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Warenhaus „Traumland“ verzeichnet mehr Kunden

Second-Hand in Paderborn gefragt

Paderborn

Ein großer Holztisch für 495 statt 1200 Euro, ein Boxspringbett für 300 statt 800 und Brettspiele für 4 statt 30 Euro. Im Second-Hand-Warenhaus „Traumland“ in Paderborn können auch Menschen mit schmalem Geldbeutel sich Wünsche erfüllen. Und es kommen immer mehr. 

Von Dietmar Kemper

Sofas, Schränke, Schalen und vieles mehr: Andreas Schefer und Bärbel Burcheri bieten den Kunden im „Traumland“ Auswahl und kleine Preise. Foto: Dietmar Kemper

„Die Nachfrage hat eindeutig zugelegt, man merkt, dass den Kunden das Geld nicht mehr so locker sitzt“, hat Andreas Schefer festgestellt. Er leitet das Warenhaus der Evangelischen Perthes-Stiftung, die solche Einrichtungen auch in Arnsberg, Hamm, Lüdenscheid, Münster und Soest betreibt. Das Besondere: Die Second-Hand-Warenhäuser sind nicht nur eine Chance für die Kunden, günstig einzukaufen, sondern auch für die Mitarbeiter, eine sinnstiftende Tätigkeit zu finden.

„Wir arbeiten ausschließlich mit Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten und bieten ihnen entweder Arbeitsgelegenheiten oder Arbeitsverträge von bis zu fünf Jahren Dauer an“, erläutert Andreas Schefer. Denen, die aus der Langzeitarbeitslosigkeit kommen, gebe man eine Tagesstruktur, vermittle ihnen praktische Kenntnisse beispielsweise durch die Arbeit mit  Holz und Metall und fördere die kognitiven Fähigkeiten.

Dementsprechend wird im „Traumland “ geklebt, geschraubt, gehämmert und gebohrt. Die Mitarbeiter ersetzen die gerissene Bespannung eines Sofas, reparieren oder tauschen Kunststofffüße, bauen ganze Schränke auf, sortieren gespendete Kleidung, kontrollieren Geschirr und arrangieren die Gegenstände des Second-Hand-Warenhauses so, dass sie auf die Kunden einladend wirken. 

Mitarbeiter steigern ihr Selbstvertrauen

Das steigere das Selbstwertgefühl enorm, betont die Sozialarbeiterin Bärbel Burcheri. Nicht selten hätten  die Mitarbeiter mit multiplen Problemen wie  Alkohol, Drogen, einer prekären Wohnsituation oder anderen sozialen Notlagen zu kämpfen. Zur Zeit werde 13 Personen eine Arbeitsgelegenheit (AGH) gegeben, acht besäßen einen vom Jobcenter geförderten mehrjährigen Vertrag nach Paragraph 16e oder 16i des Sozialgesetzbuches II. 2022 wurden demnach sechs Personen wieder in den 1. Arbeitsmarkt gebracht.

Jonathan Geldmacher vom ASP schaut in einer Liste, was die Bürger aus dem Tauschcontainer „Take a Waste“ mit nach Hause genommen haben. Foto: Dietmar Kemper

Davon merken und wissen die Kunden auf der 400 Quadratmeter großen Verkaufsfläche erst einmal nichts. Sie sehen Betten, Schränke, Sofas, Tische, Gläser, Vasen, Teller, Bücher, Spiele, Schuhe und Dekoartikel zum kleinen Preis. Kleine Kratzer oder Farbabweichungen sorgten dafür, dass Kunden ihre Möbel aus dem Möbelhaus reklamierten und zurückgaben. Die Möbelhäuser deklarieren sie vielfach als Müll oder fehlerhaft und geben sie ans „Traumland“ ab. „Wir bedienen uns sowohl auf der Fehler- als auch auf der Müllschiene“, erläutert Andreas Schefer und betont: „Die Sachen bekommen ein zweites Leben. “ Und die Mängel würden die Kunden auf den ersten Blick gar nicht sehen.

Neue Schuhe für 10 statt 140 Euro

Gläser, Bilder,  Regale oder Kinderkleidung werden auch von Privatleuten gespendet oder stammen aus Haushaltsauflösungen. Manchmal sind die Waren ganz neu – so wie die Schuhe in kleinen Größen, die keine Abnehmer fanden. Im „Traumland“ gibt es sie jetzt für 10 statt der ursprünglichen 140 Euro. Nicht selten kommen mehrere hundert Kunden am Tag. Darunter sind aus der Ukraine geflüchtete Familien, die Betten und Spielzeug für ihre Kinder suchen. Vor Weihnachten seien auch Dekoartikel sehr gefragt gewesen, erzählen Andreas Schefer und Bärbel Burchari. Sie beklagen zunehmende Armut: „Es gibt zu viele Menschen, die sehr verdeckt kein Geld haben und nicht in die Öffentlichkeit gehen. “ Durch hohe Inflation und Energiepreise wachse der finanzielle Druck.

Ins „Traumland“ kommen Menschen aus allen Bevölkerungsschichten. Wer vom Staat Sozialleistungen bezieht, erhält eine Kundenkarte, die 20 Prozent Nachlass beschert.  Geöffnet ist montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr. Die Verkaufserlöse fließen in die Perthes-Stiftung und schließen unter anderem die Lücke, die dadurch entsteht, dass die Arbeitsplätze nicht zu 100 Prozent vom Jobcenter finanziert werden.

Mehrere Second-Hand-Warenhäuser in Paderborn

Second-Hand-Warenhäuser gibt es mehrere in Paderborn. Da sind zum Beispiel das Sozialkaufhaus „Lieblingsstücke“ des DRK-Kreisverbandes an der Friedrich-List-Straße, der „Charity-Shop“ der AWO an der Uhlenstraße oder die Paderborner Umweltwerkstatt am Frankfurter Weg. Der ASP stellte im Herbst einen Tauschcontainer auf dem Gelände des Recyclinghofes an der Talle auf. „Take a Waste“ heißt das Angebot,  jetzt wurde ausgewertet, inwieweit es von den Bürgern genutzt wird.

Demnach sind vom 25. September bis 31. Dezember mindestens 1178 Gegenstände entnommen worden. Weil aber nicht alle Personen auf einer Liste eintragen, was sie mit nach Hause nehmen, geht der ASP tatsächlich von der zwei- bis dreifachen Menge aus. Der Bereichsleiter Abfallwirtschaft/Marketing, Jonathan Geldmacher, ist zufrieden: „Das ist auf jeden Fall ein Erfolg. “ Vermehrt komme in den Köpfen der Menschen an, dass nicht immer alles neu sein müsse. Im 2,5 mal drei Meter großen Tauschcontainer seien vor allem Geschirr mit einem Anteil von 23 Prozent und Bücher und Zeitschriften (14 Prozent) gefragt.

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