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Ab 16. Dezember ist das Altarbild im Diözesanmuseum zu sehen

Umstrittener Marienaltar aus Naumburger Dom kommt nach Paderborn

Paderborn

Das aufklappbare Altarbild des Naumburger Domes wird vom 16. Dezember bis Ende Juni 2023 im Diözesanmuseum Paderborn ausgestellt. Das Altarretabel ist eines der derzeit meistdiskutierten Projekte im Umgang mit Denkmälern.

Der umstrittene Aufbau des Marienaltars im Naumburger Dom wird vom 16. Dezember an in Paderborn zu sehen sein.

Der Mittelteil des Retabels, der die Gottesmutter Maria zeigte, war im Zuge der Auseinandersetzungen um die Reformation 1541 gewaltsam zerstört worden. Nachdem der Leipziger Künstler Michael Triegel zwischen 2020 und 2022 ein neuer Mittelteil geschaffen hatte, sollte der Marienaltar wieder in den Westchor des Naumburger Domes zurückkehren. In Naumburg fürchtet man jedoch dadurch seinen Welterbestatus zu verlieren.

Bereits seit 2018 zählt der Naumburger Dom im Süden Sachsen-Anhalts zum Unesco-Weltkulturerbe. Vor allem die zwölf Stifterfiguren im Westchor waren damals für die Titelvergabe ausschlaggebend. Die Beratungsgesellschaft Icomos, die im Auftrag der Unesco Welterbestätten und Anwärter begutachtet, kritisiert unter anderem, dass durch die Wiederaufstellung des Altarbildes die Sichtachsen auf eben jene zwölf Stifterfiguren im Westchor beeinträchtigt würden, zu denen auch Uta von Naumburg gehört.

Die evangelische Domgemeinde und die Stadt Naumburg sehen das anders. Sie hatten seit Jahren die Wiederaufstellung und Rückkehr des historischen Altars befürwortet. In einer „Naumburger Erklärung“ formulieren die Befürworter, dass die Wiederaufstellung des Altarretabels, also eines hölzernen Aufsatzes auf den Altarstein, aus ihrer Sicht keine „schwere Beeinträchtigung des Welterbes Naumburger Dom“ sei.

Nun verlässt das aufklappbare Altarbild also doch erst einmal den Naumburger Dom in Richtung Paderborn, wie eine Sprecherin der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatsstifts Zeitz am Sonntag auf epd-Anfrage bestätigte. Die Reise des aufklappbaren Altarbildes nach Ostwestfalen soll Ruhe in die Diskussion um den Welterbetitel bringen.

Der von Lucas Cranach dem Älteren (1472-1553) im Jahre 1519 geschaffene und vom Leipziger Künstler Michael Triegel zwischen 2020 und 2022 ergänzte Altar wird vom 16. Dezember bis Ende Juni 2023 im Diözesanmuseum Paderborn zu sehen sein.

Mitteltafel zeigt heiligen Petrus mit Basecap

Die vom Erfurter Maler Michael Triegel neu geschaffene Mitteltafel zeigt eine Marienszene, die sich stilistisch und hinsichtlich des Bildaufbaus zwischen die Renaissance-Seitenflügel des Renaissance-Meisters einfügt. Hinweise auf die zeitgenössische Neugestaltung geben Details in der Motivwahl: Für die Madonna saß Triegels sechzehnjährige Tochter Modell. In der Figurengruppe dahinter sind der Heilige Petrus mit Basecap, ein Rabbiner sowie der Pfarrer und Antifaschist Dietrich Bonhoeffer dargestellt.

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