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Anklage wegen Mordes: Ist der Täter vermindert schuldfähig?

Tödliche Messerstiche: Gutachten liegt vor

Paderborn (WB/itz). Waldemar E. aus Schloß Neuhaus muss sich wegen Mordes vor dem Paderborner Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat am Dienstag mitgeteilt, dass sie Anklage gegen den 60-jährigen Mann erhoben hat. Ihm wird vorgeworfen,am 22. Juni in die Wohnung seines Cousins Alexander K. eingedrungen und diesen im Bett mit einem Messer erstochen zu haben. Das Motiv für die Tat ist weiterhin unklar.

Waldemar E. ist wegen Mordes angeklagt. In dieser Häuserreihe in der Krakostraße in Schloß Neuhaus wurde der 50-jährige Alexander K. umgebracht. Foto: Ingo Schmitz

»Die Staatsanwaltschaft geht von einer verminderten Schuldfähigkeit meines Mandaten aus«, erklärte Richard Uhle, der Verteidiger des Beschuldigten, auf Anfrage dieser Zeitung. Waldemar E. war nach dem Ergebnis einer Blutprobe zur Tatzeit mit mehr als zwei Promille erheblich alkoholisiert. Würde er wegen Mordes verurteilt, stünde eine lebenslange Haft (15 Jahre) im Raum. Bei einer verminderten Schuldfähigkeit, von der offenbar die Staatsanwaltschaft im Moment ausgeht, würde bei einem Schuldspruch die Strafe geringer ausfallen. Das Gericht könnte in diesem Fall aber die Unterbringung in einer Klinik anordnen, sagte Uhle dieser Zeitung.

Die Frage nach dem Warum

Das Ergebnis des vom Gericht in Auftrag gegebenen Gutachtens müsse er zunächst mit dem Beschuldigten besprechen, sagte der Paderborner Anwalt. »Wir werden uns dazu vermutlich erst im Prozess äußern«, sagte Uhle. Sein Mandant müsse wohl mit einer »sehr langen Haftstrafe« rechnen.

Die schwierigste Frage sei dabei die nach dem Warum. Die beschäftige die Staatsanwaltschaft ebenso wie den Anwalt. »Mein Mandant hat sich mit der Situation in der Untersuchungshaft arrangiert. Er ist inzwischen klarer im Kopf, als direkt nach der Tat. Aber er hat immer noch keine Idee, warum das passiert ist. Er ist entsetzt und am Boden zerstört.« Einen offenen Streit mit dem Cousin habe es nicht gegeben.

Täter kam durch Terrassentür

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Waldemar E. am Samstag, 22. Juni, etwa um 7.30 Uhr in die Wohnung seines Cousins über eine offene Terrassentür eingedrungen ist. Im Schlafzimmer habe er unvermittelt ein mitgebrachtes Jagdmesser gezückt und damit mehrfach auf seinen im Bett liegenden Cousin eingestochen. Dieser wurde tödlich verletzt und starb noch am Tatort. Die Ehefrau des Opfers musste all das hautnah miterleben. Der Angeschuldigte konnte durch Zeugen überwältigt werden. Die Polizei nahm Waldemar E. am Tatort fest.

Der mutmaßliche Täter habe ein Leben lang im Straßenbau geschuftet. Vor 20 Jahren sei er aus Sibirien nach Deutschland gekommen. Zuletzt habe er wegen gesundheitlicher Probleme seinen Job nicht mehr ausüben können. Mit seiner Frau wohnte er unweit vom Tatort. Waldemar E. habe offenbar vor einiger Zeit ein Alkoholproblem gehabt. »Er hat dann ein Jahr lang abstinent gelebt. Kurz vor der Tat hat er allerdings wieder angefangen zu trinken – sehr exzessiv.« Ursache sei womöglich eine Untersuchung des Straßenverkehrsamt bezüglich seiner Fahreignung gewesen. Die Untersuchung dazu habe bevor gestanden. Der Termin für den Prozess ist noch unbekannt.

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