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Inge Ransenberg ist das jüngste NS-Opfer aus dem Waisenhaus in Paderborn

Weg nach jüdischem Mädchen benannt

Paderborn (WB). An der Universität ist am Freitag ein Fuß- und Radweg nach dem jüdischen Mädchen Inge Ransenberg benannt worden.

Manfred Stienecke

Bürgermeister Michael Dreier, Klaus Hohmann (Heimatverein), Christoph Weber (Bürgermeister Meschede), Martina Gerdes-Kühn (Universität), Rolf-Dietrich Müller und Monika Schrader-Bewermeier (Christlich-Jüdische Gesellschaft, von links) bei der Enthüllung. Foto: Stienecke

Die 1935 geborene und aus dem Dorf Wennemen bei Meschede stammende Jüdin kam als Kind in das Jüdische Waisenhaus nach Paderborn, kehrte aber schon 1942 in ihr Elternhaus zurück, bevor die Familie zunächst ins Konzentrationslager Theresienstadt und von dort aus im Herbst 1943 nach Auschwitz deportiert wurde. Dort ist Inge Ransenberg vermutlich schon kurze Zeit später vergast worden.

»Inge Ransenberg war das jüngste aller ermordeten Kinder, die mit dem Jüdischen Waisenhaus in Paderborn in Verbindung gewesen sind«, erläuterte Heimatvereins-Vorstandsmitglied Klaus Hohmann in einer kleinen Feierstunde. Mit der Namensgebung des Fußweges zwischen dem Pohlweg und dem Peter-Hille-Weg werde das Umfeld der Paderborner Universität – direkt angrenzend an den Campus liegt auch der Jüdische Friedhof – zu einem Quartier, das sich der geschichtlichen Verantwortung in besonderer Weise stelle.

Drei weitere Straßen an der Uni tragen jüdische Namen

Hohmannn erinnerte in diesem Zusammenhang an drei weitere Straßen auf dem Uni-Gelände, die ebenfalls nach jüdischen Persönlichkeiten benannt sind: der Gründerin des Jüdischen Waisenhauses, Fanny Nathan, der letzten Leiterin Liese Dreyer, die mit den Kindern in den Tod ging, sowie nach dem Rechtsanwalt und Notar Dr. Albert Rose. Insgesamt trügen jetzt neun Straßen in Paderborn den Namen ehemaliger jüdischer Mitbürger.

Bürgermeister Michael Dreier dankte den Mitgliedern des Heimatvereins für ihre Initiative zur Benennung des Weges. »Die Zeit des Nationalsozialismus darf nicht in Vergessenheit geraten. Die Straßenbenennung ist ein kleiner, aber wichtiger Beitrag gegen das Vergessen.«

Zu der Feierstunde gekommen war auch der Bürgermeister der Stadt Meschede, Christoph Weber. »Ich nehme die Idee einer Straßenbenennung mit nach Hause«, versprach er. In Paderborn sollen die Straßenschilder noch mit einer Erläuterungstafel und einem QR-Code versehen werden.

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