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Dr. Sven Mecke vom Paderborner Naturkundemuseum an Studie zum Artenschutz beteiligt – neun Arten bereits ausgestorben

Seltene Echsen sind stark bedroht

Paderborn

Geckos, Chamäleons und Leguane – jeder hat schon mal von ihnen gehört. Aber wer kennt schon Skinke oder Glattechsen? Diese Reptilien sind kaum bekannt und dass, obgleich sie mit mehr als 1700 Spezies die artenreichste Gruppe der Echsen sind und auf allen Kontinenten – mit Ausnahme der Antarktis – vorkommen. Eine jüngst veröffentlichte Studie der Weltnaturschutzunion in der Fachzeitschrift „Biological Conservation“, an der sich auch Dr. Sven Mecke vom Naturkundemuseum Paderborn beteiligt hat, untersuchte die Skinke zum ersten Mal aus Sicht des Artenschutzes.

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Riesen-Stachelskinke zählen mit über 60 Zentimeter Länge zu den größten Glatttechsen. Foto: David Clode

Das Ergebnis: Rund 20 Prozent sind stark bedroht und neun Arten bereits ausgestorben. Am stärksten bedroht sind Arten auf Madagaskar und in Mittel- und Südamerika. Die Gründe dafür sind der durch Landwirtschaft verursachte Lebensraumverlust, Waldrodung und ortsfremde, eingeführte Arten.

Mehr als 60 Prozent der Glattechsenarten kommen außerhalb von Schutzgebieten vor. Das macht die Bedrohung noch größer. „Aussterben lassen sollte man die mysteriösen Echsen auf keinen Fall, denn sie halten auch für uns Menschen einiges Nützliches bereit“, weiß Mecke. So ist das Blut mancher Skinke vermutlich als Wirkstoff gegen Krankheiten einsetzbar, die Effizienz ihrer Beinbewegungen ist ein mögliches Vorbild für optimierte Förderprozesse und ihre glänzenden, glatten Schuppen zeigen auch unter extremen Bedingungen kaum Verschleiß und schlagen Glas, Stahl oder Teflon – viel Potenzial für neue Technologien.

„Skinke sind eine erstaunliche Echsengruppe. Sie legen Eier, bringen lebende Junge zur Welt oder schaffen beides gleichzeitig. Manche haben grünes Blut – so wie Commander Spock vom Raumschiff Enterprise. Einige können im Wüstensand schwimmen und atmen, ähnlich wie Fische unter Wasser. Andere haben ihre Beine im Laufe der Evolution – so wie Schlangen – verloren und später wiederentwickelt“, zeigt sich Mecke begeistert.

Sven Mecke vom Naturkundemuseum Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Es werden auch immer wieder neue Skinke entdeckt. So hat Mecke bereits drei Arten aus Australien – dem Kontinent, auf dem die meisten Arten vorkommen – wissenschaftlich beschrieben. Eine Art, die er auf den Namen Eremiascincus rubiginosus getauft hat, was so viel wie „rostfarbener Wüstenskink“ bedeutet, kommt nur in der Pilbara-Region im Nordwesten Australiens vor. „Auch diese Art hat ein kleines Verbreitungsgebiet, das sich auf eine durch Bergbau geprägte Region erstreckt“, erklärt Mecke. Skinke zu erforschen – die bei uns in Deutschland übrigens nicht vorkommen – ist gar nicht so einfach. Die Tiere sind scheu und meist ausgesprochen schnell – auch dann, wenn sie keine Beine haben.

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