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Flughafen Paderborn baut den Luftfrachtbereich aus

Über weite Strecken schnell transportiert

Büren (WB). Autoersatzteile für die USA oder auch begehrte Möbelstücke für China: Der Flughafen Paderborn/Lippstadt macht es möglich. Alles was eilig und/oder hochwertig ist, eignet sich besonders für die Luftfracht, sagt Cargo-Berater Eckhardt Balzer. Seit zwei Jahren spielt der Heimatflughafen in dieser Liga mit – mit so großem Erfolg, dass nun die erste Erweiterung für den Cargo-Bereich umgesetzt wird.

Ingo Schmitz

Eckhardt Balzer kontrolliert vor dem Verladen einen der Zehn-Kubikmeter-Container. Foto: Besim Mazhiqi

Um es klarzustellen: In Paderborn heben zwar keine Frachtmaschinen ab, aber dort wird die Fracht für den gesamten Globus – vor allem aber für die USA und Fernost – komplett vorbereitet und abgefertigt. An fünf Tagen in der Woche werden die Güter per Lastwagen nach Frankfurt, München oder Wien gebracht. Dort müssen sie nur noch direkt in die Lufthansa-Maschinen verladen werden.

Zeit und Transportkosten sparen

Und wo ist der Vorteil? Zeit und Transportkosten sparen, lautet die Devise. Der Cargo-Berater Balzer weiß, dass etliche Frachtstücke heimischer Hersteller unnütz auf der Straße unterwegs sind. »Sie werden an unserem Flughafen vorbei weiter Richtung Norden nach Hannover gebracht«, berichtet der Experte. Und von dort aus geht es dann wieder an Paderborn vorbei Richtung Süden. Wer direkt zum Flughafen nach Ahden komme, erspare sich und seinen Kunden Umwege, ist Balzer überzeugt.

In einer großen Halle direkt am Rollfeld des Flughafens stehen die speziellen Zehn-Kubikmeter-Container, die in Paderborn bepackt werden. Ein Dutzend Mitarbeiter ist von Lufthansa aufwendig geschult worden, damit sie hier arbeiten dürfen. Denn es gibt einiges zu bedenken: Das fängt beim Sicherheitscheck an und reicht bis zum millimetergenauen Verpacken. Wenn es sich um sperrige Güter handelt, müssen sie so auf der Palette festgezurrt werden, dass sie genau die Form des Flugzeugfrachtraums nachbilden. Zur Kontrolle gibt es eine Art Schablone, die die Form einer Boeing 747 und 777 sowie eines Airbus 330 nachbildet.

Nach Anlieferung am Paderborner Flughafen werden die Produkte zunächst überprüft, bevor sie in die Luft gehen: Dafür gibt es ein großes Röntgengerät und spezielle Apparate, die Spuren von Sprengstoff ermitteln können. Die maximale Last des zu transportierenden Guts darf zwölf Tonnen betragen.

In den vergangenen neun Monaten sind in Paderborn 300 Container auf die Reise geschickt worden. »Das ist verglichen mit anderen Flughäfen nicht viel, aber für uns ein riesiger Schritt nach vorn. Das Geschäft hat sich im Laufe der kurzen Zeit vervierfacht«, stellt Cargoleiter Andreas Salmen fest. Vor allem die Zuverlässigkeit sei in Paderborn auf einem extrem hohen Niveau. Bis auf ein Möbelstück seien bislang alle Lieferungen heil am Ziel angekommen, zieht Salmen ein positives Fazit. Mit der Bilanz von 1 : 13.000 heilen Einzelteilen sei man sehr zufrieden.

Aller Anfang ist schwer

Zu den Waren, die per Lastwagen nach Paderborn gebracht werden, gehören vor allem Autoteile. Kürzlich aber waren sogar Impfstoffe dabei, die nach Südafrika geflogen wurden. »Die Impfstoffe waren in einem Aktivkühlcontainer untergebracht, der die Temperatur exakt auf vier Grad gehalten hat. Alle Daten sind dokumentiert worden. Das war sehr anspruchsvoll«, sagt Salmen. Der Wert der Lieferung lag bei rund einer halben Million Euro.

An fünf Abenden die Woche startet der Lastwagen in Paderborn mit einer festen Flugnummer und der verpackten Ware an Bord vor allem Richtung Frankfurt. Damit die Abläufe weiter optimiert und der gestiegene Bedarf gedeckt werden kann, wird nun am Flughafen eine zusätzliche Cargo-Halle angebaut. Nach dem Sommer soll der Bereich fertig sein.

Jetzt wünschen sich die Verantwortlichen nur, dass noch mehr Firmen aus Ostwestfalen-Lippe das Angebot nutzen. Eine Informationsveranstaltung der Wirtschaftsförderung habe nicht den erhofften Rücklauf ergeben. Aber wie so oft im Leben gilt auch hier: Aller Anfang ist schwer. »Wir freuen uns, wenn sich hier noch eine Spedition ansiedeln würde. Das würde den Erfolg zusätzlich beflügeln. Die Flächen für ein solches Unternehmen wären da«, meint Balzer.

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