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Pilotprojekt ist angeblich doch ein Erfolg – mit Kommentar

„Schlosskreuzung“: Universität Paderborn irritiert die Politiker

Paderborn

CDU-Fraktionschef Markus Mertens hatte den Eindruck, „zwei unterschiedliche Vorträge“ gehört zu haben. Nachdem Sandra Gausemeier vom Heinz-Nixdorf-Institut der Uni Paderborn am 12. August im Bezirksausschuss Schloß Neuhaus/Sande von erheblichen technischen Problemen beim digitalen Pilotprojekt „Schlosskreuzung“ gesprochen hatte, zeichnete ihr Chef Professor Ansgar Trächtler am Mittwoch im Ausschuss für Umwelt, Klima und Mobilität ein sehr viel positiveres Bild und irritierte damit die Politiker.

Das Pilotprojekt „Schlosskreuzung“ sorgt für Verwirrung. War es nun ein Erfolg oder nicht? Foto: Oliver Schwabe

„Wir sind der Ansicht, dass wir erfolgreich waren“, sagte Trächtler und ergänzte: „Wir haben nicht damit gerechnet, dass so eine Erwartungshaltung herrscht.“  Es sei nicht darum gegangen, die Verkehrsprobleme in Schloß Neuhaus zu lösen, sondern einen Prototypen für eine intelligente Ampelsteuerung zu entwickeln und zu testen. Das sei geschehen. Trächtler: „Der Nutzen des Forschungsprojekts ist Erkenntnisgewinn, und den haben wir erreicht.“

Wie mehrfach berichtet, verfolgte das 2019 gestartete und zuletzt abgeschlossene Pilotprojekt der Stadt mit Beteiligung der Uni und der Firmen RTB und Stührenberg das Ziel, den Straßenverkehr durch die Erfassung von Daten in Echtzeit flexibel, bedarfsgerecht und intelligent zu steuern, dabei Wartezeiten an Ampeln zu verringern und die Belastung durch Lärm und Feinstaub zu reduzieren. Dazu entwickelte das Heinz-Nixdorf-Institut für die sechs umgerüsteten Ampeln auf der Bielefelder Straße und Münsterstraße einen Steuerungsalgorithmus.

Intelligente Ampelsteuerung „möglich“

Das Pilotprojekt habe gezeigt, so Trächtler, dass eine intelligente Ampelsteuerung möglich sei: „In einem vierwöchigen Live-Dauerbetrieb konnte erfolgreich nachgewiesen werden, dass der prototypische Aufbau funktioniert. Die Auswertung der Ergebnisse zeigt, dass die Wartezeiten für alle Verkehrsteilnehmer nicht schlechter wurden und das Projektziel, die Emissionen zu senken, erreicht werden konnte. Im Besonderen konnten die Wartezeiten für den ÖPNV deutlich reduziert werden.“

Bis zu 50 Störungen pro Ampel am Tag

Gleichwohl habe es Schwächen bei der Kommunikation zwischen den Ampeln und dem Algorithmus gegeben, räumte Trächtler ein. Bis zu 50 Störungen pro Ampel habe es am Tag gegeben. Auch die Latenz von sieben Sekunden bei der Datenübertragung sei zu lang. „Wir müssen die Latenzen verringern und die Kommunikation verbessern“, betonte der Leiter des Instituts. Er schlug eine einjähriges Simulation vor, um noch aussagekräftigere Ergebnisse zu erhalten.

Zufrieden zeigte sich auch die Verwaltung. „Es galt, etwas zu erforschen, was es bislang nicht gab“, sagte die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke. Das sei geschehen und der Fördergeber habe keine Beanstandungen geäußert. Von den 2,3 Millionen Euro, die in das Pilotprojekt geflossen sind, stammten 1,75 Millionen vom Land. Warnecke verwies auf einen personellen Engpass bei der Betreuung des Projekts und blickte bereits auf das nächste: „Dieses Projekt ist abgeschlossen, es wird noch einen Bericht für den Fördergeber geben. Für uns geht es mit mehr Manpower an anderer Stelle weiter.“ Dabei gehe es zum Beispiel um autonomes Fahren.

Markus Mertens wunderte sich am Mittwoch über Trächtlers Erfolgsbericht. Im Bezirksausschuss Schloß Neuhaus/Sande habe das Heinz-Nixdorf-Institut den Eindruck erweckt, „mit dem Latein am Ende zu sein“. In der Politik gebe es schon die Erwartungshaltung, dass es bei dem Projekt deutlich vorangehe und etwas bewirkt werde. Ulrich Koch sagte für die SPD: „Es ist enttäuschend. Wir haben uns alle davon mehr versprochen. “ Ohne die erforderlichen technischen Voraussetzungen sei Digitalisierung kein Allheilmittel. Gerhard Todt stellte für die Linksfraktion fest: „Das Geld ist mit überschaubarem Ergebnis ausgegeben.“

Florian Rittmeier von den Grünen sieht jetzt die Hersteller der nötigen Technik am Zug. Das Pilotprojekt sei aber nur ein Baustein bei der Lösung der Verkehrsprobleme. „Das Wunschergebnis ist nicht erreicht worden“, sagte Alexander Lex von der AfD. Er schlug vor, dass das Heinz-Nixdorf-Institut Mitarbeiter der Stadt schult, um bei dem Projekt weiterzukommen. 

Ein Kommentar von Dietmar Kemper

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