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Vorhaben wird vom Bund mit 2,25 Millionen Euro gefördert

Universität Paderborn: Forschungsverbund hinterfragt autonome Waffensysteme

Paderborn

 Ein Forschungsverbund unter der Leitung der Universität Paderborn hinterfragt autonome Waffensysteme. Das auf vier Jahre angelegte Vorhaben mit dem Titel „Meaningful Human Control. Autonome Waffensysteme zwischen Regulation und Reflexion“ startet im April und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 2,25 Millionen Euro gefördert.

Das vierjährige Vorhaben der Uni Paderborn unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 2,25 Millionen Euro. Foto: Oliver Schwabe

Der Einsatz von Waffen, die eigenmächtig und ohne menschliches Zutun handeln, ist längst keine Science-Fiction mehr, sondern Realität geworden – UN-Berichten zufolge bereits im März 2020 in Libyen, teilt die Universität mit. Die rasante Entwicklung autonomer Waffensysteme (AWS) sei ein umstrittenes Thema der internationalen Sicherheit: Akteure aus Politik, Zivilgesellschaft, Militär und Wissenschaft diskutierten schon seit Langem kontrovers, ob und inwieweit mit maschineller Autonomie ein Verlust menschlicher Kontrolle drohe und was das für die Zuschreibung von Verantwortung bedeute.

Der Forschungsverbund will nicht nur die Implikationen autonomer Waffensysteme aus wissenschaftlicher Perspektive kritisch beleuchten, sondern auch, was Autonomie in diesem Zusammenhang bedeutet.  An dem Projekt sind neben der Universität Paderborn auch Wissenschaftler der Universitäten Bonn, Hamburg, Hannover und der Ostfalia Hochschule in Wolfenbüttel beteiligt.

Prof. Dr. Jutta Weber

Prof. Dr. Jutta Weber vom Institut für Medienwissenschaften der Universität Paderborn leitet den interdisziplinären Forschungsverbund: „Wir verfolgen das Ziel, ein umfassendes Verständnis der soziokulturellen Dimension von autonomen Waffensystemen zu erarbeiten und verschiedene Kompetenzen der Technikforschung mit der der Friedensforschung zu bündeln." Das bedeute unter anderem, die technischen und rechtlichen Grundlagen und ihre möglichen Konsequenzen zu diskutieren. Basierend auf einem komplexen Technikverständnis werde ein Konzept entwickelt, das jenseits einer verkürzten Debatte stehe, die die Handlungsfähigkeit immer nur beim Menschen oder bei der Maschine verorten wolle. „Denn zum einen", so die Mediensoziologin, „basiert Software auch auf normativen Setzungen sowie kategorialen Entscheidungen und gibt implizit Handlungsoptionen vor. Zum anderen bestimmen jeweils spezifische Anwendungskontexte, komplexe vernetzte Infrastrukturen und kulturelle Vorstellungen die Nutzung von Maschinen und deren Effekte wesentlich mit." Daraus folgert sie: „Schon jetzt ist also klar: Einfache Antworten in Bezug auf die Verantwortung für Handlungen in komplexen Mensch-Maschinen-Gefügen sind nicht möglich.“

Ergebnisse werden auch in Dokumentarfilm publiziert

Die Forschungsergebnisse werden nicht nur klassisch publiziert, sondern auch in einen breiten öffentlichen Diskurs eingebracht, berichtet die Uni, unter anderem in Form eines Dokumentarfilms und in sogenannten ‚Walkshops‘ mit Politikern. Zur Stärkung einer nicht-westlich zentrierten Perspektive werde das Projekt auch Forschende aus dem Globalen Süden einbeziehen und mit ihnen die eigene Arbeit reflektieren.

Laut Weber ist es ein zentrales Anliegen des Projekts, politische und zivilgesellschaftliche Akteure gezielt auf Probleme und Handlungsbedarfe aufmerksam zu machen: „Neben wissenschaftlichen Publikationen ist eine möglichst zielgruppenspezifische Vermittlung der Ergebnisse geplant. Außerdem arbeiten wir u. a. mit dem European Center for Constitutional and Human Rights in Berlin zusammen. Mit Institutionen wie der Bundeszentrale für politische Bildung werden Kooperationen für öffentliche Veranstaltungen angestrebt.“

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