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Amtsgericht Paderborn verurteilt 21-jährigen Mann aus Witten

Student mixt Sprengstoff: vier Monate Haft auf Bewährung

Paderborn (WB). Das Amtsgericht Paderborn hat am Dienstag einen Studenten zu vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Er hatte Chemikalien zu gefährlichem Sprengstoff zusammengemixt und in seiner Wohnung aufbewahrt.

Ulrich Pfaff

Der Student musste sich am Dienstag vor dem Amtsgericht in Paderborn verantworten. Foto: dpa

Chemie sei seine Leidenschaft, da sei doch klar, dass er zu Hause Experimente nachstelle. Das sei ja auch im Sinne der Dozenten. Das sagte der 21-Jährige, der durchaus von sich selbst überzeugt zu sein schien, im Prozess.

Schon zwei Jahre vorher ein Verdacht

Das Amtsgericht verhandelte gegen den Wittener, der in Paderborn Chemie studierte – bis die Polizei im vergangenen August nach einem Tipp in seiner Wohnung nachschaute, was er dort aufbewahrte. Denn es gab schon zwei Jahre vorher den Verdacht, dass der damalige Abiturient es an seinem Gymnasium in Herdecke ein paar Mal hatte krachen lassen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Ermittler fanden in der Wohnung liter- und kiloweise chemische Grundsubstanzen, die sich zu Sprengstoffen zusammenmischen lassen. Gelagert in Tüten, Flaschen, Kanistern und Dosen. Alles in allem eine ziemlich lange Liste. In einem Schuhkarton und in Plastikbechern befanden sich fertige explosive Gemische, so brisant, dass allein schon der Transport zu gefährlich war – zwei der Gebinde mussten in der Nähe der Wohnung per Explosion vernichtet werden.

Chemie-Tüftler versucht, sich herauszureden

Auf der Anklagebank versuchte der leidenschaftliche Chemie-Tüftler , sich aus der Sache herauszureden. Ja, er habe die Stoffe bei sich gelagert, das sei fahrlässig gewesen. Aber er habe den Sprengstoff nicht hergestellt. Das müsse jemand gewesen sein, der ihm habe schaden wollen. Er selbst hätte gerne das Schloss an seiner Wohnungstür ausgetauscht, weil er nicht wisse, wer alles eine Schlüssel gehabt habe. Nur die Vermieterin habe das nicht erlaubt. Immerhin: Der Student entschuldigte sich zwei Mal bei der 70-Jährigen – die fühlt sich noch heute in ihrem Haus nicht mehr sicher.

Polizeiaktion hatte wohl keine ausreichende Wirkung

Allerdings hatte die Polizeiaktion für den 21-Jährigen wohl noch keine ausreichend abschreckende Wirkung: Im Oktober verdingte er sich als Praktikant bei einer Firma, die in Steinbrüchen Sprengungen durchführt. Er versuchte, eine Sprengschnur mit 800 Gramm Nitropenta zu stehlen. »Das ist das schärfste Zeug, was wir haben«, sagte der Firmenchef im Zeugenstand. Als die Schnur fehlte, habe er den Praktikanten an einer entfernten Stelle hantieren sehen. Sein Verdacht bestätigte sich: Der 40-Jährige fand dort die Sprengschnur, verborgen unter einem Steinhäufchen.

Die Richterin sprach von Kaltschnäuzigkeit – auch, weil der Student seine Stoffe und Apparate zurückhaben wollte. Er habe ja schließlich die 1000 Euro dafür bezahlt.

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