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Paderborner Tischler plädiert für nachhaltige Nutzung

Tornado-Holz ist heiß begehrt

Paderborn

Der Verlust der 1000 Bäume, die der Tornado in Paderborn entwurzelt, abgebrochen oder so schwer beschädigt hat, dass sie gefällt werden mussten, ist für viele Menschen ein hoch emotionales Thema.  Offenbar plant die Stadt, die Baumstämme nach einem speziellen Vergabesystem an Interessenten abgeben zu wollen. Darüber will die Stadt nach den Sommerferien informieren.   

Von Ingo Schmitz

Matthias Gerdesmeier zeigt hier ein Stück Buchenholz, das ehemals in einer Saline in Bad Sassendorf verbaut war. Im Hintergrund sind Tischplatten zu sehen, die aus Baumstämmen heraus gearbeitet worden sind.  Foto: Ingo Schmitz

Was kann man aus dem Holz machen? Diese Frage hat das WESTFÄLISCHE VOLKSBLATT dem Obermeister der Tischlerinnung Paderborn, Matthias Gerdesmeier, gestellt. Er hat sich auf das Thema Nachhaltigkeit spezialisiert und bereits nach dem Orkantief Friederike (Januar 2018) seine Erfahrungen mit Sturmholz gesammelt und einigen dicken Stämmen ein zweites Leben gegeben.

Bäume umgeknickt wie Streichhölzer

"Es ist schlimm, eine Vollkatastrophe, was hier passiert ist", sagt der Tischler-Meister. Dort, wo er bisher die  unvergleichliche Atmosphäre des PQ genossen und gerne die Gastronomie besucht habe, hat der Tornado in den frühen Abendstunden des 20. Mai innerhalb weniger Sekunden etliche Buchen, Eichen, Platanen, Mammut- und auch Kirschbäume umgeknickt wie Streichhölzer.

"Besonders an den alten, massiven Eichen kann man erkennen, welch Naturgewalt hier gewirkt hat. Das ist erschreckend und unfassbar für das menschliche Auge", sagt der Obermeister. Ihn habe der Anblick des zerstörten Paderquellgebietes und des Geißelschen Gartens sprachlos gemacht. "Es ist unfassbar, dass hier Bäume durch die Luft gewirbelt sind. Das zeigt aber auch, dass der Klimawandel hier voll zugeschlagen hat. Wegen des Regenmangels hatten einige Bäume nur flache Wurzeln, weswegen sie keinen Halt hatten. Das einzige, was nun Hoffnung gibt, ist, dass man aus dem Holz etwas Schönes, etwas Nachhaltiges daraus machen kann."

Nach Angaben der Stadt sei die Nachfrage nach dem Tornado-Holz sehr groß. Offenbar hänge dies vor allem mit der emotionalen Verbundenheit zusammen.

Bei aller Tragik müsse es nun darum gehen, die Bäume vor dem Schreddern zu bewahren, sagt der Handwerker aus Thüle. Nicht alles, was auf den ersten Blick "Schrott" sei, sei es auch wirklich. "Aus Bäumen  mit Löchern und Rissen lässt sich in der Regel etwas machen. Es ist zwar mehr Arbeit, aber das macht auch das Besondere aus."

Stämme vor dem Schreddern bewahren

Um das Holz handwerklich weiter verarbeiten zu können, seien vor allem dicke Stämme interessant. Aber auch aus dünneren Bäumen lässt sich etwas Tolles machen. "Man braucht ein Gespür dafür, was man aus dem Holz machen kann. Ich denke zunächst in Tischplatten, mindestens acht Zentimeter dick. Am liebsten mit einer Baumkante und mit Ästen und Rissen - so wie der Baum gewachsen ist. Das sind Filetstücke, die aber auch viel Arbeit machen", sagt Gerdesmeier. 

Auch Stämme von Schimmel befallenen Bäumen seien grundsätzlich für die Holzverarbeitung geeignet und müssten nicht geschreddert werden. Das Holz müsse lediglich entsprechend behandelt werden - zum Beispiel mit Epoxidharz.

Die Verarbeitung von Tornado-Holz sei keine schnelle Sache. Ein paar Jahre müssten sich Kunden schon gedulden, bis ein solcher Tisch ausgeliefert werden kann, bremst Gerdesmeier die hohen Erwartungen. "Der Stamm muss erst aufgeladen und zum Sägewerk gebracht werden. Die Werke sind zurzeit voll ausgelastet. Nach dem Sägen muss das Holz ein paar Jahre liegen und trocknen. Erst nach frühestens vier bis fünf Jahren kann das Holz verarbeitet werden."

Tischplatten, Holzbänke, Hocker, Untersetzer

Und dann kommt es auch noch auf die Sorte an, wo das jeweilige Holz später zum Einsatz kommen kann. Gerdesmeier: "Aus einem Mammutbaum habe ich mal einen drei Meter langen unbehandelten Gartentisch gemacht. Das Holz verfärbt sich mit der Zeit bei Regen und Sonneneinstrahlung." Ein spannender Prozess. Weniger für draußen geeignet hingegen ist Buchenholz. Wobei es auch da immer auf das Einsatzgebiet ankommt. Als in Bad Sassendorf eine Saline saniert wurde, habe er Buchen-Holzpfeiler erstanden, die hundert Jahre lang dem Salz ausgesetzt waren. Das Salz habe die Buche konserviert und bis in den Kern hinein silbern verfärbt. "Das ist ein ganz toller Effekt", schwärmt Gerdesmeier. 

Neben Tischplatten, die auf Metallgestellen montiert werden, seien aber auch Naturholzbänke und Hocker denkbar. Und selbst aus den Ästen ließe sich etwas Nachhaltiges herstellen - zum Beispiel Untersetzer.

So sehen die "PQ Heimatholz"-Stücke aus, die im Stadtmuseum gegen einen Spende erworben werden können. Foto:

"Meine Hoffnung ist, dass aus dem Paderquellgebiet etwas Schönes entsteht", sagt Gerdesmeier. Um das Ziel zu erreichen, gibt es verschiedene Initiativen. Neben dem Verein "Freunde der Pader" hat der Paderborner Designer Jan Petzold Holzstücke gesammelt und die Bezeichnung „PQ HeimatHolz“ eingraviert. Jedes Stück wird so zu einem Unikat. Diese Holzstücke werden jetzt zugunsten des Wiederaufbaus des Paderquellgebietes im Stadtmuseum gegen eine Spende abgegeben.

Wiederaufbau unterstützen

Jeder, der sich ein Stück „PQ Heimat Holz“ sichern möchte, hat dazu dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr im Stadtmuseum Paderborn am Abdinghof die Gelegenheit. Der Erlös fließt zu 100 Prozent in das Projekt „Wiederaufbau Paderquellgebiet“.

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