Herz-Jesu-Kirche beteiligt sich an bundesweiter Aktion

Segnung als Zeichen des Protestes in Paderborn

Paderborn (WB)

Es war ein Protest gegen den Vatikan: In ganz Deutschland wurden am Montagabend Segnungsgottesdienste gefeiert. Dabei wurden auch homosexuelle Paare gesegnet – unter anderem in der Herz-Jesu-Kirche in Paderborn.

Rebecca Borde

Eine Herz-Dekoration auf dem Boden, ein Tuch in Regenbogenfarben auf dem Altar: Pastor Roland Schmitz in der Paderborner Herz-Jesu Kirche. Foto: Oliver Schwabe

Laut Liste der Veranstalter mit dem Hashtag #liebegewinnt war die Paderborner Gemeinde die einzige teilnehmende in Ostwestfalen-Lippe. Hinter der Aktion stehen 16 Initiatoren aus ganz Deutschland, darunter Priester, Diakone und Ehrenamtliche. Sie wollten gegen das Mitte März von Rom ausgegebene Segnungsverbot gleichgeschlechtlicher Paare ein Zeichen setzen.

Trotz der häufigen Bezeichnung als Protestaktion sagt Pastor Roland Schmitz, der den Segen in der Herz-Jesu-Kirche in Paderborn spendete: „Gottesdienste sind nie Protest, sondern Zuneigung. Wir feiern die Liebe und haben jetzt einen besonderen Anlass. Wir geben nur eine Reaktion auf die Aktion der Bischöfe.“ Weiter sagte der Pastor, er finde es „sehr schade, dass die Bischöfe uns in unserem Tun nicht weiter ermutigen. Der kirchliche Lehrstuhl muss im Jahr 2021 ankommen. Die Kirche sollte Toleranz zeigen.“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, hatte sich bereits im Vorfeld gegen die öffentlichen Segnungsgottesdienste ausgesprochen. Sie seien „nicht als Instrument für kirchenpolitische Manifestationen und Protestaktionen geeignet“. Bätzing sagte aber auch: „Selbstverständlich haben Menschen mit homosexueller Orientierung, auch diejenigen, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben, einen Platz in der Kirche. Sie sind uns willkommen.“

In Paderborn ließ sich am Montag ein schwules Paar aus Bad Driburg segnen. Seit 27 Jahren sind die Beiden zusammen. Sie lassen sich bereits zum zweiten Mal in der Herz-Jesu-Kirche segnen – wollen allerdings anonym bleiben. Für sie bedeutet der Segen, Anerkennung zu finden. „Die Kirche steht nicht hinter Schwulen, obwohl wir genauso gläubig sind. Das Bodenpersonal ist dabei aber schon weiter als die Chefetage“, kritisieren sie den Vatikan. Ihnen bereite allerdings auch der Protestcharakter der Segnungen Bauchschmerzen.

Insgesamt registrierte die Aktion „Liebe gewinnt“ 110 Gottesdienste in Deutschland und der Schweiz. Teilweise fanden diese Gottesdienste bereits in den vergangenen Tagen statt. Aus einer spontanen Reaktion auf das Nein des Vatikan zur Segnung homosexueller Paare und einem „Graswurzel“-Impuls sei unerwartet eine große Bewegung hervorgegangen, hieß es. Die Resonanz bei betroffenen Paaren, aber auch aus den Gemeinden sei überwältigend. Katholische Seelsorger haben bei den Gottesdiensten auch schwule und lesbische Paare gesegnet.

Startseite