1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. Städtischer Musikverein Paderborn: Neubeginn mit „Carmina Burana“

  8. >

Erstes Chorsinfoniekonzert in der Paderhalle nach der Pandemie-Pause

Städtischer Musikverein Paderborn: Neubeginn mit „Carmina Burana“

Paderborn

Zum ersten vielversprechenden Konzert des Städtischen Musikvereins nach Jahren der zwangsläufigen Corona-Abstinenz war die Paderhalle vollends ausgebucht. Die Entscheidung, mit Carl Orffs „Carmina Burana“ einen Neubeginn zu starten, war sicherlich auch symbolisch gedacht, geht es in dem Werk doch ebenso symbolträchtig um die wechselhaften Schicksalsmomente des Lebens wie auch generell um das Wiederaufleben im Frühling.

Von Hermann Knaup

Chöre und Mitglieder der Nordwestdeutschen Philharmonie führen in der Paderhalle Orffs „Carmina Burana“ auf. Foto: Hermann Knaup

1803 wurden im Kloster Benediktbeuren mehr als 200 zumeist weltliche Texte in lateinischer, teils französischer und in mittelhochdeutscher Sprache entdeckt, die Johann Andreas Schmeller 1847 als die „Carmina Burana“ (Lieder aus Beuren) publizierte. Die mittelalterlichen Texte (13. Jh.), überwiegend von Mönchen und fahrenden Sängern verfasst, sind thematisch verschieden: humoristisch, derb, fröhlich wie leidvoll, dekadent und frivol, heidnisch wie auch christlich, ironisch oder zählen zur Liebeslyrik. Wie im wirklichen Leben!

Carl Orff vertonte 25 dieser Texte unter dem Titel „Carmina Burana“: Weltliche Gesänge für Sänger und Chöre, begleitet von Instrumenten und magischen Bildern. Orff selbst hat seinem Werk keinen formalen Gattungsbegriff zugeordnet, dennoch könnte man vage von einer weltlichen Kantate sprechen. In der Pader­hallen-Aufführung hatten die Veranstalter im Sinne der „magischen Bilder“ eindrucksvoll interpretierende Werke des Grafikers Karsten Schwenzfeier in den Chor-Hintergrund projiziert. Dazu gehörten auch wiederholt Darstellungen des mittelalterlichen Rades als Symbol der Schicksalsgöttin, der „Fortuna imperatrix mundi“ (Fortuna, Herrscherin der Welt).

Hyewon JU (Sopran) singt das Tempus est iocundum. Foto: Hermann Knaup

Mehr als 100 Sängerinnen und Sänger trugen zu einer ungekürzten, mitreißenden Aufführung unter der sicher orientierenden Leitung von Marbot Kaiser bei: Hyewon Yu (Sopran), Hugo Mallet (Tenor) und Jakob Kunath (Bariton) als die Gesangssolisten des Konzertes, als Chöre wirkten mit der Städtische Musikverein Paderborn (Einstudierung Marbot Kaiser), der gemischte Chor „musica vocalis“ Bad Salzuflen (Einstudierung Burkhard Schmidt), der Kinder- und Jugendchor des Städtischen Musikvereins Paderborn sowie die Chor-AG Scharmede der Kreismusikschule Paderborn (beide unter Einstudierung von Regine Neumüller), die Kultur-und-Schule-Gruppe der Concordiaschule Bad Lippspringe (Einstudierung Bettina Verges) sowie die Nordwestdeutsche Philharmonie.

Angesichts der langwierigen Pandemieeinschränkungen hatte die Chorkon­stellation in der Projektformation einen erfolgreichen Weg gefunden, den hohen Besetzungsanforderungen des Werkes gerecht zu werden. Allen Sängerinnen und Sängern in den Chören gebührt daher für ihr großes Engagement sowie für das exzellent gelungene Konzert großer Respekt.

Die Kinder und Jugendlichen singen von der Tribüne der Paderhalle aus. Foto: Hermann Knaup

Ein besonderes Dankeschön gilt den Kindern und Jugendlichen, die mit ihrem hervorragend einstudierten Konzertbeitrag beim Publikum begeisterte Reaktionen auslösten. Hier bestätigte sich: die beste musikalische Ausbildung besteht im aktiven Musizieren, wozu sich im Paderborner Bereich für Kinder und Jugendliche gute Möglichkeiten anbieten. Auch die drei Gesangssolisten trugen maßgeblich zum Gelingen des Konzertes bei. Immerhin mussten sie manche stimm-akrobatische Leistungen meistern.

Herrlich groteske Stimmfärbung

Hugo Mallet (Tenor) simulierte den lamentierenden Gesang des gebratenen Schwanes mit herrlich grotesker Stimmfärbung. Jakob Kunath hatte mit seinem flexiblen Bariton ebenso manche Variante im Stimmkolorit zu meistern. Hyewon Yu überzeugte selbst in hohen Lagen mit ihrer sicheren und kraftvollen Sopranstimme. Zur Stütze der komplexen, rhythmischen Passagen trugen maßgeblich auch die professionellen Musiker der bewährten Nordwestdeutschen Philharmonie bei. Für ein gelungenes Konzertereignis dankten die Zuhörer stehend mit stürmischem und jubelndem Applaus.

Startseite
ANZEIGE