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Maikundgebung Paderborn: Gewerkschaften setzen mehr als 300 Teilnehmern auch ein Zeichen gegen den Krieg

„Schon immer eine Friedensbewegung“

Paderborn

Unter dem Motto „GeMAInsam Zukunft gestalten“ haben am Tag der Arbeit rund 300 Menschen an der DGB-Mai-Kundgebung sowie dem Demonstrationszug in Paderborn teilgenommen. Auch ein anschließendes Familienfest war in diesem Jahr wieder möglich.

Von Christopher Müller

Die Jugend vorneweg: Erstmals seit Pandemiebeginn konnte am Tag der Arbeit wieder eine Demo durch Paderborn ziehen. Foto: Christopher Müller

Gemeinsam protestierten die Gewerkschaften für mehr Ausbildungsplätze und bessere Bezahlung, aber auch der Krieg in der Ukraine stand im Fokus der Veranstaltung. Die Mairede hielt in diesem Jahr Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW.

Zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie schlängelte sich in diesem Jahr wieder der traditionelle Demonstrationszug durch die Paderborner Innenstadt, an dem sich viele Gewerkschaften beteiligten. „Es ist immer wichtig ein Zeichen zu setzen, für sichere Arbeitsplätze, gute Bezahlung und in diesem Jahr vor allem für Frieden in Europa“, freut sich Klaus Koch, Mitglied der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft über die Rückkehr zur Normalität. Dem stimmt auch Rudolf Bücker, Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes Hochstift Paderborn zu: „Wir waren schon immer eine Friedensbewegung.“

Themen wie bezahlbarer Wohnraum und die steigende Inflation standen auch beim Arbeitnehmerem­pfang des Bürgermeisters am Samstag im Mittelpunkt, der die Maikundgebung vor dem Theodorianum am Sonntag eröffnete.

Knut Giesler: Hauptredner bei der Maikundgebung in Paderborn. Foto: Christopher Müller

In seiner Ansprache dankte Paderborns Bürgermeister Michael Dreier den Menschen für ihre Arbeit: „Die Pandemie sowie die Folgen des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine – das sind Herausforderungen, die wir nur gemeinsam meistern können.“ Auch sprach er Investitionen der Stadt für bezahlbaren Wohnraum an, der beispielsweise auf dem Gelände der ehemaligen Alanbrooke-Kaserne entstehen soll.

Die Jugend führt Demonstration an

Dass in diesem Jahr alles etwas anders ist, wurde auch dadurch sichtbar, dass die Jugend im besonderen Fokus der Kundgebung stand. So gingen Vertreter der DGB sowie IG Metall Jugend bereits beim Demons­trationsmarsch vorweg und übernahmen spontan die Eröffnung der Kundgebung. Zu ihren Forderungen gehörten, duale Ausbildungen attraktiver zu machen sowie fairere Konditionen für Auszubildende. Sie appellierten: „Geht bei den Landtagswahlen wählen und setzt ein Zeichen für uns und gegen rechts.“

Krieg gegen die Ukraine verurteilt

Ähnlich politisch wurde auch Hauptredner Knut Giesler: „Wir verurteilen den brutalen Angriffskrieg aufs Schärfste und der Krieg zeigt wie verletzlich unsere Wirtschaft ist.“ Die Sanktionen zu ertragen sei solidarisch gegenüber der Ukraine, dennoch müsse die Politik helfen, zum Beispiel mit einem Gaspreisdeckel. „Solidarität in diesen Zeiten, das geht nicht nur auf den Rücken der Arbeitnehmer.“ Man müsse sich in der Energiepolitik von anderen Ländern unabhängig machen. Ein Embargo sei laut Giesler aber keine Lösung. Zum Ende seiner Rede wünschte sich der Bezirksleiter der IG Metall NRW noch eine mutigere Politik, lobte die Solidarität der Gewerkschaften gegenüber der Ukraine und sprach die bevorstehenden Landtagswahlen an: „Es gibt keinen Grund für einen Gewerkschafter, die AfD zu wählen. Das ist keine ‚Politik des kleinen Mannes‘, im Gegenteil!“. Stattdessen müsse man mehr miteinander sprechen und versuchen, einander zu verstehen.

Bevor die Kundgebung nach weiteren Ansprachen von Vertretern von Verdi und der IG Metall Paderborn enden sollte, übernahm Bürgermeister Dreier noch einmal das Wort und lobte die „unglaublich hohe Hilfsbereitschaft“ der Region gegenüber den Menschen aus der Ukraine.

Familienfest nach der Demo

Anschließend folgte das Familienfest, das durch die Musikband „Touch of Sound“ begleitet wurde. „Es ist schön hier wieder die Möglichkeit zu haben sich mit Kollegen von anderen Gewerkschaften auszutauschen“, freut sich Klaus Koch. Auch Rudolf Bücker zieht ein positives Fazit: „Natürlich war dieses Jahr vieles anders als sonst, aber es ist alles gut gelaufen und wir konnten zeigen: Egal vor welchen Herausforderungen wir stehen, wir kriegen das nur gemeinsam hin.“

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