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Schwere Zeiten für Brautmode: Paderbornerin Loreen Lange kritisiert Wettbewerbsverzerrungen

„So wie es jetzt läuft, ist es nicht fair“

Paderborn

Was würde eine Braut nicht alles für das perfekte Kleid geben? „Manche würden bis nach Berlin fahren, damit sie auch jetzt in ihrem Traumkleid heiraten können“, weiß Loreen Lange, Inhaberin von „BeccaLoreen Beauty and Bride“ in der Westernstraße in Paderborn. Und das hat einen Grund.

Rebecca Borde

Beim Anblick ihrer Brautkleider strahlt Loreen Lange. Doch die Corona-Beschränkungen verderben der jungen Unternehmerin derzeit das Geschäft. Foto: Rebecca Borde

Denn anders als für Nordrhein-Westfalen gilt in Berlin und Brandenburg eine Sonderreglung, die Brautmodegeschäften eine Beratung vor Ort ermöglicht und so den Verkauf trotz der Corona-Pandemie erleichtert. „Unsere Branche lebt vor allem von der Beratung und den Anproben im Geschäft. So etwas ist uns aber aktuell nicht erlaubt, obwohl wir die Möglichkeiten haben, eine Beratung coronakonform durchzuführen“, sagt Loreen Lange.

Weil derartige Reglungen allerdings von der Landes- und nicht von der Bundesregierung beschlossen werden, verkaufen die Einzelhändler ihre Brautmode unter unterschiedlichen Bedingungen. Für Loreen Lange ist das Wettbewerbsverzerrung. „So wie es jetzt läuft, ist es einfach nicht fair“, findet sie.

Die 28-Jährige hatte sich bereits vor vier Jahren mit ihrer Schwester Rebecca Schmitz selbstständig gemacht und führt seither ihr Geschäft in der Paderborner Innenstadt. Mit einem achtköpfigen Team werden bei „BeccaLoreen Beauty and Bride“ Brautkleider sowie Accessoires verkauft. An einem normalen Samstag, bevor es die Pandemie gab, habe es bis zu zehn Beratungstermine gegeben, erinnert sich Loreen Lange, doch aktuell bleiben die Türen des Geschäfts geschlossen. Für ihre Mitarbeiter musste die gebürtige Paderbornerin Kurzarbeit beantragen. Entlassungen habe es Gott sei Dank keine gegeben.

Dennoch ist die Situation schwierig: „Zum Glück haben wir einige Rücklagen. Aber wir sind auch mit bis zu 300 Brautmodegeschäften aus ganz Deutschland in Kontakt. Diejenigen, die noch nicht so lange in der Branche tätig sind, haben so etwas nicht und beklagen, dass sie schließen müssen, weil ihnen das Geld ausgeht.“ Die Situation sei katastrophal, findet Loreen Lange. Deshalb fordert sie gleiches Recht für alle, denn die „Eins-zu-eins“-Betreuung, die per Sonderreglung in den Ländern Berlin und Brandenburg möglich ist, solle ihrer Meinung nach für alle Länder gelten.

„Wir gönnen es denen, die beraten dürfen, von Herzen. Momentan gibt es in unserer Branche Solidarität statt Konkurrenzdenken und wir versuchen einander zu helfen“, sagt die 28-Jährige. Daher appelliert sie nun an die Politiker: „Worten müssen Taten folgen. Wir haben den Platz, um einen sicheren Abstand bei Beratungen zu gewährleisten und möchten wieder arbeiten.“

Finanziell bleibt die Lage eine große Herausforderung. Nach eigenen Einschätzungen meint Loreen Lange: „Trotz staatlicher Finanzhilfe und wenn die aktuellen Beschränkungen unverändert bleiben, kann der Laden vielleicht noch ein paar Monate bestehen.“ Denn ohne die Möglichkeit zur Beratung seien die Einnahmen zu gering, um das Geschäft auf Dauer finanzieren zu können.

Heiraten in Paderborn in Corona-Zeiten

647 Eheschließungen gab es im vergangenen Jahr in Paderborn, das sind 56 weniger als 2019. Im Juli fanden nach Angaben von Monika Vahle vom Paderborner Standesamt mit 95 Eheschließungen sogar mehr Trauungen als in den Vorjahren statt. Die Hochzeiten im März wurden im Schloss in Schloß Neuhaus vor dem Lockdown im üblichen Rahmen gefeiert. Nach dem Lockdown wurden die Eheschließungen im April vom Schloss ins Rathaus verlegt.

Im Rathaus konnten dann außer dem Brautpaar lediglich zehn weitere Gäste teilnehmen. Nach den Lockerungen konnten die Eheschließungen dann im Sommer wieder im Schloss unter Beachtung der Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen mit 20 Gästen stattfinden. Die Termine im Schloss sind für dieses Jahr komplett ausgebucht.

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