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Uni Paderborn plant bis Ende 2022 den Bau des „Akzelerator OWL“

Start-up-Szene erhält Campus

Paderborn

Wenn der Wirtschaftswissenschaftler Sebastian Vogt in Vorlesungen fragt, wer von den Studenten ein Unternehmen gründen wolle, heben im Schnitt nur drei von 100 ihre Hand. „Start-ups zu gründen, ist zwar hipp, aber weiter die Ausnahme“, sagt Vogt, der das Technologietransfer- und Existenzgründungs-Center der Universität Paderborn (TecUP) leitet.

Dietmar Kemper

Prof. Dr. Sebastian Vogt will junge Leute auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit fördern. Foto: Oliver Schwabe

Dessen Aufgabe ist es, diejenigen jungen Frauen und Männer mit dem nötigen Wissen auszustatten, die sich mit einem Produkt oder einer Dienstleistung selbstständig machen wollen.

Sogenannte Ausgründungen zu fördern, ist eine der Aufgaben der Universität. Zum wichtigsten Instrument soll das Projekt „Akzelerator OWL“ werden, der bis Ende 2022 auf dem Gelände der Barker-Kaserne in Paderborn entstehen und zu einem Start-up-Campus OWL werden soll. „Die Garage33 wird in den Akzelerator übergehen und dort hinziehen“, berichtet Sebastian Vogt. Der Name „Garage33“ hat in Paderborn einen guten Klang und steht für die professionelle Hilfe für Start-ups – von der Idee bis zum Markteintritt.

Die von dem TecUP betreute Garage33 nahm 2017 im Technologiepark ihren Betrieb auf und verfünffachte ihre Fläche in den vergangenen drei Jahren auf 2000 Quadratmeter. Zur Zeit werden dort 50 Start-ups betreut.

Als Geburtshelfer fungieren die sechs Gründungscoaches von TecUP. Nicht jede Idee ist erfolgversprechend, aber einige sind es schon. Etwa 20 Ausgründungen verzeichne die nach Ostwestfalens Postleitzahl und der Autobahn – die die Ideen in die Welt tragen soll – benannte Garage33 jedes Jahr, berichtet Sebastian Vogt. Fünf würden auf Anhieb einschlagen, 15 könnten mittelfristig überleben.

Auf diese Weise entstehen neue Arbeitsplätze – 300 waren es in den vergangenen drei Jahren in der Garage33 durch Ausgründungen.

Hier befindet sich die Garage33. Das Start-up-Projekt läuft erfolgreich, eine Erweiterung ist daher nötig. Foto: Oliver Schwabe

Zu den erfolgreichen Beispielen gehören das Start-up VanSite, das Campern private Stellplätze vermittelt, sowie das Start-up Cargoboard, das eine digitale Logistikplattform entwickelt hat.

All das, was bisher in der Garage33 passiert – also Sensibilisierung, Qualifizierung und Coaching – wird bald auch im Akzelerator OWL praktiziert. Allerdings auf sehr viel mehr Quadratmetern und mit einer wichtigen Veränderung: „Neu wird der Makers Space sein. Das heißt: In einer 1000 Quadratmeter großen Halle können Gründer Prototypen herstellen“, kündigt Vogt an.

Bislang hätten Gründer in der Region das Problem gehabt, dass sie ihre Innovationen nicht präsentieren oder testen konnten. „Mit dem Makers Space entsteht eine Art Sandkasten mit Maschinen, so dass Innovationen dort erprobt und vorgeführt werden können“, schwärmt der Wirtschaftswissenschaftler schon jetzt.

Der Akzelerator OWL werde eine Bruttonutzfläche von etwa 7000 Quadratmetern haben und einen „physischen Leuchtturm“ für die Gründerszene darstellen.

Der Experte denkt über Paderborn hinaus: „Wir haben den Anspruch, für ganz OWL da zu sein, und wir schaffen das durch die Anbindung an andere Hochschulen“, sagt Vogt. Konkret gehören die Fachhochschule Bielefeld und die Technische Hochschule OWL in Lemgo zu den Kooperationspartnern beim Akzelerator.

Das Geld für das Sprungbrett für Start-ups stammt aus dem landesweiten Projekt „Regionale 2022“, mit dem die Landesregierung die Region Ostwestfalen-Lippe weiterentwickeln will. Rund 20 Millionen Euro stehen für das Projekt Akzelerator OWL bereit. Damit nicht genug. Neben dem Bauvorhaben konnte sich das TecUP zudem im Landesprogramm „Exzellenz-Start-up-Center“ durchsetzen und weitere 20 Millionen Euro für den Ausbau der ostwestfälischen Gründerszene einwerben.

Ein zukunftsweisendes Projekt

Bauherr des Akzelerator OWL ist die Universität Paderborn, die bei dem zukunftsweisenden Projekt eng mit der Stadt Paderborn, der hiesigen Wirtschaftsförderung und der IHK Ostwestfalen zusammenarbeitet. Im nächsten Schritt soll ein Generalunternehmer für das Bauvorhaben gefunden werden, sagt Sebastian Vogt. Der gebürtige Paderborner hat in Gießen studiert und promoviert, selbst ein Start-up aufgebaut und nach ein paar Jahren wieder verkauft. Seit 2016 arbeitet er an der Universität Paderborn. Der 36-Jährige betont: „Wenn wir den Mittelständlern bei der Digitalisierung helfen und Ausgründungen fördern, die interessante Jobs schaffen, machen wir die Region attraktiver.“

Das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie startete 2018 einen gleichnamigen Förderwettbewerb, um die „herausragende Bedeutung von Start-ups für den Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen“ hervorzuheben und die Universitäten zu befähigen, noch mehr Hilfestellung geben zu können. 13 Hochschulen bewarben sich, sechs wählte die Landesregierung aus, darunter die Universität Paderborn.

Alle sechs Hochschulen bekommen bis Ende 2024 insgesamt 150 Millionen Euro und sollen mit dem Geld bereits bestehende universitäre Gründungsnetzwerke ausbauen. Das Exzellenzprogramm finanziere das Personal und liefere somit die Musik, um die Aktivitäten zu befördern, der Akzelerator OWL hingegen werde ihnen die Bühne bereiten, wählt Sebastian Vogt ein Bild aus der Welt der Kultur.

Paderborn bietet für Existenzgründer somit ein ideales Umfeld: Die Infrastruktur mit Universität, Fraunhofer-Institut, Heinz-Nixdorf-Institut, den „Zukunftsmeilen“ am Fürstenweg, dem Netzwerk „It’s OWL“ und der Stadt als digitaler Modellkommune ist schon jetzt beeindruckend. Im Zuge des Exzellenzprogramms ist die Universität Paderborn gerade dabei, in jeder Fakultät einen Gründungsbotschafter einzu­richten.

„Wir haben mit der Garage33 ins Schwarze getroffen, aber wir heben noch lange nicht alle Potenziale, die in den Universitäten vorhanden sind“, ist Sebastian Vogt überzeugt. Zusammen mit Rüdiger Kabst, dem wissenschaftlichen Leiter des TecUP und den 30 Mitarbeitern des TecUP betreut Vogt jedes Jahr im Schnitt 600 Studenten. Fast alle Ausgründungen aus der „Universität der Informationsgesellschaft“ entfallen auf den IT-Bereich.

So soll der Akzelerator OWL einmal aussehen. Diese Simulation ist von den Architekten und Planern agn Niederberghaus und Partner. Foto: agn
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