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Heimatbühne übergibt Spenden an das Gasthaus, die in Paderborn neue Anlaufstelle für Obdachlose und Bedürftige ist

Vier Thermoskannen und eine gute Idee

Paderborn

Bei Popsängerin Nena begann alles mit 99 harmlosen Luftballons. Bei Martin Fryburg von der Heimatbühne Paderborn waren es vier alte Thermoskannen, die eine ungeahnte Welle in Gang setzten. Anders als in Nenas Song, in dem die Luftballons einen Krieg auslösten, führt Fryburg Gutes im Schilde.

Marion Neesen

Jede Menge nützliche Dinge konnten für das Gasthaus im ehemaligen Pflaumenbaum gespendet werden. Foto: Oliver Schwabe

„Ich hatte zuhause ausgemistet, und mir fielen die noch intakten Kannen in die Hände“, erzählt Fryburg, der eigentlich die Knigge-Akademie betreibt und in der Coronazeit ohne Aufgabe ist. Wegwerfen oder weiternutzen – war die Frage. „Ich dachte an Sandra Filter und den Verein ‚Unser Hochstift rückt zusammen‘ und habe gefragt, ob sie die Kannen für das Gasthaus gebrauchen kann“, erzählt Fryburg. Sie konnte. Und es stellte sich heraus, dass noch viele andere Dinge dort willkommen sind.

In der ehemaligen Kneipe „Pflaumenbaum“ wurde unter Schirmherrschaft des Metropolitankapitels eine Anlaufstelle für obdachlose und bedürftige Menschen eingerichtet. Sie soll dauerhaft den Foodtruck vor dem Haus der Dommusik ersetzen.

Für Martin Fryburg war der Startschuss gefallen. Er nutzte seine privaten Kontakte, etwa im Elferrat der Heimatbühne, um nach Lebensmitteln, Geschirr oder auch warmen Wintersachen zu fragen. Eine Welle der Hilfsbereitschaft kam in Schwung. Von Süßigkeiten und Gebäck über Geschirr und Thermobecher bis hin zu Schlafsäcken und warmen Socken sind jede Menge nützliche Dinge zusammengekommen.

Knapp zwei Wochen war Fryburg in Paderborn unterwegs und sammelte alles ein. „Statt Trübsal zu blasen, wollte ich lieber etwas Sinnvolles tun“, sagt der Knigge-Trainer. Davon ließen sich auch Daniel Windmann, Elmar Kloke und Wolf-Dieter Jordan, mitreißen. Während Jordan 500 Euro beisteuerte, spendierte Kloke eine Kühl- und Gefrierkombination. Daniel Windmann wird am 11. Dezember ein Weihnachtsessen für die Bedürftigen anbieten.

Eigentlich könnte das Gasthaus nach dem Umbau sofort öffnen. „Aufgrund der Pandemie haben wir uns aber dagegen entscheiden müssen“, sagt Andrea Bullmann, Vorsitzende des Vereins. Dreimal in der Woche gibt es hier lediglich eine Ausgabe durch das Fenster. Auch am Foodtruck bekommen Bedürftige weiterhin die Padermahlzeit. Etwa 1000 Essen werden dort pro Woche gereicht, sagt Sandra Filter. Unter den Bedürftigen seien auch viele Studenten, die keine Jobs mehr haben, und Familien, die mit Kurzarbeitergeld auskommen müssen.

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