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Junkers Ju 52 soll in Büren zusammengebaut und ausgestellt werden

„Tante Ju“ bald im Quax-Hangar

Paderborn/Büren (WB). Gute Nachrichten für Freunde von Oldtimer-Flugzeugen: Die weltweit bekannte Junkers Ju 52 der Deutschen-Lufthansa-Berlin-Stiftung, die liebevoll „Tante Ju“ genannt wird, kommt in den Quax-Hangar am Flughafen Paderborn/Lippstadt. Dort soll die Maschine mit dem historischen Kennzeichen ­D-AQUI zusammengebaut und künftig ausgestellt werden.

Matthias Band

Eines der bekanntesten Flugzeuge Deutschlands, die 84 Jahre alte „Tante Ju“ der Deutschen-Lufthansa-Berlin-Stiftung, zieht in den ­Quax-Hangar am Flughafen Paderborn ein, um dort ausgestellt zu ­werden. Foto: Burkhard Jacobfeuerborn/Deutsche-Lufthansa-Berlin-Stiftung

„Für uns ist das ein Meilenstein. Dass die Ikone der Deutschen Luftfahrt zu uns kommt, ist für uns als Verein wie ein Ritterschlag“, sagt Quax-Vereinssprecher Alexander Stendel. Die Quax-Vereinsmitglieder betreiben deutschlandweit an acht Stand­orten zahlreiche Oldtimerflugzeuge und gehen mit ihnen regelmäßig in die Luft. Paderborn ist der größte Quax-Standort.

Zusammenbau dauert mehr als ein jahr

Bereits seit 2019 hat der Quax-Verein eine Messerschmitt Bf 108 und eine Dornier Do27 der Lufthansa-Berlin-Stiftung in seiner Obhut. In den kommenden Wochen soll die zurzeit in Einzelteile zerlegte Ju 52 hinzukommen und mit einem Spezialtransport auf dem Landweg zum Paderborner Flughafen gebracht werden. Aktuell befindet sich die Ju 52 in einem Lufthansa-Lager in Bremen. Nach Angaben des Quax-Vereins hätten die guten Beziehungen zur Lufthansa-Berlin-Stiftung, die weiterhin Eigentümerin der „Tante Ju“ bleibt, dazu geführt, dass die Maschine nun in den Kreis Paderborn kommt. „Wir freuen uns riesig, dass wir das in uns gesetzte Vertrauen offenbar erfüllen konnten“, sagt Stendel. Der Verein geht davon aus, dass es mehr als ein Jahr dauern wird, bis das Flugzeug wieder zusammengebaut ist. Ob die Maschine dann vielleicht auch wieder fliegen wird, sei noch unklar. „Zurzeit steht das nicht zur Diskussion“, erklärt Stendel.

Blick ins Cockpit: An Bord der Ju 52 gibt es weder Computer noch Autopilot. Lediglich Satellitennavigation unterstützte die Piloten im Sichtflugbetrieb. Zwischen ihnen saß immer ein Flugingenieur, der wie früher zum Betrieb der Ju 52 vorgeschrieben war. Er kümmerte sich um die Bedienung der drei Kolbenmotoren. Foto:

Die Ju 52 war schon früher häufiger zu Gast am Flughafen Paderborn – entweder zu Rundflügen oder für das Pilotentraining vor der Saison. Seit 1986 flog sie mehr als 250.000 Rundfluggäste über Deutschland. Fast 11.500 Flugstunden war die Ikone in den mehr als 30 Jahren in Europa unterwegs. Das Flugzeug war immer ein Höhepunkt auf Flugtagen und ist aufgrund seiner Rundflüge in ganz Deutschland bekannt. Vor fünf Jahren war es jedoch zu einem sogenannten Grounding gekommen, die Maschine durfte nicht mehr fliegen, da Schäden am Mittelholm festgestellt wurden. Eine lange und kostspielige Reparatur folgte.

Vor zwei Jahren konnte die Ju 52 den Flugbetrieb wieder aufnehmen. Doch nach dem Absturz einer schweizerischen Ju 52 in den Alpen mit 20 Todesopfern entschloss sich die Lufthansa 2019 dazu, dass die Maschine nicht mehr fliegen sollte. Der finanzielle Zuschuss zum Betrieb der Maschine wurde eingestellt. Somit musste die Stiftung den Flugbetrieb aufgeben.

Lange Zeit in Vergessenheit geraten

Die D-AQUI wurde nach Angaben der Lufthansa-Stiftung 1936 bei den Junkers-Werken in Dessau gebaut. Anfangs als Wasserflugzeug eingesetzt, wurde sie schon nach wenigen Monaten an eine norwegische Fluggesellschaft verkauft. 1940 kehrte sie zur Luft­hansa zurück. Nach Kriegsende wurde sie erneut als Transport- und Passagierflugzeug in Skandinavien eingesetzt. 1955 sollte sie in Norwegen außer Dienst gestellt werden. Zu groß für ein Museum in Oslo, wurde sie nach Südamerika verkauft und flog von 1957 bis 1963 in Ecuador. Dann drohte das Aus. „Am Rande des Flughafens von Quito geriet sie – Wind und Wetter ausgesetzt – in Vergessenheit, bis ein amerikanischer Flugenthusiast sie 1969 erlöste“, steht in der Chronik der Stiftung.

Später war die „Tante Ju“ dann als „Iron Annie“ auf Flugschauen quer durch die USA zu sehen, bevor die Lufthansa sie 1984 erwarb und unter großem Aufwand restaurierte. Von mehr als 4800 gebauten Maschinen soll heute nur noch eine Ju 52 in Frankreich flugtüchtig sein. Möglicherweise könnte aber bald auch eine der drei nach dem Absturz gegroundeten Ju 52 in der Schweiz wieder am Himmel zu sehen sein. Medienberichten zufolge soll die Maschine derzeit modernisiert werden. Und wer weiß, vielleicht darf die Maschine am heimischen Flughafen vielleicht eines Tages auch wieder starten.

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