1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. Trotz Masken keine Panik

  8. >

Sprecher der Paderborner Gymnasien fragt: „Was ist letztlich noch verantwortbar?“

Trotz Masken keine Panik

Paderborn (WB). Die Herbstferien sind fast vorbei, Montag geht die Schule wieder los. Und dann müssen Paderborns Schüler wieder auch im Unterricht eine Maske tragen – so wie drei Wochen lang nach den Sommerferien. Das hat das Schulministerium am Mittwoch verkündet. Eine Ausnahme gilt nur für Grundschüler.

Dietmar Kemper

Nach den Herbstferien müssen Schüler ab der 5. Klassen wieder Schutzmasken mit in die Klassen nehmen. Darüber hat die Landesregierung die Schulen am Mittwoch informiert. Foto: dpa

Der Sprecher der Paderborner Gymnasien, Peter Lütke Westhues, hat generell nichts gegen eine Maskenpflicht auch im Unterricht. Er betonte am Mittwoch allerdings: „So eine Maßnahme muss immer zeitlich begrenzt sein, und es muss regelmäßig geprüft werden, ob sie noch nötig ist.“ Masken seien ein Instrument, um Infektionen zu unterbinden, bedeuteten aber gleichzeitig eine spürbare Belastung für Schüler und Lehrer, sagte der Leiter des Pelizaeus-Gymnasiums mit 1300 Schülern.

„Von den Warnstufen noch weit entfernt“

Die Situation in Paderborn hält er noch für vergleichsweise harmlos, von den Warnstufen 35 und 50 sei die Stadt noch weit entfernt. Deshalb sieht Peter Lütke Westhues dem kommenden Montag auch nicht mit Panik entgegen. Regelmäßig trifft er sich mit den Kolleginnen und Kollegen der anderen fünf Gymnasien, und dort herrsche auch keine Untergangsstimmung: „Wenn wir zusammensitzen, beklagen wir nicht die Welt.“

Die Pflicht, auch im Unterricht eine Schutzmaske zu tragen, hat die Landesregierung erst einmal bis zu den Weihnachtsferien begrenzt. Dass in Schulen Corona-Fälle schnell auftreten können, zeigte zuletzt das Beispiel des Gymnasiums Schloß Neuhaus. Wie berichtet, wurden Anfang des Monats Schüler und Lehrer vom Gesundheitsamt auf das Corona-Virus getestet, weil sich ein Junge aus der Jahrgangsstufe EF angesteckt hatte. Mindestens 109 Schüler und elf Lehrer kamen in Quarantäne. Aus dem Präsenz- wurde Distanzunterricht. Am 12. Oktober, zu Beginn der Herbstferien, verkündete das Gymnasium auf der Internetseite positive Nachrichten. Alle Testergebnisse der Schüler der Jahrgangsstufe 10 und der betroffenen Lehrer seien durchgängig negativ ausgefallen.

Zunehmende Gewöhnung an die Masken

Beim Thema Maske hat Schulleiterin Eva Sprenger im August etwas Interessantes beobachtet: „Nicht nur Schüler wie auch Lehrer mit eigenem gesundheitlichen Risiko oder gefährdeten Angehörigen haben sich durch das durchgängige Tragen der Maske sicherer und geschützter gefühlt.“ Auch Peter Lütke Westhues stellte eine zunehmende Gewöhnung an die Maske fest. Auch nachdem die Landesregierung die Maskenpflicht im Unterricht wieder aufgehoben hatte, „wurde mehr Maske getragen, als ich gedacht hatte“.

Der Mund-Nasen-Schutz ist aber nicht alles. Was ist mit Lüften? Hier lautet jetzt die Vorgabe, dass die Fenster alle 20 Minuten und in den Pausen ganz aufgemacht werden sollen. Peter Lütke Westhues hat damit kein Problem. Ihm schwebte ohnehin vor, dass in den Klassen alle 20 Minuten fünf Minuten lang stoßgelüftet wird. Das Problem, dass sich Fenster gar nicht mehr öffnen lassen, weil das Schulgebäude marode ist, hat er anders als Kollegen im Ruhrgebiet oder in Berlin nicht.

Für weltfremd hält der Experte Forderungen der GEW und des Robert-Koch-Instituts (RKI), die Lerngruppen zu verkleinern und Unterrichtsklassen zu halbieren. Klassen sollten laut RKI verkleinert werden, wenn der Grenzwert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner binnen einer Woche überschritten werde. Im Unterricht sollten ältere Schüler bereits bei einem Wert ab 35 eine Maske tragen, jüngere Schüler ab dem Grenzwert von 50 – so die Empfehlung.

Nicht unbegrenzt Platz vorhanden

„Sie können nicht die Klassen halbieren und sie gleichzeitig in die doppelte Zahl von Räumen stecken“, sagt Peter Lütke Westhues. Keine Schule habe so viel freien Platz. Das Pelizaeus-Gymnasium verfügt über gut 80 Klassenräume, „und die sind auch belegt“. Natürlich könne ein Virologe so etwas fordern, weil es medizinisch sicher sinnvoll sei, aber irgendwer müsse dann aber fragen, ob das umsetzbar ist. Lütke Westhues: „Was ist letztlich noch verantwortbar? Das ist die entscheidende Frage.“ Noch lehnt auch die Landesregierung eine Verkleinerung der Klassengrößen ab.

Startseite