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Klaus H. Sindern erzählt in seinem zweiten Roman eine dramatische Familiengeschichte

„Verzeih mir, Frank!“

Hövelhof/Paderborn

Eigentlich wollte Klaus H. Sindern ein Buch über seinen Vater schreiben, einen Kaufmann in Recklinghausen, der fest in der katholischen Bürgerschaft verwurzelt war. Aber weil sein Vater zu den schweigsamen Westfalen gehörte, „hat das nicht funktioniert“, erzählt der Autor.

Dietmar Kemper

Klaus H. Sinderns neuer Roman spielt in Recklinghausen und Berlin. An der Wand hängen Gemälde von Rolf Wolter. Foto: Dietmar Kemper

„Es wäre mir unmöglich gewesen, ihm Dialoge in den Mund zu legen“, betont Klaus H. Sindern. Und so schrieb er ein Buch, in das er viel von sich selbst einfließen ließ.

„Sterben muss schließlich jeder“ heißt das Werk, das vier Jahre nach seinem in dieser Zeitung mit viel Lob bedachten Erstlingsroman „An fein gesponnenen Fäden – Familienverstrickungen“ erschienen ist. „Ich habe für den ersten Roman sieben Jahre gebraucht und wollte eigentlich keinen zweiten mehr schreiben“, blickt Klaus H. Sindern zurück. Der Glaube, eine Idee reiche aus, und das Buch schreibe sich dann wie von selbst, habe sich damals als naiv herausgestellt, berichtet er. Diesmal wusste er, wo die Reise hingehen soll und brauchte für das Schreiben nur sechs Monate. Der 77-jährige pensionierte Deutschlehrer und Lehrerausbilder spricht von einem „Corona-Roman“ – der Lockdown habe die Konzentration auf das Buch befördert.

Um die Pandemie geht es auf den 400 Seiten aber nicht. Die Geschichte spielt in den 1980er Jahren in Berlin und Recklinghausen, wo Klaus H. Sindern geboren wurde und unmittelbar neben dem Steintor aufwuchs. Wer angesichts des Titels „Sterben muss schließlich jeder“ einen Krimi erwartet, liegt falsch. Auch wenn kein Kommissar einen Tatort betritt, ist die Geschichte dennoch dramatisch.

Die Zwillingsbrüder Frank und Rolf Neske verlieben sich in dieselbe Frau, Regine entscheidet sich für den zurückhaltenden Frank und wird schwanger. Frank kommt bei einem Unfall ums Leben, den Tod hatte ihm sein Bruder vorher gewünscht. Es wird nicht der letzte Todesfall sein, die Ereignisse sind längst nicht abgeschlossen, Angehörige wie Regines Tochter Silke geraten in den langen Schatten, den die Vergangenheit wirft. So auch der anfangs unbeteiligte Paul Richter aus Recklinghausen, dem seine Mutter rät, in die Fußstapfen seines Vaters als Bestatter zu treten, denn „sterben muss schließlich jeder“.

Paul Richter zieht es dagegen nach Berlin, wo er prompt Silke Hessler begegnet. Mehr wird nicht verraten, nur noch der „Schlüsselsatz des Romans“ (Klaus H. Sindern). Als Rolf am Grab seines Bruders steht, seufzt er: „Verzeih mir Frank, das habe ich nicht gewollt!“ Dabei ahnt er nicht, dass ihn jemand hört und beobachtet.

Paul Richter taucht auf Seite 167 erstmals auf, er ist das Alter Ego des Autors. So wie Paul Richter wuchs Klaus H. Sindern in Recklinghausen auf, besuchte ein Internat und zog nach Berlin, um der Bundeswehr zu entgehen. So wie Richter erlebte Sindern die Tücken des Erwachsenwerdens, so wie seine Romanfigur genoss er ein Beatkonzert und durchlitt die gewöhnungsbedürftige Oper „Palestrina“ von Hans Pfitzner. „Paul bricht sich den Arm in einer Weise, wie es mir haargenau so passiert ist“, nennt der Autor eine weitere Parallele. Mit Brüdern kennt er sich auch aus, das Buch hat er seinen zehn Geschwistern gewidmet, von denen sieben leider inzwischen gestorben sind.

Der Zufall spielt in „Sterben muss schließlich jeder“ eine gewichtige Rolle, aber beim Verkauf des Buches vertraut Klaus H. Sindern, den Kulturfreunde auch als Gesicht des Amalthea-Theaters kennen, allein auf sich. Den 20 Euro teuren Roman vertreibt er im Direktverkauf, Bestellungen nimmt er unter der E-Mail-Adresse khsindern@t-online.de entgegen. Außerdem will er Exem­plare in den Buchhandlungen Voss (Hövelhof) und Literafee (Schloß Neuhaus) auslegen, in der Hoffnung, dass diese bald wieder normal öffnen können.

Wahrscheinlich wird Klaus H. Sindern auch eine Lesung in Recklinghausen machen, die Bezüge zu seiner Heimatstadt ergeben sich nicht nur durch die Handlung des Romans. Einst versorgte Sinderns Vater Josef den Maler Rudolf Wolter mit Farben, der ihn wiederum in Form von Bildern mit Motiven aus Recklinghausen entlohnte. Und so hängt nicht nur ein Bild des Steintores in Sinderns Haus in Hövelhof. Gut möglich, dass es Bestandteil einer in Recklinghausen geplanten Werkschau mit Wolter-Bildern sein wird. Die Heimat lässt Klaus H. Sindern genauso wenig los wie der Tod von Frank Neske die Figuren seines lesenswerten und gekonnt aufgebauten Romans.

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