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25 Jahre Plückebaum – Caféhauskultur im Herzen der Paderstadt

Von der süßen Qual der Wahl

Marion Neesen

Petit Fours zum eigenen Jubiläum: Vor 25 Jahren haben Konditormeister Andreas Plückebaum und seine Frau Ursula das Caféhaus Plücke­baum am Abdinghof über dem Paderquellgebiet eröffnet. Zum Jubiläum kündigen sie Sonderaktionen an. Im Hintergrund Maria Lauretta, Serviceleiterin Lejla Skopljakovic und Bärbel Koch (von links), drei von 25 Mitarbeitern. Foto: Oliver Schwabe

Paderborn (WB). „Ein Stück Torte ist ein Stück Lebensqualität“ – davon sind Andreas und Ursula Plückebaum nicht nur überzeugt, sie sehen ihre Philosophie auch täglich bestätigt. Und das nun schon seit 25 Jahren. Im Februar vor einem Vierteljahrhundert öffnete das Caféhaus Plückebaum mit herrlichem Blick auf das Paderquellgebiet erstmals seine ­Türen.

„Ja, ich glaube, dass unsere Kunden ein bisschen glücklicher aus unserem Café hinausgehen, als sie hineingekommen sind“, antwortet Ursula Plückebaum auf eine entsprechende Frage. Denn ein Besuch bei Plückebaums bedeute nicht nur Kuchen essen. Es sei ein Stück Caféhauskultur, ein Stück Heimat. Besonders die vielen Stammkunden gehörten irgendwie zur großen Familie dazu. „Für einige sind wir schon fast wie ein Zuhause. Es gibt Gäste, die kommen jeden Tag. Da erfährt man viel aus ihrem Alltag und ihrer Nachbarschaft, kennt ihre Sorgen oder hört von freudigen Ereignissen“, erzählt Ursula Plückebaum. Und genau so liebt sie ihren Alltag – mitten im Leben.

Von Klassikern bis Sonderanfertigungen

Dabei beginnt der Besuch im Caféhaus immer mit einer Qual – der Qual der Wahl. Konditormeister Andreas Plückebaum (53) zaubert täglich eine riesige Auswahl an himmlischsten Verführungen auf die Kuchentheke: von Klassikern wie Frankfurter Kranz und Schwarzwälderkirsch über Holländer-Kirschtorte (das ist die mit dem roten Deckel aus Blätterteig) und Champagnertorte bis hin zu Obstkäsetorten und den berühmten kleinen Himbeertörtchen – den Markenzeichen des Familienbetriebes in zweiter Generation. „Wir sind in Paderborn das einzige Café mit eigener Konditorei im Haus. Jeden Tag außer am Ruhetag Montag wird frisch gebacken“, sagt Ursula Plückebaum, wobei sie und ihr Mann großen Wert auf beste Zutaten legen: „Das schmeckt man einfach.“ Frisch, mit besten Produkten zubereitet und nicht zu süß, darin sehen die Plückebaums ihr Erfolgsrezept.

Insgesamt 60 Kreationen hat Andreas Plückebaum im Repertoire. Für so manche Kunden müsste sich der Konditormeister die Mühe aber gar nicht machen. „Wir haben Gäste, die regelmäßig kommen und regelmäßig erst genau das Angebot in den Blick nehmen, mit sich ringen, um dann regelmäßig doch wieder zu ihrer Lieblingstorte zu greifen“, weiß Ursula Plückebaum um die Eigenarten der Paderborner. Dazu zählt auch: Der Paderborner setzt sich nicht zu anderen an den Tisch. Für den täglichen Betrieb ist das gar kein Problem. 150 Tische drinnen und 130 im Außenbereich stehen zur Verfügung. An Markttagen ist das Café immer besonders gut besucht. Der Dienstag hat sich als Frühstückstag etabliert. Dafür gibt es eine Extraspeisekarte mit einem Klassiker, den Ursula Plückebaum eigentlich gerne längst gestrichen hätte, der aber unverzichtbar ist: Toast Hawaii. Ursula Plückebaum freut sich über altersmäßig ganz gemischte Kundschaft: „Ich bin froh, dass auch junge Leute sich für Kuchen begeistern können.“

Caféhauskultur im Wandel

Die Konditorei ist unter dem Café eingerichtet. Das ist das Reich von Andreas Plückebaum und seinen fünf Mitarbeitern. Neben Torten kreiert er dort Pralinen, Marzipankugeln und etliche Sorten Gebäck. Spezialität des Hauses sind die „Petit Fours“, die aussehen wie zu groß geratene Dominosteine und für die verschiedensten Anlässe wie Geburtstage, Jubiläen oder das bestandene Abitur angefertigt werden. Apropos Sonderanfertigungen: Andreas Plückebaum erfüllt Tortenwünsche der noch so kuriosen Art. „Beliebt sind derzeit Torten für Gender-Reveal-Partys“, berichtet Ursula Plückebaum von einem Trend. Diese Torten werden geordert, wenn künftige Eltern ihr süßes Geheimnis lüften wollen. Am Kaffeetisch verrät die entweder rosafarbene oder hellblaue Creme in der Torte, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird. Auch Torten in Form eines Babybauches hat der Konditormeister schon gestaltet.

Ob einst für den Papstbesuch in Paderborn, die Expo in Hannover oder für die Canossa-Ausstellung – Andreas Plückebaum hat immer auch für solch’ besondere Ereignisse eine Tortenidee. Die jährliche Hoftorte für die Paderborner Schützen kommt ebenfalls aus dem Hause Plückebaum. Dreimal ist das Caféhaus in seiner 25-jährigen Geschichte von der Zeitschrift „Der Feinschmecker“ als eines der besten Cafés in Deutschland ausgezeichnet worden.

Die Caféhauskultur hat sich geändert. „Vor 25 Jahren gab es nur Filterkaffee. Die Maschine hat damals 100.000 Mark gekostet. Heute sind all’ die Milchschaumgetränke hinzugekommen“, erinnert sich Ursula Plückebaum. Eines ändert sich bei den Plückebaums allerdings nicht. Sie essen alle jeden Tag gerne Kuchen. Des Konditormeisters Favorit ist die Cognactorte, Ursula Plückebaum greift gern zum Stachelbeer-Baiser. Und wenn sie eingeladen ist, freut sie sich immer über einen ganz einfachen Blechkuchen.

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