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Trauer um einen großen Paderborner

Unternehmer Wolfgang Bremer ist tot

Paderborn

Die Trauer in der Familie, in der Belegschaft und in der Stadt ist groß: Einer der erfolgreichsten und bekanntesten Unternehmer Paderborns ist tot. Wolfgang Bremer ist im Alter von nur 72 Jahren verstorben. Mit ihm verliert Paderborn einen großen Förderer vieler Projekte, einen weitsichtigen Visionär und Geschäftsmann mit Herz, der vor allem auch abseits der Öffentlichkeit viel Gutes in der Stadt bewirkt hat.

Wolfgang Bremer führte das Familienunternehmen seit 1978. Foto: Jörn Hannemann

Ob Amazon, Lidl oder moderne Möbelhäuser in Deutschland und Europa – sie alle verbindet ein Name: die Paderborner Bremer AG, Spezialist für Stahlbetonfertigteile. Auch in Paderborn selbst hat Wolfgang Bremer als Firmeninhaber sichtbare Spuren hinterlassen. Auf ihn geht unter anderem der Bau des Schützenhofes zurück. Auch das Paderborner Stadion, die Home-Deluxe-Arena, ist von Bremer in nur elf Monaten reiner Bauzeit errichtet worden. Die Fertigstellung des neuen Hauptbahnhofs samt Hotel im Herbst 2023, ein Prestigeprojekt, um das lange gerungen wurde, kann Wolfgang Bremer leider nicht mehr miterleben.

Wolfgang Bremers Name ist verbunden mit einem hohen Anspruch an Qualität, Zuverlässigkeit und Innovation, heißt es im Nachruf des Unternehmens. Die Bremer AG mit 1170 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 1 Milliarde Euro trauert um den 72-jährigen Senior, der in zweiter Generation das Unternehmen von seinem Vater Wilhelm übernommen und maßgeblich weiterentwickelt hat. Er habe Bremer „mit großer Weitsicht, Kreativität und Beständigkeit zu einem bedeutenden Unternehmen der Deutschen Bauindustrie gemacht“, heißt es im Nachruf. Er habe den Mitarbeitern stets die Möglichkeit zur freien Entfaltung gegeben. Er sei davon überzeugt gewesen, dass dies eine wichtige Triebfeder für kreative Ideen, neue Denkweisen und Fortschritt ist. Dabei war in den vergangenen 70 Jahren eines beständig: die Veränderung, die Wolfgang Bremer unternehmerisch entscheidend selbst geprägt hat.

Hier zeigt Wolfgang Bremer im Februar 2020 auf ein Foto aus den Anfängen des Unternehmens. Foto: Jörn Hannemann

„Am Anfang war der Vorschlaghammer“, stellte er vor zwei Jahren anlässlich seines 70. Geburtstages im Interview mit dieser Zeitung fest. Damit bezog er sich darauf, dass sein Vater und Firmengründer Wilhelm Bremer (1908 bis 1991) nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Trümmern der zerbombten Flugzeughallen in Paderborn-Mönkeloh mit reiner Muskelkraft und dem Vorschlaghammer den Bewehrungsstahl aus dem Beton geholt hatte. Das gewonnene Material sei unter anderem zum Wiederaufbau des historischen Rathauses benötigt worden, erzählte Wolfgang Bremer. Damit habe er sich das Startkapital für die Selbstständigkeit erarbeitet.

Nachruf der Stadt Paderborn

1947 folgte die Firmengründung, drei Jahre später kam Sohn Wolfgang zur Welt. Damals stellte Wilhelm Bremer in einem Hinterhof unter freiem Himmel Bordsteinkanten und Gehwegplatten her. Später schuf Wilhelm Bremer die sogenannte Bremer Decke für große Hallen, die mehr und mehr für wachsende Gewerbebetriebe benötigt wurden. Es war ein System aus Gitterträgern und Bimshohlsteinen, die mit Beton verfüllt wurden. Und auch Sohn Wolfgang bewies frühzeitig, dass er körperlich ranklotzen konnte. Er habe in seinem Leben viele dieser Steine per Hand verladen – eine Erfahrung, die möglicherweise auch dazu geführt hat, dass er nie vergessen konnte, woher er kam. Freunde sagen ihm nach, dass Wolfgang Bremer trotz aller unternehmerischer Erfolge nie die Bodenhaftung verloren habe.

Als junger Ingenieur direkt von der Uni ins Unternehmen

Nach der Bremer Decke kam die Idee, mit Fertigteilen das Bauen von Hallen und Co. deutlich effizienter zu machen: Es war die Geburtsstunde der sogenannten Bogenbinder, die Hallenbauten mit einer Spannweite von 25 Metern und mehr ermöglichten. „Die Dachkonstruktionen von damals halten noch heute“, zeigte sich Wolfgang Bremer immer wieder stolz, wenn er auf die vielen Objekte schaute, die sein Unternehmen errichtet hat.

1978 kam er direkt von der Uni als junger Ingenieur ins Unternehmen. Er konzen­trierte sich vor allem auf den Bedarf an elektronischer Datenverarbeitung und schrieb schon zur damaligen Zeit selbst Computerprogramme – zum Beispiel für die Lohnbuchhaltung. Auch Steuerungen für Mischanlagen entwickelte er selbst, während das schlüsselfertige Bauen zu einem neuen Schwerpunkt wurde. Vor allem Möbelhäuser setzten auf das Paderborner Unternehmen Bremer. Rasantes Wachstum gab es vor allem auch durch den Bau-Bedarf in den neuen Bundesländern.

Wolfgang Bremer galt als weitsichtiger Visionär. Foto: Jörn Hannemann

Neben den Werken in Paderborn und Leipzig verfügt die Bremer AG über zehn Standorte in Deutschland und Europa. Am Hauptsitz in Paderborn sind derzeit mehr als 600 Mitarbeiter beschäftigt. Es gibt zudem mehrere Niederlassungen.

Von Fairness und Vertrauen geprägtes Handeln

„Er hinterlässt ein modernes, auf die Zukunft ausgerichtetes Unternehmen, das Wolfgang Bremer von einer klassischen Baufirma zu einem Unternehmen entwickelt hat, das nachhaltig und ganzheitlich moderne Gebäude für Menschen errichtet. Sein Handeln war stets geprägt von Fairness und Vertrauen gegenüber den Menschen, mit denen er zusammen lebte und arbeitete“, heißt es vonseiten des Unternehmens. Zudem habe er mit „großer Umsicht“ dafür gesorgt, dass das Familienunternehmen von der nächsten Generation in diesem Selbstverständnis fortgeführt werde.

Wolfgang Bremer war ein großer Paderborner, dem die Menschen in seiner Heimatstadt und die Stadt als solche sehr am Herzen lagen. Er hat gekämpft und den Kampf verloren. Für Familie, Freunde und Wegbegleiter sowie Mitarbeiter und Geschäftspartner ist sein Tod ein schwerer Verlust.

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