auch zum Nachdenken anregen, sagt Ramona Wartelsteiner. In die Rollen der beiden Hasen werden Johanna Graen und Veronika Wider schlüpfen. Das Stück wird im Rahmen des neuen Kinder- und Jugendtheaters am Theater Paderborn, „Jott“, stattfinden. Das Jott existiert erst seit Anfang dieses Jahres. Somit sei das Stück ein Startschuss, denn es handele sich um die allererste Premiere überhaupt.

An der Inszenierung habe das Team, das laut Wartelsteiner sicherheitshalber auf ein Minimum konzen­triert wurde, bereits seit November letzten Jahres gearbeitet. „Wir haben vier Wochen geprobt und dann kam der Weihnachtslockdown. Damit wurde unsere Arbeit erschwert, und wir konnten erst im März für weitere zehn Tage mit den Proben fortfahren.“ Regisseur Minkowski ergänzt: „Pausen sind tödlich für solche Prozesse. Aber das Wichtigste ist, dass wir wieder arbeiten können. Jetzt müssen wir durchhalten.“

Das Stück mit einer Dauer von 50 Minuten wird als geschlossene Präsenzveranstaltung an der Lutherschule aufgeführt, was unter den Umständen der Pandemie als Besonderheit gilt. „In den Räumlichkeiten des Theaters darf aktuell keine Veranstaltung stattfinden“, sagt Laura Schiller, Gastspieladministratorin des Theaters Paderborn: „Schulveranstaltungen, die zudem einen schulischen Nutzen haben, dürfen aber unter Berücksichtigung der Hygienemaßnahmen stattfinden. Wir haben lange an unserem Konzept gearbeitet, können Abstand gewährleisten, werden FFP2-Masken tragen und lüften.“

Ramona Wartelsteiner ergänzt: „Es ist auch nicht so, als hätten wir hier eine Grauzone entdeckt, die wir ausnutzen wollen. Wir wollen nichts riskieren. Wir haben uns von Beginn an informiert, und in der Spielzeitplanung war die mobile Vorstellung immer eine Grundannahme. Damit haben wir eine gute Möglichkeit gefunden.“

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