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Drei Betriebe haben sich unter dem Markennamen „Paderbote“ zusammengetan

Umweltbewusster Kurierdienst in Paderborn

Paderborn

Blumen, Stifte, Bierdosen: Wer dafür nicht extra mit dem Auto in die Stadt fahren und einen Parkplatz suchen möchte, kann mit der Lieferung den neuen Kurierdienst „Paderbote“ beauftragen. Dafür haben sich die Betriebe Taxi Klima, Pakumo und City-Pedal zusammengetan. 

Von Dietmar Kemper

 Andre Kottowski (rechts), Geschäftsführer von Taxi Klima, und der Gründer von Pakumo, Marko Rieger, wollen nach eigenen Worten einen Beitrag zur Verkehrsentlastung in Paderborn leisten.   Foto: Oliver Schwabe

„Der Personalausweis ist da, die Hose ist geändert: Manchmal ist es einfacher, sich das bringen zu lassen“, nennt Andre Kottowski, Geschäftsführer von Taxi Klima, weitere Beispiele. Die Kunden sparten Zeit, Benzin und Nerven. Und außerdem profitiere die Umwelt vom Transport per Lastenrad oder Elektrofahrzeug.

Das Taxiunternehmen registriert die Aufträge, die über die Internetseite www.pakumo.de/paderbote  eingehen und  übermittelt  sie an den Gründer von Pakumo, Marko Rieger, und an den Chef von City-Pedal, Andreas Waschek. „Wir geben die Daten bei uns im System ein, bestätigen dem Kunden den Auftrag und geben weiter, wann die Ware wohin geliefert werden soll“, erläuterte Kottowski am Dienstag bei der Vorstellung des neuen Gemeinschaftsprojekts, durch das Paderborn einen regionalen Lieferservice bekommen solle.

Im Stadtgebiet alle Lieferungen per Rad

Im Stadtgebiet sollen alle Lieferungen per Rad erfolgen, bei längeren Strecken per E-Auto. Rieger, Waschek und Kottowski reagieren auf das „Integrierte Mobilitätskonzept“ (IMOK) der Stadt Paderborn, das bis 2035 festgelegt sein soll. Wie mehrfach berichtet, sollen dadurch der motorisierte Individualverkehr reduziert sowie der ÖPNV und Radverkehr ausgebaut werden.

Bei der  Hälfte der Autofahrten würden nicht einmal fünf Kilometer zurückgelegt, und 70 Prozent der Fahrten im Innenstadtbereich hätten einen privaten Anlass, erläuterte Wirtschaftsingenieur Rieger. Wer den privaten Autoverkehr verringern und dadurch die Stadt entlasten wolle, müsse ihn Schritt für Schritt obsolet machen. Rieger hat Logistik studiert und bereits bei Amazon und Arvato gearbeitet, jetzt bietet er seine Beratung bei Mobilitätskonzepten an, wirbt für den Transport mit Lastenrädern  und verkauft sie auch selbst. 

Das Abholen von Ware mit dem Auto sei ineffizient, erhöhe die Verkehrsmenge und schade der Umwelt. „30 Prozent der CO2-Bilanz geht auf die Anreise zurück, wenn Artikel stationär gekauft werden“, rechnet der 29-Jährige vor. Hinter dem Gemeinschaftsprojekt stehe die Idee, „keine redundanten Strukturen aufzubauen“. Umweltfreundlicher Verkehr reduziere Schadstoffe, Lärm und den Platzbedarf „für das viele stehende Blech“.

Zielgruppen sind auch Händler und Handwerker

Das Konzept sei keine Kampfansage gegen den Einzelhandel in der City, betonten die  Beteiligten. Auch die Geschäftsleute könnten vom „Paderboten“ profitieren, etwa durch flexible Anlieferungszeiten von Ware. Außerdem könnten sie Kunden anbieten, ihnen im Laden bestellte Produkte  per Lastenrad bringen zu lassen, wenn sie eingetroffen sind.

„Wir wollen ja gerade, dass die kleinen Läden überleben“, beteuerte Kottowski (45) am Dienstag. Aber die Händler müssten sich daran gewöhnen, dass die Kunden der Zukunft weniger häufig mit dem Auto anreisen als die jetzige Generation, prophezeit er: „Die 16-, 17-, 18-Jährigen machen oft gar keinen Führerschein mehr.“

Als weitere Zielgruppe haben die drei Geschäftspartner Handwerksbetriebe im Auge. Wenn zum Beispiel ein Mitarbeiter vor Ort beim Kunden feststelle, dass das Kabel nicht ausreicht oder der Schaltkasten fehlt, könne er sich das benötigte Material schnell per Lastenrad liefern lassen, statt alles stehen und liegen lassen zu müssen und selbst zurück in den Betrieb zu fahren.

Drei Gewichtsklassen

Was kostet der Service? Die Tarife sind auf der Internetseite www.pakumo.de/paderbote aufgelistet. Demnach kostet die Lieferung eines bis zu zwei Kilogramm schweren Pakets im Citytarif Paderborn noch am selben Tag  fünf Euro. Soll es innerhalb von 60 Minuten sein, werden 7,50 Euro fällig, am nächsten Tag dagegen nur 3,75 Euro. Die Gewichtsklassen betragen zwei, fünf und 31,5 Kilogramm. Die Testphase hat begonnen, jetzt wird sich zeigen, ob Bedarf für den  „Paderboten“ vorhanden ist.

Der gemeinsame Lieferdienst sei gut für die Stadt, findet Kottowski. Konzepte in den Schubläden seien schön und gut, aber es komme auf die Umsetzung an: „Lasst uns kleine Schritte machen, viele kleine führen ans Ziel.“

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