1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. Schule ist auf den Hund gekommen

  8. >

Mit Buddy macht das Lernen am Kaukenberg mindestens doppelt so viel Spaß

Schule ist auf den Hund gekommen

Paderborn (WB). Studiert hat der neue Kollege an der Grundschule Kaukenberg nicht, trotzdem erntet er regelmäßig bewundernde Blicke für sein pädagogisches Geschick. Er ist immerhin an der Schule groß geworden und sein Name ist Programm. Schulhund »Buddy« hat die Herzen von Schülern, Lehrern und Mitarbeitern im Sturm erobert.

Maike Stahl

Schmusezeit: Im Förderunterricht von Katy Fahnenschreiber ist Schulhund Buddy zur großen Freude der Kinder regelmäßig dabei. Foto: Jörn Hannemann

»Die Atmosphäre an der Schule hat sich durch Buddy geändert, der Umgang miteinander ist freundlicher und entspannter geworden«, berichtet Nils Becker, Schulleiter und Herrchen von Buddy. »Selbst Kollegen, die sich morgens erst mit dem Tag anfreunden müssen, begrüßen Buddy hocherfreut, wenn sie reinkommen. Er macht gute Laune.«

Nils Becker und seine Frau sind Hundemenschen. Als Buddys Vorgänger starb, wollten sie eigentlich eine Hundepause einlegen, doch der jüngste Sohn war dagegen. »Ich hatte mich aus Interesse vorher schon mal mit Schulhundkonzepten und tiergestützter Pädagogik befasst, da lag es nahe, beides zu verbinden«, erzählt Becker. Schon bei der Auswahl des Hundes achtete er darauf, dass er nicht zu groß ist, helles Fell hat und wenig davon verliert. So ist er auf einen Cavalonka gekommen, eine Mischung aus Cavalier King Charles Spaniel und Bolonka Zwetna, die nicht haart.

Buddy hat den Schulalltag schon als Welpe kennengelernt

Seit seiner Welpenzeit begleitet der anderthalbjährige Buddy sein Herrchen in die Grundschule. »Er sollte den Schulalltag mit allen Geräuschen und den vielen Menschen direkt kennenlernen.« Buddy fühlte sich direkt wohl und eroberte selbst das Herz einer Kollegin, die bis dahin einen großen Bogen um Hunde gemacht hat. In die Klassen durfte der Schulhund zunächst zusammen mit Nils Becker, der ihn allen Schülern vorstellte, und ihnen die Regeln im Umgang mit dem Hund vermittelte. »Dazu gehört es, leise zu sein, langsam zu gehen, die Taschen geschlossen zu halten und nichts auf dem Boden liegen zu lassen«, erzählt er. »Es war faszinierend, wie das gewirkt hat. Den Schülern ist es unglaublich wichtig, dass Buddy zu ihnen kommen darf.«

Schulhund hilft Ängste und Vorurteile zu besiegen

Auch das ist nicht selbstverständlich. Denn die Grundschule Kaukenberg besuchen Schüler vieler Nationalitäten, darunter auch etliche, die Angst vor Hunden haben, da diese in ihren Herkunftsländern als Streuner einen schlechten Ruf genießen. »Wenn wir merken, dass die Anwesenheit von Buddy für ein Kind extrem problematisch ist, nehmen wir ihn aus dieser Lerngruppe raus«, berichtet Becker. Das sei in einem Fall nötig gewesen. »Ein paar Monate später hat sich das Mädchen dann selbst gemeldet und gesagt, sie wolle Buddy doch einmal streicheln.« Das Selbstbewusstsein, das der Schulhund den Kindern vermittelt ist, aber nur ein Aspekt. Katy Fahnenschreiber, die Buddy regelmäßig mit in ihre Fördergruppen nimmt, ist beeindruckt davon, wie schnell er die Gemütslage der Kinder erfasst. »Er legt genau demjenigen den Kopf auf den Schoß, um gekrault zu werden, der diese Zuneigung gerade besonders dringend braucht.«

Förderunterricht ist deutlich beliebter geworden

War Förderunterricht früher eher unbeliebt bei den Schülern, stehen jetzt schon alle aufgeregt vor der Tür, wenn Katy Fahnenschreiber mit Buddy eintrifft. »Buddy selbst ist aber mindestens genauso aufgeregt«, sagt sie lachend. »Wenn ich mal erst noch was kopieren muss, stupst er mich schon ungeduldig an, weil er los will.« Wer Buddy mitnimmt, ist im Schulhund-Konzept genau geregelt. Neben Katy Fahnenschreiber, sind das die ebenfalls hundeerfahrene Klassenlehrerin Jeanette Lehnhart und Tanja Borghoff, die die schulbezogene Sozialarbeit leistet. »Auch sie ist begeistert. Wenn sie mit Kindern, die große Schwierigkeiten haben, und Buddy spazierengeht, ist das Eis schnell gebrochen«, berichtet Becker. Neuester Hit an der Schule: Ein Fotomemory-Spiel mit Buddy-Motiven. »Obwohl die Motive teilweise sehr ähnlich sind, fällt das den Kindern leichter als das andere.« Liebe macht’s möglich.

Kommentar

Buddy ist ein echter Kumpel: Er hat immer ein offenes Ohr, lädt mit seinem wuscheligen Fell zum Knuddeln ein und zaubert so manches Lächeln in die Gesichter von Schülern, Lehrern und Mitarbeitern an der Grundschule Kaukenberg. Ganz nebenbei lernen die Kinder viel über Verantwortung und Vertrauen. Buddy baut Brücken, und zwar gerade auch da, wo es besonders nötig ist – wo verschiedene Kulturen aufeinanderprallen, sprachliche Barrieren bestehen und manche Kinder in einem Umfeld aufwachsen, das es ihnen schwer macht, sich auf die Schule zu konzentrieren. Mit Buddy macht die Schule einfach mehr Spaß – nicht nur den Schülern. Nun ist es natürlich nicht damit getan, einfach den Hund mitzubringen, aber ein gutes Konzept, wie an der Grundschule Kaukenberg, ist absolut nachahmenswert. Maike Stahl

Startseite
ANZEIGE