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Mit Pistole bedroht und auf Opfer eingeschlagen, als es am Boden lag – Ein Verdächtiger ist weiter auf der Flucht

Trio nach Überfall auf Paderborner Versicherungsbüro angeklagt

Paderborn

Nach dem brutalen Überfall auf ein Paderborner Versicherungsbüro am Le-Mans-Wall Ende Juli sind die polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilen, ist jetzt gegen die Männer wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung Anklage erhoben worden.

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Foto: Jörn Hannemann

Zwei Tatverdächtige (beide 21 Jahre alt) sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Ein dritter Komplize ist weiter auf der Flucht und wird per Haftbefehl gesucht.

Nach Angaben der Polizei war der Überfall nach dem Inserat einer teuren Markenuhr verübt worden. Das 66-jährige Opfer bot die Rolex für eine fünfstellige Summe in einem Internet-Verkaufsportal an. Einer der Täter nahm telefonisch unter falschem Namen Kontakt zum Anbieter auf und vereinbarte einen Besichtigungstermin.

Einen Tag vor der eigentlichen Tat kam der „Käufer“ in das Büro des Versicherungskaufmanns und sah sich die Uhr an. Im Gespräch bot das Opfer weitere Gegenstände zum Verkauf an, unter anderem Büromöbel. Ohne den Verkauf abzuschließen verließ der „Käufer“ das Büro. In einem weiteren Telefonat handelten Anbieter und Interessent einen Preis aus und die Abholung der Rolex sowie einiger Möbel wurde für den 29. Juli festgelegt.

Am Boden liegend weiter auf den Mann eingeschlagen

Als der 66-jährige Paderborner an dem Tag zum Büro ging, fielen ihm vor der Haustür am Le-Mans-Wall zwei fremde Männer auf. Diese waren seiner Überzeugung nach wohl zum „Möbeltragen“ mitgekommen. Der „Käufer“ wartete bereits im Büro. Als sich sowohl das Opfer und die drei fremden Männer im Büro trafen, erfolgte sofort ein brutaler Angriff auf das Opfer. Der Mann wurde niedergeschlagen und mit einer Pistole bedroht. Die Täter forderten die Uhr und nahmen dem 66-Jährigen seine Geldbörse, das Handy und einen Schlüsselbund ab. Am Boden liegend wurde weiter brutal auf den Mann eingeschlagen. Das Opfer wehrte sich und verletzte einen Täter an einer Hand. Dann zerrte das Trio den Verletzten in einen Nebenraum. Dort wurde er mit Klebeband gefesselt. Mit der Beute, die sie dem Opfer weggenommen hatten sowie einer Tischuhr, aber ohne die Rolex flüchteten die Täter.

Das Opfer konnte sich nach einiger Zeit befreien und in einer Praxis Hilfe holen. Der Verletzte wurde ins Krankenhaus gebracht. Er hatte unter anderem Prellungen und Rippenbrüche erlitten. Die Fahndung der Polizei brachte zunächst keinen Erfolg. Nach Medienveröffentlichungen gab es erste Hinweise auf Tatverdächtige. Das Trio war beim Betreten des Hauses beobachtet worden. Auch beim Verlassen wurden sie gesehen – dabei war einer der Täter verletzt und blutete an einer Hand. Ein Täter-Fahrzeug konnte von Zeugen beobachtet werden.

Einsatzkräfte entdecken mehrere Schusswaffen

Im Zuge der weiteren Ermittlungen konnte die Paderborner Kripo zunächst einen Tatverdächtigen identifizieren. Seine mutmaßlichen Komplizen wurden schließlich im Umfeld des Tatverdächtigen ausgemacht. Zwei Tatverdächtige wohnen im Kreis Steinfurt, einer ist ohne festen Wohnsitz. Mitte September erließ das Paderborner Amtsgericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft Durchsuchungsbeschlüsse für Wohnungen in Emsdetten und Nordwalde.

Die Beschlüsse wurden sofort mit Unterstützung eines Spezialeinsatzkommandos und der Steinfurter Polizei vollstreckt. Dabei fanden die Einsatzkräfte mehrere Schusswaffen und weitere Beweismittel. An einer der Waffen sicherten die Ermittler DNA-Spuren, die laut Abgleich beim Landeskriminalamt (LKA) mit der DNA des Opfers übereinstimmen. Im November wurde auf Basis der Ermittlungsergebnisse gegen einen der beiden 21-jährigen Haftbefehl erlassen. Nach weiteren Ermittlungen kam auch der gleichalte Tatverdächtige Anfang 2021 in Untersuchungshaft.

Der zweifelsfrei identifizierte dritte Tatverdächtige ist untergetaucht. Gegen den 28-jährigen liegt ein Haftbefehl des Paderborner Amtsgerichts vor.

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