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»Wir fühlen uns missverstanden«

Vorsitzender des Paderborner Integrationsrates verteidigt Militäreinsatz

Paderborn/Kamen (WB/MR/dpa). Der Salut-Jubel der türkischen Nationalspieler beschäftigt nicht nur den europäischen und den Welt-Fußballverband. Auch in den Amateurligen ist das Thema angekommen.

Auch am achten Spieltag innerhalb der EM-Qualifikation salutierten die türkischen Spieler, als sie ein Tor gegen Frankreich feierten. Das hatten sie auch schon in der Partie gegen Albanien getan. Und waren schon dafür scharf kritisiert worden. Foto: dpa

Recep Alpan, Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Paderborn und Vorstandsmitglied beim A-Ligisten Türk Gücü Paderborn, solidarisiert sich mit dem türkischen Militäreinsatz in Syrien: »Es geht nicht um Besetzung, es geht um die Befreiung des Landes vom Terror.«

Alpan lebt seit 1980 in Deutschland, seit 1982 in Paderborn und leistet seit 1996 Vorstandsarbeit beim Paderborner A-Ligisten Türk Gücü Paderborn, den er seit 20 Jahren als Vorsitzender leitet. Am Sonntag traf sein Team im Punktspiel auf Suryoye Paderborn und verlor 1:6.

Auf die Frage, wie er als Vereinschef reagiert hätte, wenn auch seine Spieler die türkische Militäroffensive unterstützt hätte, sagte er dem WESTFALEN-BLATT: »Für mich wäre das in Ordnung. Wir würden, anders als der FC St. Pauli, keinen Spieler suspendieren.« Der Zweitligist hatte sich gestern von Cenk Sahin getrennt, der nach einem entsprechenden Instagram-Post für heftige Proteste bei den Fans des Kiez-Klubs gesorgt hatte.

»Wir wollen uns vor der PKK schützen«

»Dieser Einsatz gilt nicht den Kurden, er richtet sich nur gegen die PKK. Wir wollen Syrien von diesem Terrornetz befreien und uns vor der PKK schützen«, sagt dagegen Alpan und wirft gleichzeitig der UN Untätigkeit vor: »Was das türkische Militär macht, wäre eigentlich Aufgabe der Blauhelme gewesen.  Die PKK wird von der EU zwar als Terrororganisation eingestuft, aber hier steht nur die Terrormiliz IS im Fokus. Die PKK wird nicht als direkte Bedrohung gesehen.«

Für Alpan, der seit 2016 auch dem Integrationsrat der Stadt vorsteht, waren in der Vergangenheit religiöse oder politische Themen innerhalb der Mannschaft tabu. Er habe einen Marokkaner, mehrere Deutsch-Russen, Aleviten auch einen Kurden im Kader. Darunter seien Erdogan-Fans und auch Anhänger von Atatürk. »Mir ist es egal, ob ein Spieler das Freitagsgebet besucht oder am Sonntagmorgen eine Kirche. Hier zählt nur der Fußball«, sagt der 46-Jährige.

Recep Alpan

Warum er beim Salutieren eine Ausnahme machen würde, erklärt er so: »Dieser Gruß richtet sich nicht gegen die Kurden, er soll die Hoffnung ausdrücken, dass unsere Soldaten gesund nach Hause kommen. Hier in Deutschland will man die Hand an der Stirn nur anders verstehen.«

Daran trage auch die aus seiner Sicht einseitige Berichterstattung der Medien in Deutschland eine Teilschuld. »Wir fühlen uns absolut missverstanden«, sagt Alpan wörtlich. In der Türkei seien sich Regierung und Opposition – bis auf die Kurdenpartei HDP – sogar einig in der Bewertung des Militäreinsatzes: »Linke, Rechte, regierungskritische wie auch regierungsfreundliche TV-Sender würden hinter dem Einsatz stehen. »Man kann die Türkei wegen der Menschenrechtsverletzungen, der Presse- und der Meinungsfreiheit kritisieren, aber das ist kein Grund, warum uns unsere Partner im Kampf gegen den Terror nicht unterstützen.«

»Null-Toleranz-Politik«

Klar positioniert hat sich auch der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW). Er hat eine »Null-Toleranz-Politik« in dieser Angelegenheit angekündigt. Solche Dinge entsprächen »in keiner Weise den Werten und Grundsätzen des Verbandes«.

»Der Fußball lässt sich weder für Provokation noch für Diskriminierung missbrauchen«, sagte der für den Amateurfußball zuständige Vizepräsident Manfred Schnieders (Salzkotten) im Namen des Präsidiums.

Auch der Integrationsbeauftragte des Verbandes, Riza Öztürk, befürwortet diese Haltung. »Wir können und müssen Strafen aussprechen, um zu signalisieren, dass wir so etwas nicht dulden«, sagte er.

Der Paderborner FLVW-Kreisvorsitzende Dietmar Ape hatte am Sonntag das Ligaspiel von Türk Gücü beobachtet. »Zufällig«, wie er ausdrücklich betonte. Er bestätige Alpans Aussagen zum Punktspiel: »Ich habe keine Gesten beobachtet.« Wenn es zu politischen Provokationen gekommen wäre, hätte Ape allerdings sofort den Verband informiert. Wie der dazu steht, machte der für den Amateurfußball zuständige Vizepräsident Manfred Schnieders aus Salzkotten deutlich: »Der Fußball lässt sich weder für Provokation noch für Diskriminierung missbrauchen.«

Andree Krup­hölter, im Präsidium für Rechtsfragen zuständig und Fairplay-Beauftragter, kündigte in einer Pressemitteilung sportstrafrechtliche Verfahren wegen unsportlichen Verhaltens vor dem Verbandssportgericht an. »Wir haben eine ganz klare Linie, die besagt: Null-Toleranz für solches Gebaren«, so Krup­hölter, der sich damit dem Vorgehen der anderen Landesverbände anschließt.

Beschäftigen wird sich der FLVW wohl auch mit dem FC Türk Sport Bielefeld. Die Spieler der 1. Mannschaft hatten am Sonntag während einer Schweigeminute salutiert.

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